Nach Angaben der Stadt Gehrden gelten die Straßen in dem Bereich als marode und müssen grundlegend saniert werden. Die Straßen rund um das Matthias-Claudius-Gymnasium sind teilweise rund 50 Jahre alt. Nach Angaben der Stadt haben unter anderem die Umbauarbeiten am Gymnasium die Fahrbahnen zusätzlich belastet. Gleichzeitig müssen die ebenfalls rund 50 Jahre alten Kanäle erneuert werden. In der Vergangenheit war es bereits zu Kanaleinbrüchen und Absackungen gekommen. Langfristig soll das bisherige Mischwassersystem durch ein Trennsystem ersetzt werden, bei dem Regen- und Schmutzwasser getrennt abgeführt werden. Das gilt als umweltfreundlicher und entlastet die Kläranlagen.
Für das Projekt unter dem Titel „Mobilitätskonzept Gehrden“ sind insgesamt rund 4,2 Millionen Euro eingeplant. Davon trägt die Stadt Gehrden rund 2,4 Millionen Euro, die restlichen 1,8 Millionen Euro übernimmt die Abwassergesellschaft Gehrden (AGG) – die für die Kanalarbeiten verantwortlich ist, bei denen die Skelette gefunden wurden.
Die Bauarbeiten haben im Februar 2026 begonnen. Für den derzeit laufenden ersten Bauabschnitt in der Hangstraße ist die Fertigstellung Ende Juli 2026 geplant. Das teilt Beate Küchemann, Leiterin des Fachbereichs Bau und Umwelt der Stadt Gehrden, auf Nachfrage mit. Insgesamt läuft das Großprojekt in mehreren Bauabschnitten bis 2027. Nach Angaben des ausführenden Unternehmens Kögel ist die Fertigstellung derzeit für März 2027 vorgesehen
Dass Archäologen die Arbeiten begleiten, ist kein Zufall und war von Anfang an vorgesehen. „Sobald Bauarbeiten in die Tiefe gehen, müssen sie durch ein Archäologiebüro begleitet werden“, erklärt Gehrdens Stadtsprecher Frank Born. Das sei keine Besonderheit der Stadt Gehrden, sondern ein landesweit übliches Verfahren. Die Archäologen beobachten die Erdarbeiten und können die Bauarbeiten stoppen, sobald historische Funde auftauchen.
Zum einen sind solche Untersuchungen bei größeren Tiefbauprojekten heute Standard. Zum anderen galt das Gebiet nach Angaben des Bauunternehmens bereits vor Baubeginn als archäologisch sensibel.
Nicht ganz. Das ausführende Bauunternehmen Kögel bezeichnete das Gebiet in einem Interview im April schon als „Hochburg für geschichtliche Funde“. In den vergangenen Jahren wurden im Stadtgebiet unter anderem Spuren einer germanischen Siedlung, Hinweise auf vorchristliche Besiedlung, mittelalterliche Fundstücke sowie Reste von etwa 2500 Jahre alten Bauernhöfen entdeckt. Trotzdem war nicht vorhersehbar, wann und wo genau mögliche Funde auftreten würden.
Ja, aber nur kurz. Nach Angaben von Fachbereichsleiterin Beate Küchemann wurden die Arbeiten ausschließlich im unmittelbaren Bereich der Grabungsstelle gestoppt. Die Unterbrechung habe fünf Tage gedauert. Seit Montag, 8. Juni, werde dort bereits wieder gearbeitet. Die Skelette seien inzwischen geborgen worden, so Küchemann.
Nach aktuellem Stand nicht. Ein neuer Zeitplan sei derzeit nicht erforderlich, teilt Küchemann mit. Aufgrund der kurzen Unterbrechung sehe die Stadt Gehrden momentan keine Auswirkungen auf den vorgesehenen Bauablauf.
Allerdings weist die Fachbereichsleiterin darauf hin, dass sich erst im weiteren Verlauf der Tiefbauarbeiten zeigen werde, ob möglicherweise weitere Funde auftauchen und dadurch Verzögerungen entstehen könnten.
Derzeit nicht. Nach Angaben von Küchemann befindet sich die Grabungsstelle innerhalb des ohnehin gesperrten Baufeldes. Die bestehenden Umleitungen bleiben bestehen. Zusätzliche Verkehrsbehinderungen durch den Fund gebe es bislang nicht.
Ja, zusätzliche Kosten entstehen. Wie hoch diese ausfallen werden, könne derzeit noch nicht beziffert werden, erklärt Küchemann. Die Stadt hat nach eigenen Angaben bereits vor Beginn der Arbeiten einen Kostenpuffer für mögliche archäologische Funde eingeplant. Die Kosten für archäologische Begleitung und Untersuchungen trägt dabei der jeweilige Auftraggeber der Baumaßnahme, heißt es weiter. In diesem Fall also die Stadt.
Was passiert, wenn weitere Skelette gefunden werden?
Dann entscheidet die zuständige Denkmalbehörde der Region Hannover über das weitere Vorgehen. Wie Küchemann erläutert, ist bei solchen Funden nicht die Stadt, sondern die Denkmalschutzbehörde der Region maßgeblich. Diese legt fest, welche Untersuchungen erforderlich sind und ob Bauarbeiten unterbrochen werden müssen.
Die Skelette werden derzeit von Archäologen untersucht. Nach bisherigen Erkenntnissen könnten sie vor rund 1000 Jahren bestattet worden sein. Wie alt die Skelette tatsächlich sind, welche historische Bedeutung sie haben und ob sie mit weiteren bekannten Fundstellen in Gehrden zusammenhängen, ist derzeit noch unklar.