Eine Perspektive für junge Menschen geht verloren
Die Jugendwerkstatt Roter Faden muss schließen, weil das Jobcenter seine Förderung einstellt.

Lachendes und weinendes Augen: Anke Struck (links) und Kerstin Klein bedauern das Ende des Roten Fadens, freuen sich aber auch über die vielen Erfolge dieser Einrichtung.Foto: Stephan Hartung
Empelde. Eine Ära geht zu Ende. Fast 40 Jahre gibt es die Jugendwerkstatt Roter Faden in Ronnenberg. Doch zum 31. Juli 2026 schließt diese Einrichtung, die mehr als nur ein Projekt ist: Der Rote Faden ist für viele junge Menschen seit 1987 eine große Chance, nach Schulabbruch, psychischen Krisen, Flucht, Armut oder familiären Belastungen wieder Struktur, Orientierung und eine berufliche Perspektive zu entwickeln. Das Angebot galt für lange Zeit nur für Frauen und Mädchen, seit dem 1. Januar 2025 auch für Männer.

„Wir haben seit dem Start rund 1000 junge Menschen betreut und sie nicht nur in Arbeit vermittelt, sondern einfach zurück auf den roten Faden im Leben gebracht – und ihnen eine Perspektive vermittelt“, sagt Sandra Heuer. Sie ist Geschäftsführerin des Diakonieverbands Hannover-Land, unter dessen Regie das Projekt läuft. Und weil man so vielen Menschen geholfen habe, sei trotz der Trauer um die baldige Schließung der Jugendwerkstatt neben einem weinenden auch ein lachendes Auge dabei. Die Jugendwerkstatt hat zwei Standorte in Empelde: mit Seminarräumen an der Nenndorfer Straße und an der Ronnenberger Straße mit handwerklichen Bereichen. Dort konnten Qualifikationen erworben werden, um für den Arbeitsmarkt fit gemacht und dort vermittelt zu werden.

Grund für das Ende der Jugendwerkstatt ist, dass das Jobcenter seine Förderung eingestellt hat. Diese lief schon zum 31. Dezember 2024 aus. Danach habe man es noch mit Alternativen, anderen Projekten und Förderungen probiert, berichtet Heuer, dies sei aber nicht nachhaltig möglich. Daher erfolgt nun in wenigen Wochen die Schließung. Geld aus dem Europäischen Sozialfonds hatte der Diakonieverband zwar weiter zweckgebunden erhalten und auch für die Zukunft – aber ohne die Jugendwerkstatt fließt dies auch nicht mehr. 16 Plätze hatte der Rote Faden stets zur Verfügung. „Wir konnten viele Menschen vermitteln, in Sprachkurse oder Therapien bringen. In der Jugendwerkstatt konnten die jungen Leute kreativ werden und sich auch im Verkauf ausprobieren und Selbstvertrauen tanken“, sagt Kerstin Klein, Leiterin der Jugendwerkstatt. Der Teufelskreis: Junge Leute aus dem Roten Faden heraus „abzugeben“ in andere Bereiche nach erlangten Vorqualifikationen, war zwar gut. Andererseits: Dadurch waren die 16 Plätze nie voll belegt. Das war für das Jobcenter jedoch eine Voraussetzung für die weitere Förderung.

Die beiden Bereiche der Jugendwerkstatt befinden sich am Diakonielädchen an der Nenndorfer Straße sowie am Diakonielädchen Kids an der Ronnenberger Straße. Im Kids-Geschäft gibt es Spielzeug, Bücher und Kinderbedarfsartikel. Sandra Heuer betont, dass beide Lädchen nicht von der Schließung betroffen sind und weiterlaufen wie bisher. Was ihr aber wichtig ist: „Wir brauchen Ehrenamtliche, die im Verkauf mithelfen.“ Denn die jungen Leute aus dem Roten Faden fallen in Kürze weg. Und der Verkauf sei wichtig, um die Kosten zu decken – denn man arbeite nicht gewinnorientiert, sagt Heuer.

Eine kleine Abschiedsfeier vom Roten Faden soll es noch geben. „Wir sind aktuell in der Planung“, sagt Kerstin Klein. Man wolle viele ehrenamtliche Helfer und frühere Besucherinnen einladen. Die Einrichtungsleiterin berichtet von Gesprächen und zufälligen Treffen in der Vergangenheit, als ehemalige Nutzerinnen der Jugendwerkstatt mit ihren Familien vor Ort waren und vom Wiederfinden des Roten Fadens und einem geregelten Leben berichteten. Und das ist dann doch wirklich ein Grund zum Feiern.
Druckansicht