Ein zentraler Punkte des kurzweiligen Abends war die Energieversorgung in Gehrden. Etwas, was Bürgermeister Malte Losert (parteilos) stolz macht. Denn die Burgbergstadt ist rein rechnerisch Selbstversorger. Seit Jahren setzt sie auf Sonnenenergie, Windkraft und Biogas. „Die Energiewende läuft bei uns schon lange“, sagte Losert.
Einen wesentlichen Beitrag dazu, dass in Gehrden die Energiewende eingeleitet worden sei, leiste das bürgerliche Engagement, so Losert. Die Energiegenossenschaft Calenberger Land habe sich etwa früh um den Nutzen von Photovoltaikanlagen gekümmert. Unter anderem gab es ein 100-Dächer-Programm. Ein erfolgreiches Projekt: 2025 sei das 1000. Dach gefeiert worden. „Aber es gibt noch viele freie Dachflächen im Stadtgebiet“, sagte Losert.
Auch die kommunale Wärmeplanung ist bereits abgeschlossen. Nun würden Potenziale gesucht. Es werde geprüft, welche Versorgungstechnologien auf Basis erneuerbarer Energien oder nutzbarer Abwärme für die Wärmeversorgung zur Verfügung stehen. Dies könnten grüne Wärmenetze oder Technologien mit Solarthermie, Geothermie, Umweltwärme oder Biomasse sein.
Für Rainer Schmittdiel, Mitglied des Avacon-Vorstands im Ressort Technik, ist Gehrden etwas Besonderes. Es gebe in der Stadt „ein krasses Potential“, was abgerufen werde. Schmittdiel fordert aber auch, die Genehmigungsverfahren zu entschlacken. „Wir müssen schneller vorankommen“, betonte er. Ohne fossile Brennstoffe werde es aber erst mal nicht gehen. Auf Nachfrage eines Bürgers machte er zudem deutlich: „In der Übergangsphase sind verschiedene Energiequellen in den Netzen.“ Dazu gehöre auch Gas.
Gerahmt war die Veranstaltung von zwei Vorträgen. Holger und Hendrik Masche, Experten aus dem Ofen- und Schornsteinbauhandwerk von der AKM GmbH, informierten über den Einbau von Öfen. Hendrik Masche machte deutlich: Entscheidend sei die richtige Planung. „Es müsse vor dem Einbau genau geschaut werden, welcher Bedarf im Haus besteht“, sagte er. Ein weiterer wichtiger Faktor von Holzöfen sei die Integration in den Heizkreislauf.
Die Potenziale des Wassers zeigte Thorsten von Neudeck, Geschäftsführer von Avacon Wasser, auf. „In der Wasserwirtschaft sind wir schon unmittelbar vom Klimawandel betroffen“, sagte er. Er machte deutlich: Die Verdunstung des Wassers steige mit jedem Grad und die Anzahl der heißen Tage sei deutlich gestiegen. Das bedeute auch, dass Alternative zu den Wasserkapazitäten in den Stauseen geschaffen werden müssten. So müsste in Zukunft in den Kommunen Wasser anders gedacht werden. Schwammstädte lautete das Schlagwort. Dazu gehöre unter anderem die Entsiegelung von Flächen, mehr Grün auf den Dächern oder Zisternen für Regenwasser. In Gehrden selbst sei die Wasserversorgung gut und stabil. Dennoch müssten resiliente Netze aufgebaut werden, damit auch das Grundwasser ins System komme. Ein weiterer Punkt: die Energiegewinnung aus Trink- und Abwasser. Die könnte in Gehrden einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung, sprich zur Abkehr von Gas und Erdöl, leisten, meinte von Neudeck. Avacon selbst arbeite an einem Konzept für ein Trinkwasser-Pilotprojekt in Lüneburg. Details dazu waren der Redaktion zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nicht bekannt.