„Ich trete in große Fußstapfen“, sagt der vom Rat für eine sechsjährige Amtszeit bestätigte Nachfolger. Der 33-Jährige wirkt gelassen. Dabei kommen große Herausforderungen auf ihn zu – unter anderem der Planungsbeginn für einen Standortwechsel der Feuerwehr. Lüerßen hat aber starken Rückhalt in der Einsatzabteilung und im Kreis der Führungskräfte. Er sei ja nicht urplötzlich als Nachfolger vorgeschlagen worden. „Diese Idee ist gewachsen und war ein Prozess“, sagt Lüerßen.
Für den ausgebildeten Fachinformatiker – er arbeitet im IT-Bereich für den Technischen Überwachungsverein (TÜV) - ist es der bisherige Höhepunkt seiner Laufbahn als ehrenamtliche Feuerwehrkraft. Während seiner bislang 25-jährigen Mitgliedschaft hatte er aber schon sehr verantwortungsvolle Aufgaben. Mitglied des Ortskommandos sei er seit sieben Jahren, sagt der künftige Kommandochef. Von 2019 bis zu Beginn dieses Jahres war Lüerßen Jugendwart. Als Gruppenführer sei er bis vor einem Jahr für die Koordination einer neunköpfigen Einsatzgruppe zuständig gewesen.
Lüerßen war auch zehn Jahre lang Pressesprecher der Stadtfeuerwehr – eine Aufgabe, die bei Einsätzen viel Fingerspitzengefühl erfordert. Lüerßen verweist auf einen tragischen Unfall auf der B 217 bei Weetzen vor vier Jahren. Der Zusammenstoß von zwei Autos mit vier Todesopfern ist ihm nach seinem Pressesprecher-Einsatz am Unglücksort nachhaltig in Erinnerung geblieben.
Das gilt aber auch für seine erste Alarmierung als aktive Rettungskraft: „Als ich im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal den Sirenenalarm gehört habe, war ich ziemlich aufgeregt“, erzählt Lüerßen. Zu dieser Zeit seien noch nicht alle Aktiven mit einem Pieper ausgestattet gewesen. Weil er noch keinen dieser Meldeempfänger bei sich getragen habe, sei ihm der Grund der Alarmierung zunächst unklar gewesen. „Es entpuppte sich als Ölspur“, erzählt Lüerßen.
Die Feuerwehrlaufbahn des neuen Ortsbrandmeisters begann vor 25 Jahren nicht in der Kernstadt: Lüerßen ist in Weetzen aufgewachsen. Als Achtjähriger habe er dort bei der Jugendfeuerwehr angefangen und schnell Spaß daran gefunden. „Große Autos, schwere Maschinen, laute Motoren: Das hat mich als Junge in diesem Alter sehr beeindruckt“, erinnert er sich. Auch der große Zusammenhalt untereinander habe ihm sehr gut gefallen.
Ein gesundheitliches Problem konnte Lüerßens weitere Laufbahn nicht stoppen: Vor 16 Jahren wurde ihm eine künstliche Hüfte eingesetzt. Für seine Arbeit als Feuerwehrkraft sei das aber nicht problematisch, sagt er.
Nach seinem Umzug von Weetzen nach Ronnenberg wechselte Lüerßen im Jahr 2015 auch zur Schwerpunktfeuerwehr in der Kernstadt. Jetzt übernimmt er den Chefposten im Ortskommando. Er ist damit an der Spitze einer Feuerwehr mit rund 480 Mitgliedern, 65 Einsatzkräften sowie einer Jugend- und Kinderfeuerwehr.
Der 33-Jährige blickt entschlossen auf die kommenden Herausforderungen: „Intern“ sei es seine wichtigste Aufgabe, den guten Zusammenhalt zu bewahren. „Wir sind ein eingeschworenes Team“, sagt Lüerßen. Er wolle dazu beitragen, dass das so bleibe: „Die Ausbildung muss Spaß machen, es muss ein offenes Miteinander geben“, kündigt er an. Das wolle er auch „vorleben“. Wichtig seien aber auch Teamevents wie Bowling oder gemeinsames Grillen.
Lüerßen hat sich für seinen neuen Posten viel vorgenommen: „Ich möchte den Job so gut machen, dass die Feuerwehr mit meiner Arbeit zufrieden ist.“ Auf ihn kommen auch strukturelle Großprojekte zu: Gemeinsam mit der zuständigen Planungsgruppe sei in diesem Jahr eine Ersatzbeschaffung für das bisherige Tanklöschfahrzeug abzuwickeln. Auch für einen Einsatzleitwagen (ELW) und einen Mannschaftstransportwagen (MTW) sind laut Lüerßen Ersatzbeschaffungen geplant.
Die wohl größte Herausforderung: der Planungsbeginn für ein neues Feuerwehrgerätehaus. „Trotz Sanierung und Umbau ist in unserem Gebäude zu wenig Platz“, berichtet Lüerßen von einem bekannten Problem. Der Standort entspreche auch nicht mehr den zeitgemäßen Anforderungen. Deshalb habe die Stadt angekündigt, ab 2030 ein neues Gerätehaus auf dem Festplatz an der Empelder Straße errichten zu wollen.
Der neue Kommandochef ist auch familiär in der Ortsfeuerwehr verwurzelt: Seine Ehefrau Marlen ist die Tochter des stellvertretenden Ortsbrandmeisters Markus Gust und selbst Einsatzkraft. Und: Die Feuerwehrfamilie bekommt Zuwachs. Maximilian und Maren Lüerßen erwarten Nachwuchs.