Neben ihm steht sein Klassenkamerad Diar. Der 18-Jährige trägt einen grauen Dreiteiler und blickt etwas wehmütig. Er freue sich über seinen Abschluss und den Wechsel auf eine weiterführende Schule mit Schwerpunkt Wirtschaft, sagt Diar. Gleichzeitig weiß er: Viele Freunde wird er künftig nicht mehr jeden Tag sehen. „Das wird schon eine Umstellung.“
Zwischen diesen beiden Gefühlen bewegt sich die Stimmung an diesem Freitagvormittag an der GOBS Gehrden. Für 94 Schülerinnen und Schüler der Klassen 10a bis 10d endete am 19. Juni die Schulzeit.
Schon vor Beginn der Feier sind die Parkplätze rund um die Schule voll. Familien, Freunde und Verwandte sind gekommen. In der Mensa und Aula ist jeder Sitzplatz besetzt. Draußen klettert die Thermometeranzeige bereits am Vormittag auf 27 Grad. Im Lauf der Veranstaltung wird es noch deutlich wärmer. Programmhefte werden zu Fächern, einige Gäste haben vorsorglich richtige Handfächer mitgebracht. Auf der Bühne warten die Jugendlichen in Anzügen und festlichen Kleidern auf ihren großen Moment. Manche wirken nervös, andere geben sich nonchalant und gelassen.
Als die Namen aufgerufen werden, gibt es nicht nur Zeugnisse und eine Blume. Genannt werden auch die nächsten Stationen: Ausbildung, berufsbildende Schule, gymnasiale Oberstufe oder Freiwilliges Soziales Jahr. „Jeder geht seinen Weg. Jeder kann anders gehen, aber er geht ihn“, sagt Konrektor Arne Lechmann.
Auch Bürgermeister Malte Losert (parteilos) richtet sich an die Jugendlichen. Nach dem Schulabschluss beginne nun ein neuer Lebensabschnitt. „Die Stadt Gehrden braucht junge Menschen wie euch. Menschen mit Ideen, Verantwortung und Engagement. Ihr seid die Zukunft unserer Stadt und unserer Gesellschaft.“
Knapp ein Drittel des Jahrgangs startet nach den Sommerferien ins Berufsleben: 29 Schülerinnen und Schüler beginnen eine Ausbildung. Besonders häufig ziehen sie dabei Berufe als Anlagenmechaniker, Erzieher oder in der Pflege in Betracht. Andere wechseln auf weiterführende Schulen. Für Konrektor Lechmann kommt die hohe Zahl an Ausbildungsverträgen nicht von ungefähr. Einen wichtigen Anteil daran habe die Ausbildungslotsin der Schule, erklärt er. Sie begleitet die Jugendlichen bei Bewerbungen, Praktika und Fragen rund um die Berufswahl. Nicht überall würden Jugendliche so eng auf ihrem Weg in die Ausbildung unterstützt.
Zu den Jahrgangsbesten zählen in diesem Jahr fünf Schüler und eine Schülerin. Sie werden auf der Bühne ausgezeichnet. Alle haben ihren Abschluss mit einem Notendurchschnitt im Einserbereich geschafft.
Einer von ihnen ist der 17-jährige Tim. Nach den Ferien möchte er die Oberstufe besuchen und später Lehrer werden. „Ich bin stolz auf mich selbst“, sagt er. Seine Schulzeit habe ihn geprägt. „Wir hatten tolle Lehrer.“ Ganz ohne Wehmut geht der Abschied für ihn nicht über die Bühne. „Jetzt sind die Freunde weg, und jeder geht seinen eigenen Weg.“
Besonders hebt die Schule zwei Schülerinnen hervor, die erst seit 2024 in Deutschland leben. Innerhalb kurzer Zeit haben beide den Erweiterten Sekundarabschluss I erreicht, den höchstmöglichen Abschluss an der GOBS. Für die Schule stehen sie beispielhaft für Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen und gelungene Integration.
Zum Ende der Feier werden noch einmal Handys gezückt. Eltern kämpfen mit den Tränen, Freunde umarmen sich, Lehrkräfte gratulieren. Dann folgt der letzte gemeinsame Gang: Im Gänsemarsch verlassen die Absolventinnen und Absolventen ihre Schule. Auf dem Schulhof warten bei mittlerweile mehr als 30 Grad Getränke und Snacks. Für einen Moment bleiben die Jugendlichen noch zusammen, vergleichen ihre Zeugnisse, lachen miteinander und posieren für Erinnerungsfotos. Danach trennen sich ihre Wege.