Neue Pläne für die „Alte Brauerei“
Geräumiger Eingangsbereich, Fenster im Süden, Glasaufzug und ein Café: Wie das Stadtmuseum künftig aussehen soll, stellt die Bürgerstiftung vor

Neuer Eingang: Das Stadtmuseum soll künftig vom Süden aus betreten werden.
Gehrden. Fenster in der bisher fensterlosen Fassade im Süden, ein gläserner Aufzug und eine ganz neue Funktion für den derzeitigen Gewölbekeller: Die Bürgerstiftung Gehrden plant eine komplette Neugestaltung des „Alte Brauerei“ genannten Stadtmuseums. Stiftung und Architekt haben ihre Pläne jetzt erstmals öffentlich präsentiert.

Möglicherweise hatte das Gebäude, einst eine Brauerei, auch schon in früheren Jahren Öffnungen an der Südseite. Auf jeden Fall will der von der Bürgerstiftung beauftragte Architekt Sascha Remke aus Barsinghausen nun Licht in das Gebäude bringen. Und an der Südseite soll auch der künftige Eingang sein. „Das könnte auch ein neuer, schöner Platz zu Beginn der Fußgängerzone sein“, sagt Remke. Er stellt sich dort einen oder zwei Bäume vor, dazu Tische und Stühle.

Die ungewöhnliche Dachform des Gebäudes will der Architekt für einen besonderen Lichteinfall nutzen: Dort, wo im Dach der ehemaligen Brauerei früher Öffnungen zum Trocknen der Hopfen waren, will Remke Fenster einbauen. Durch diese soll in der Dämmerung spezifisches Licht einfallen, in der Dunkelheit sollen sie nach außen leuchten.

In diesem Bereich kommen Besucher künftig in einen großzügigen Vorraum. Von dort geht es weiter in das Stadtmuseum im oberen Bereich und in ein Café im Tiefparterre. Für alle, die keine Treppen laufen können, plant Remke einen glasverkleideten Aufzug an der Seite. Auch ein Büro für die Bürgerstiftung ist vorgesehen.

Seit sechs Jahren ist das Stadtmuseum Gehrden wegen Mängeln beim Brandschutz und fehlender Barrierefreiheit für den regulären Betrieb geschlossen und wird nur noch einmal im Monat geöffnet. Das will die Bürgerstiftung in Zusammenarbeit mit der Germerott-Stiftung ändern.

„Das Ganze wird teuer“, gesteht Wolfgang Middelberg vom Vorstand der Bürgerstiftung. „Die beantragten 750.000 Euro werden nicht reichen“, sagt der frühere Leiter des Gehrdener Bau- und Umweltamtes. Deshalb sucht die Bürgerstiftung nach weiteren Zuschüssen, auch von Unternehmen und Bürgern. Der Vorstand kann sich zudem vorstellen, dass Handwerksfirmen sich mit Azubi-Projekten beteiligen. Beispielsweise könnten die Auszubildenden eines Elektrobetriebs beim Innenausbau die Installationsarbeiten übernehmen, ohne Rechnung.

Die Bürgerstiftung hatte das Gebäude zu Beginn des Jahres vom bisherigen Eigentümer übernommen. Für diesen kam die nötige und umfassende Sanierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage.

„Die Zusammenarbeit mit der Bürgerstiftung läuft optimal“, berichtet Walther Heine vom Heimatbund, der für den Museumsbetrieb zuständig ist. Bis die Sanierungsarbeiten starten, will der Verein die bisherige Praxis mit einer Öffnung am jeweils letzten Sonntag des Monats fortsetzen. „Wir versuchen, ein Zeichen zu setzen, dass das Museum lebt“, betont Heine.

Mit einer Sanierung des Gebäudes rücke Gehrden im Hinblick auf den Status der örtlichen Kulturstätten wieder an die Nachbarstädte, Ronnenberg, Wennigsen und Springe heran, sagt er. Diese Kommunen hätten ihre Häuser bereits saniert und dadurch „wunderbare Museen“. Natürlich sei die Zeit wegen der knappen Kassen nicht gerade günstig, meint Heine. Deshalb sei er besonders froh, dass sich die Bürgerstiftung das Projekt vornehme.

Wann das Gebäude fertig saniert ist, sei schwer einzuschätzen, sagt Middelberg. „Wir werden das schnell vorantreiben“, versichert er. Den Zeitraum bis zum Abschluss der Arbeiten schätzt er auf „fünf, vielleicht zehn Jahre“.

Lob für die nun präsentierten Pläne kommt von Bürgermeister Malte Losert (parteilos). Mit der Gründung der Bürgerstiftung sei eigentlich das Ziel verfolgt worden, viele kleine Projekte ins Leben zu rufen. „Dass nun bereits nach zwei Jahren das drittälteste Gebäude zugestiftet wird und eine Sanierung durch die Bürgerstiftung erfolgt, ist eine tolle Entwicklung.“ Auch Losert meint, dass die Sanierung des Gebäudes den Eingang zur Fußgängerzone aufwerten wird. „Dies passt zur Innenstadtsanierung, die in diesem Bereich bereits ihren Abschluss gefunden hat“, sagt er. In einem zweiten Schritt soll dort künftig das runderneuerte Heimatmuseum mit einer aktualisierten Ausstellung wieder die Stadtgeschichte sichtbar machen.

Einst war das Gebäude im Zentrum der Stadt eine Brauerei. Nach einem Brand wurde es 1665 als Brau- und Wohnhaus neu errichtet. Seit 1975 wird dort auf zwei Etagen eine umfangreiche Dauerausstellung gezeigt – mit Exponaten aus den Bereichen Urgeschichte sowie aus der Historie der Ortschaften, der Vereine, der Feuerwehr und des Handwerks. Es handelt sich um das drittälteste Gebäude der Stadt Gehrden.

Die Mängelliste ist lang. Vom Dach bis zum ehemaligen Bierkeller müsse alles erneuert werden, in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die alte Brauerei ist ein Einzeldenkmal. „Alte Stilelemente müssen erhalten bleiben, oder sogar wiederhergestellt werden“, berichtet Middelberg.





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