Das Denkmal für denersten „Klimaschützer“
Hinter dem Lendorf-Stein in der Wennigser Mark verbirgt sich eine besondere Geschichte.Dem Waldarbeiter lag der Deister am Herzen.

Inschrift ist kaum lesbar: Fritz Sennholz sorgt sich um den Gedenkstein am Toppiusplatz.foto: Heidi Rabenhorst
Wennigser Mark. Mitten im Deister, am Toppiusplatz, oberhalb der Wennigser Mark, steht ein Denkmal, das von vielen Spaziergängern und Wanderern in der Regel kaum beachtet wird. Die Inschrift ist inzwischen stark verwittert und deshalb nur noch schwer lesbar. Doch hinter dem Lendorf-Denkmal verbirgt sich eine außergewöhnliche Geschichte – die Geschichte eines Mannes, der nach Ansicht des ehemaligen Degerser Ortsbürgermeisters Fritz Sennholz seiner damaligen Zeit weit voraus gewesen ist.

Der rund 1,20 Meter hohe Gedenkstein am Toppiusplatz erinnert an den königlichen Holzknecht Johann Dietrich Lendorf (1743-1815) aus Degersen. Als Waldarbeiter und Heger im Deister bestand seine Hauptaufgabe in der Pflege, Bewirtschaftung und dem Schutz des Waldes vor Holzdiebstahl, wofür er von seinen Vorgesetzten sehr geschätzt wurde. Das Besondere an dem Lendorf-Gedenkstein: Geehrt wurde damit kein Adliger, kein Militär und kein Politiker, sondern ein einfacher Forstbediensteter. Historiker bezeichnen den Stein deshalb als eines der ältesten Arbeiterdenkmäler Niedersachsens.

Für Sennholz ist die Bedeutung Lendorfs ungebrochen. Der heute 87-Jährige war 41 Jahre lang Ortsbürgermeister von Degersen. In dieser Zeit hat er zahlreiche Grundschulklassen zu dem Denkmal geführt. Dort erzählte er den Kindern von der Geschichte des Waldarbeiters und dessen Bedeutung für die Region.

„Lendorf war seiner Zeit voraus und eigentlich der erste Klimaschützer“, sagt Sennholz. Zwar habe man damals noch nicht von Nachhaltigkeit oder Klimaschutz gesprochen, doch Lendorf habe bereits nach Grundsätzen gehandelt, die heute aktueller denn je seien. „Er hat verstanden, dass man den Wald nicht einfach ausbeuten kann, sondern erhalten muss.“

Der Toppiusplatz ist bis heute ein lebendiger Erinnerungsort. Wo sich einst Bergleute versammelten und nach königlichen Jagden die Strecke ausgelegt wurde, finden heute der traditionelle Jazz-Frühschoppen, Waldgottesdienste und weitere Veranstaltungen der Ortsgemeinschaft statt. „Ursprünglich befand sich der Gedenkstein jedoch in Degersen“, sagt Sennholz. Der Stein sei nachträglich von Degersen,dem Geburts- und Sterbeort Lendorfs, an seinen heutigen Standort im Deister versetzt.

Auf Initiative von Sennholz wurde 1979 in Degersen eine Straße im Baugebiet Steinkamp nach Lendorf benannt. Doch ganz zufrieden ist Sennholz damit bis heute nicht. „Leider fehlt am Straßenschild noch immer das Zusatzschild, das die Bedeutung des Namensgebers erklärt“, bedauert er. Dabei sei Lendorf eng mit dem Ort verbunden. „Er ist in Degersen geboren, hat dort gelebt und ist dort gestorben“, sagt Sennholz. Lendorfs ehemaliges Wohnhaus im Neuen Hagen 2 stehe noch heute.

Sorgen bereitet dem früheren Degerser Ortsbürgermeister aber vor allem der Zustand des Denkmals mit der stark verwitterten Inschrift. Eigentümer des Denkmals sind die Niedersächsischen Landesforsten, um die Pflege des Platzes kümmert sich die Gemeinde Wennigsen. Eine Erneuerung der Inschrift sei derzeit nicht geplant, teilt Forstamtsleiter Christian Boele-Keimer auf Nachfrage mit. Für Sennholz ist das bedauerlich. Er würde sich wünschen, dass die Geschichte des Mannes hinter dem Denkmal stärker sichtbar bleibt.

Denn gerade heute könne der Stein eine wichtige Botschaft vermitteln: Der verantwortungsvolle Umgang mit dem Wald ist keine Erfindung der Gegenwart. „Menschen wie Johann Diedrich Lendorf haben dafür bereits vor mehr als 200 Jahren die Grundlagen gelegt.“

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