Grünem Gewerbepark am Bünteweg droht das Aus
Investitionskosten für das Modellprojekt sind deutlich höher als erwartet

Zukunftsweisendes Modell: Beim HAZ-Energieforum, dass von Jan Sedelies (rechts) moderiert wurde, sind die Pläne im Gewerbepark Bünteweg vorgestellt worden.Foto: Dirk Wirausky
Gehrden. Die Pläne waren bereits sehr konkret: Die Stadt Gehrden wollte am Bünteweg ein Gewerbeareal als Modellprojekt für ein CO₂-neutrales Gebiet erschließen und entwickeln. Die Nutzung von fossilen Brennstoffen sollte dort ausgeschlossen werden; stattdessen sollte eine Abwasserleitung, die durch das Gebiet führt, als Wärme- und Energiespender genutzt werden.

Die besondere Idee hinter den Plänen: Die Stadt Gehrden wollte das Gebiet unter dem Stichwort „Ökologischer Gewerbepark“ entwickeln, unter anderem mit Anschluss an eine kommunale Wärmeversorgung. Angedacht war, die Abwasserwärme von Leitungen, die durch das Gebiet führen, zu nutzen. Es wäre einmalig in der Region.

Doch ob es dazu kommt, ist aktuell ungewiss. Der Grund sind die Kosten. Laut Bürgermeister Malte Losert (parteilos) seien es vor allem die Tiefbauarbeiten in dem Gebiet, die deutlich teurer seien, als ursprünglich erwartet. „Es rechnet sich nicht“, sagt Losert. Die Investitionskosten seien zu hoch.

Hintergrund ist eine Untersuchung des Düsseldorfer Büros Naturstrom. Dort ist man zu der Erkenntnis gekommen, dass das geplante Wärmenetz nur Sinn mache, wenn möglichst viele Gebäude angeschlossen würden. Doch eine Abfrage der umliegenden Immobilien im angrenzenden Gewerbegebiet Bünteweg war ernüchternd: Zum einen habe es nur wenige Rückmeldungen gegeben, zum anderen sei das Interesse an dem Wärmekonzept gleich Null, berichtet Losert. Und: Um eine Förderung für das Projekt zu erhalten, müssen mindestens 17 Gebäude an das Netz angeschlossen sein. Davon sei man aber weit entfernt. „Es fehlen Abnahmequellen“, so Losert.

Ein weiteres Problem: die langen Leitungswege. Auf 1200 Meter müssten Leitungen gelegt werden, dazu kommen 700 Meter zu den Häusern. Verbunden damit wären kostspielige Tiefbauarbeiten. „In einem Wohngebiet wären die Voraussetzungen anders, weil die Abstände der Gebäude geringer sind“, meint Losert. Dazu würden Wohnhäuser dauerhaft beheizt, anders als beispielsweise Lagerhallen.

Doch wie geht es nun weiter? An dem Projekt wird weiterhin festgehalten, die Rahmenbedingungen haben sich allerdings geändert. „Wir werden an der Entwicklung des Gewerbegebiets festhalten“, sagt Losert, aber wohl ohne ein zentrales Wärmenetz. „Von dieser Idee werden wir uns wohl verabschieden müssen“, glaubt Losert. Jeder Betrieb, der sich im Gewerbepark ansiedeln wolle, müsse sich selbst versorgen, beispielsweise mit einer Wärmepumpe.

Am Standort sollen insbesondere Handwerks- und Kleingewerbebetriebe mit Grundstücksgrößen von 1000 bis 5000 Quadratmetern sowie Büros aus der Branche wirtschaftsnahe Dienstleistungen mit Flächengrößen von 500 bis 3000 Quadratmetern angesiedelt werden. Dies entspreche auch den Anforderungen der absehbaren örtlichen Nachfrage und berücksichtige somit die Interessen der ortsansässigen Betriebe, heißt es. Firmen des verarbeitenden Gewerbes und andere Betriebe, die Emissionen ausstoßen, kommen unter Berücksichtigung der Standortbedingungen und des Flächenbedarfs nicht in Betracht.

Der Zeitplan hatte vorgesehen, Anfang 2027 mit den Bauarbeiten auf dem Gelände zu beginnen. 2028 sollte mit der Vermarktung der Grundstücke begonnen werden. Nun müssen die Pläne allerdings vermutlich überarbeitet werden.

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