Von außen unscheinbar,innen einzigartig
Das „Kunsthaus Stemmen“ verbindet Wohnen und Kunst auf besondere Weise. Nun sucht Eigentümer David Hagge einen Nachfolger, der den Charakter des Hauses bewahrt.

Individuell entwickelte Raumstrukturen: Für den Besitzer David Hagge ist das Kunsthaus Stemmen eine begehbares Gesamtkunstwerk.Foto: Kunsthaus Stemmen (David Hagge)
Stemmen. „Von außen wirkt es etwas unscheinbar“, sagt David Hagge über sein Haus an der Blumestraße in Stemmen. Seit 2024 ist der 49-Jährige im Besitz der Immobilie mit dem Namen „Kunsthaus Stemmen“. Warum das rund 427 Quadratmeter große Grundstück und das Gebäude so heißen, erschließt sich vor dem Betreten noch nicht. Der Eigentümer und etliche Menschen aus dem Dorf kennen den Grund aber ganz genau: „Es ist ein begehbares Gesamtkunstwerk“, erklärt Hagge.

Gut zwei Jahre liegt es zurück, dass er das frühere Haus der Künstlerin Rita Hoch erworben hat. Die langjährige Vorbesitzerin war es, die für die Namensgebung sorgte. Die Textil- und Mosaikkünstlerin entwickelte die rund 125 Jahre alte Immobilie vor allem mit ihrem inzwischen gestorbenen Lebensgefährten Norbert Fink zu einer „Wohnskulptur“. So nennt es Nachbesitzer Hagge schwärmerisch. Trotzdem nimmt er wieder Abschied: „Ich habe mich schweren Herzens entschieden, das Haus zu verkaufen.“

Der verheiratete Familienvater Hagge hat auch einen Wohnsitz bei Nienburg an der Weser. Der weit gereiste Handwerker und Messebauprofi hat Jahre nach dem Kauf des Kunsthauses aber auch festgestellt: Aus beruflichen und privaten Gründen könne er sich viel zu selten in Stemmen aufhalten.

Hagge erwarb das Objekt von der Künstlerin im Mai 2024. Die Vorbesitzerin war zuvor nach dem Tod ihres Lebensgefährten in ein kleines Haus bei Neustadt am Rübenberge gezogen. Sie habe das historische Calenberger Klinkerhaus über Jahrzehnte hinweg mit Fink in einen Ort verwandelt, der Wohnraum und Kunst auf einzigartige Weise verbinde. „Licht, Stein, Glas, Mosaik und Natur verschmelzen: Dieses Haus wurde nicht gebaut, sondern erschaffen“, sagt Hagge.

Das Innenleben ist unbestritten künstlerisch: Säulenbögen, Oberlichter, runde Fenster, mit Natursandstein ausgelegte Böden und selbstgemachte Mosaike zieren die Räume. Eine Lichtkuppel ist das Herzstück des Hauses. Große Verglasungen öffnen den Blick in den ebenso kreativ gestalteten Garten. „Das Kunsthaus wurde einst öffentlich ausgestellt und von Kunstnetzwerken als außergewöhnlicher Ort der Kreativität gewürdigt“, sagt Hagge.

Dass er dieses „Lebenswerk“ habe kaufen können, sei aus persönlichen Gründen möglich gewesen. „Ich kenne die Familie seit vielen Jahren“, berichtet Hagge. Vom inzwischen gestorbenen Ofenbauer Fink habe er beim Umbau seines eigenen Hauses in Nienburg wertvolle Inspirationen erhalten. Nach dessen Tod und wegen des geplanten Abschieds der Künstlerin aus Stemmen, bot deren Tochter dem Bekannten der Familie das Kunsthaus zum Kauf an.

„Es gab viele weitere Interessenten“, berichtet Hagge. Den Zuschlag habe er nur unter einer Bedingung erhalten: „Ich habe zugesagt, das Gesamtkunstwerk weitestgehend zu erhalten.“ Mit dieser Vorgabe ist auch jetzt wieder der Verkauf verknüpft. Um Angebote zu filtern, hat Hagge die Internetseite www.kunsthausstemmen.de entwerfen lassen. Hagge bewirbt den Verkauf auch in sozialen Medien.

„Zur Zielgruppe gehören Menschen, die viel mehr suchen als eine Immobilie“, betont der 49-Jährige. Das Kaufangebot richte sich an Kunstschaffende, Stiftungen und Kulturinstitutionen sowie Menschen mit Sinn für kreative Schaffensprozesse – etwa aus den Bereichen Architektur und Design. „Der einzigartige Charakter des Hauses soll erhalten bleiben“, betont Hagge.

Auf der Internetseite werden Details genannt: Die Wohnfläche beträgt rund 144 Quadratmeter. Das Haus ist über einen Glasfaseranschluss an das Internet angebunden. Neben einer Heizung gibt es zwei Grundöfen. „Die Türen und die Heiztechnik sind teilweise erneuerungsbedürftig“, berichtet der Besitzer.

Hagges Idealvorstellung: Einem neuen Besitzer biete sich die Chance, behutsam technische Modernisierungen vorzunehmen und das Kunsthaus für kommende Generationen weiterzuentwickeln.

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