Ihre Vorstandskollegin Angela Behrens (59) bestätigt dies. „Wir haben echt ein gutes Miteinander gefunden“, findet sie. „Wir setzen all unsere verschiedenen Talente für den Verein ein und hoffen sehr, dass wir mit der gewonnenen Stabilität im Vorstand und dem sehr guten Miteinander mit den Hauptamtlichen in eine gefestigte Zukunft des Vereins blicken können“, sagt Behrens. Eine dieser neuen hauptamtlichen Koordinatorinnen ist Heike Hendel. Sie hat am 1. Juni angefangen. Im Juli wird eine weitere Koordinatorin dazukommen.
Unsichere Monate liegen hinter dem ambulanten Hospizdienst, der schwerstkranke, sterbende und trauernde Menschen begleitet. Der Verein stand kurz vor der Auflösung. Das drohende Aus konnte aber abwendet werden, nachdem sich nach einem Aufruf genügend Mitglieder bereit erklärt hatten, im Vorstand mitzuwirken. „Jetzt ist es wichtig, dass wieder Ruhe einkehrt“, sagt Behrens. Auch viele Vereinsmitglieder seien verunsichert gewesen wegen der Situation.
Zum neuen Vorstand gehören noch Denise und René Gerhard (beide 36), die als Bestatter fachlich wertvolle Kompetenzen für die Arbeit im Hospizdienst mitbringen. Öffentliche Aufklärung, das sei nach wie vor mit am wichtigsten, meinen auch sie. Weil viele Menschen noch immer nicht wüssten, dass es diese Unterstützung gibt. Und weil vieles einfach durcheinandergeworfen werde.
Hospizdienst, Hospiz, Palliativnetz? „Oft merken wir gerade in Gesprächen bei unserer Arbeit, dass hier gar nicht unterschieden wird“, sagt René Gerhard. Vielfach werde angenommen, das sei alles ein und dasselbe. Aber es sind nicht dieselben Dinge. Kurz gesagt: Ein Hospiz ist der Ort, an dem Menschen in ihrer letzten Lebensphase betreut werden. Ein Hospizdienst kümmert sich um die Begleitung und Beratung zu Hause. Und das Palliativnetz stellt die medizinische Versorgung sicher.
Für den ambulanten Hospizdienst ist das Sterben kein Tabuthema. Die geschulten Ehrenamtlichen und auch der neue Vorstand haben es sich zur Aufgabe gemacht, das Thema aus der gesellschaftlichen Isolation und mehr in den Alltag zu holen. Damit Betroffene im Ernstfall wüssten, wo sie Hilfe bekämen und wie ein würdevoller Abschied zu Hause gelingen könne. Denn das ist das zentrale Anliegen der Hospizarbeit: möglichst lange im vertrauten häuslichen Umfeld verbleiben können. „Und das gelingt auch in den meisten Fällen“, bestätigt Behrens, die sich vor einigen Jahren dazu entschloss, sich zur ehrenamtlichen Sterbebegleiterin ausbilden zu lassen.
Insgesamt kann der ambulante Hospizdienst „Aufgefangen” auf etwa 70 erfahrene und geschulte ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen. Über das Jahr begleitet dieses Team etwa 100 Menschen. Viele wüssten erst, wenn sie den Hospizdienst selbst in Anspruch genommen hätten, um die Wichtigkeit, sagt Denise Gerhard. Doch irgendwann betreffe es meist jeden, in irgendeiner Form. Ob es der Opa sei, eine Freundin oder ein Kind: „Auch Menschen, die wir gar nicht begleitet haben, kommen hierher und suchen Ansprechpartner. Denn wir sind auch ein offenes Haus für trauernde Menschen“, sagt Behrens.
Die den Angaben zufolge unzureichende Refinanzierung von Trauerarbeit durch die Krankenkassen stellt den ambulanten Hospizdienst allerdings vor enorme finanzielle Herausforderungen. Bei einem ambulanten Hospizdienst seien viele Dinge über die Krankenkassen refinanzierbar, wie die Sterbebegleitung, die von den Ehrenamtlichen geleistet werde. Was überhaupt nicht finanziert werde, sei halt die Trauerarbeit, sagt Behrens.
Das bedeutet: „Alles, was es an Trauerbegleitung hier bei uns im Haus gibt, muss über Spenden finanziert werden“, erklärt sie. Dazu gehören das Trauercafé im Lebenshaus an der Hinterkampstraße, die Einzelgespräche und auch die Trauergruppen. „Wir bilden gerade Ehrenamtliche zu Trauerbegleitern aus, auch das ist mit Kosten verbunden“, sagt Behrens. Gerade beim Fundraising also dem Sammeln von Spendengeld, gebe es vor diesem Hintergrund noch viel zu tun. Eine Mitgliedschaft beim ambulanten Hospizdienst kostet 60 Euro im Jahr.
Relativ neu und wie alle Angebote des Hospizdienstes kostenlos für Teilnehmende sind die Pilgerspaziergänge, die für trauernde Angehörige und Hinterbliebene angeboten werden. Über die Landeskirche hat sich Vorstandsmitglied Neetz zur zertifizierten Pilgerbegleiterin ausbilden lassen und bietet geführte Touren auf dem Pilgerweg Loccum–Volkenroda an. „Im Gehen kommt vieles in Bewegung“, sagt sie.
Bei den Pilgerwanderungen in Barsinghausen geht es in den Deister. Etwa drei Stunden ist die Gruppe dann unterwegs.
Die nächsten Termine sind am heutigen Sonnabend, 11. Juli, von 14 bis 17 Uhr und am 14. November von 13 bis 16 Uhr. Anmelden kann man sich