Bundesjugendspiele:Wettkampf plus Bewegungsspaß
Gehrdener Grundschulen setzen auf eine Kombination aus Leistung und Spiel

Spaß trotz Wettkampf? Im Mittelpunkt der Bundesjugendspiele der Grundschule Am Castrum stehen Spiel und Bewegung.Foto: Catalina Grobe Fernandes
Gehrden. Die Bundesjugendspiele sollen künftig wieder stärker wettbewerbsorientiert sein. Das haben die Kultusministerinnen und -minister der Länder kürzlich entschieden. Zum nächsten Schuljahr sollen demnach zwei unterschiedliche Modelle zulässig sein.

Im Jahr 2021 war der klassische Wettkampfcharakter bei den Bundesjugendspielen minimiert worden. Sie blieben zwar verbindliche Veranstaltungen an Schulen, sollten jedoch „kindgerechter“ und „entwicklungsorientierter“ gestaltet werden. Die Abschwächung des Leistungsgedankens sorgte damals für viel Kritik. Die Reform lässt für dritte und vierte Klassen jetzt beides zu: die Wettkampfidee mit exaktem Messen von Zeiten und Weiten und die Wettbewerbsidee mit weiter gefassten Leistungszonen.

An der Grund- und Oberschule (GOBS) und der IGS Gehrden wird die Rückkehr des klassischen Wettkampfes differenziert betrachtet. „Grundsätzlich gehören Leistung, Anstrengungsbereitschaft und der faire Vergleich mit anderen zum Sport dazu“, erklärt Fachkonferenzleiterin Marzena Zsebe. Viele Kinder würden Wettkämpfe als motivierend erleben und seien stolz darauf, persönliche Bestleistungen zu erreichen oder sich mit anderen zu messen. „Für diese Kinder kann die Möglichkeit eines klassischen Wettkampfs eine Bereicherung sein.“

Gleichzeitig verweisen die Sportlehrkräfte auf die unterschiedlichen Voraussetzungen der Kinder. „Wir erleben im Schulalltag, dass die Leistungsunterschiede im Grundschulalter sehr groß sind. Während einige Kinder bereits in Sportvereinen aktiv sind und viel Bewegungserfahrung mitbringen, haben andere deutlich weniger Voraussetzungen“, so Zsebe. Deshalb sei es wichtig, dass die Bundesjugendspiele nicht nur die leistungsstärksten Kinder ansprechen, sondern allen Schülerinnen und Schülern positive Bewegungserlebnisse ermöglichen.

Die Entscheidung der Länder, den Schulen Wahlmöglichkeiten einzuräumen, wird deshalb begrüßt. „Aus unserer Sicht sollte im Mittelpunkt stehen, wie wir möglichst viele Kinder für Bewegung begeistern und gleichzeitig Leistung wertschätzen können“, betont Zsebe. Derzeit setzt die GOBS auf eine Mischform. Die Bundesjugendspiele umfassen neben klassischen leichtathletischen Disziplinen auch spielerische Bewegungsaufgaben und Teamstationen. „Die Kinder können zeigen, was sie können, erleben aber gleichzeitig, dass Sport mehr ist als Weiten, Zeiten und Punkte“, erläutert Zsebe. Fairness, gegenseitige Unterstützung und Freude an Bewegung spielten ebenfalls eine wichtige Rolle.

Eine ähnliche Sichtweise vertritt die Grundschule Am Castrum. Rektorin Nina von Zimmermann betont: „Für uns steht im Vordergrund, dass jedes Kind am Ende des Tages mit einem positiven Gefühl nach Hause geht, motiviert bleibt und Bewegung als etwas erlebt, das Spaß macht.“ Wenn dies gelinge und gleichzeitig sportliche Leistungen anerkannt würden, hätten die Bundesjugendspiele ihr Ziel erreicht.

Die Sportlehrkräfte der Grundschule Am Langen Feld organisieren bewegungs- und gesundheitsfördernde Aktionstage, Turniere und Projekte. „Regelmäßig stattfindende Sportfeste oder Projektwochen stärken das Gemeinschaftsgefühl und machen Bewegung als positives Erlebnis sichtbar“, heißt es im Sportprogramm der Einrichtung. „Auch bei unseren regelmäßig stattfindenden Schulfesten sind sportliche Programmpunkte verankert“, betont Rektorin Stefanie Diemert. Die Kinder können an vielen Stationen aktiv werden, unter anderem bei Bobbycar-Rennen, Eier-Wettlauf oder Dosenwerfen.

Druckansicht