Bald Vorfahrt für die Feuerwehr:Bei Alarm haben alle anderen Rot
Der Neubau des Gerätehauses der Ortsfeuerwehr Degersen liegt voll im Zeitplan.Inzwischen haben die Arbeiten an den Außenanlagen begonnen.

Bau der Außenanlagen startet: Die Alarmausfahrt ist zur Möllerburg-Kreuzung (hinten, rechts) geplant.foto: Uwe Kranz
Degersen. Eine große Staubwolke weht über den ehemaligen Acker an der Bönnigser Straße. Lauter Arbeitslärm schallt vom Umbau der benachbarten Möllerburg-Kreuzung herüber. Auf der Baustelle des neuen Gerätehauses der Ortsfeuerwehr Degersen geht es dagegen auf den ersten Blick gelassener zu: Drei Arbeiter verlegen Abwasserrohre im Boden vor den großen Toren der Fahrzeughalle. Wennigsens Bürgermeister Ingo Klokemann (SPD) macht trotzdem einen gelassenen Eindruck: „Der Baufortschritt läuft gut“, stellt er zufrieden fest. Er hat keinen Zweifel daran, dass der Fertigstellungstermin im Sommer eingehalten werden kann.

Zum Rundgang über das Gelände und durch den Bau hat er Anette Lerch mitgebracht. Die Fachbereichsleiterin für Bau und Umwelt schwärmt geradezu von der Zusammenarbeit mit dem Generalunternehmer. Erstmals hatte sich die Gemeinde bei einem so großen Projekt auf eine solche Zusammenarbeit eingelassen. Nun ist Lerch voll des Lobes. Denn nicht nur, dass der Zeitverzug aufgrund von schlechtem Wetter in den vergangenen Monaten aufgeholt werden konnte, auch die Ausführung der Arbeiten überzeugt die Fachbereichsleiterin. „Überall fehlt nur noch der letzte Schlag“, berichtet sie.

Doch während innen an fast allen Ecken nur noch Restarbeiten zu erledigen sind, sieht es außen noch wüst aus. Zeit, dass die Gestaltung von Zufahrt, Stellflächen für die Pkw der Einsatzkräfte sowie Zäunen und Grünflächen beginnt. Die Bagger und Radlader stehen schon bereit. „Aber wir haben ja noch drei Monate“, sagt Lerch und strahlt auch bei dieser Aussicht Gelassenheit aus.

Beginnen sollen die Außenarbeiten mit der Alarmausfahrt für die Einsatzfahrzeuge, die direkt auf die Möllerburg-Kreuzung münden soll – möglichst noch parallel zu den dortigen Umbauarbeiten soll auch die Ausfahrt fertig werden. Im Ernstfall können die Einsatzkräfte per Fernbedienung die Ampeln der Kreuzung in alle Richtungen auf Rot schalten, um ungefährdet ausfahren zu können. Der Vorteil liegt für Gemeindebrandmeister Jörg Ommen auf der Hand: Von der zentralen Kreuzung aus könne die Feuerwehr in alle Richtungen ausrücken, erläutert er. Die Zufahrt für die Einsatzkräfte wird dagegen zur Danquardstraße hin angelegt, damit sich beide Fahrzeugflüsse nicht in die Quere kommen.

Beim Eintritt ins Innere des Gebäudes müssen die Besucher noch auf ihre Füße achten. Vielfach liegen noch Reste von Baustoffen und Werkzeuge herum. In allen Räumen wird noch gearbeitet, dennoch sieht es vor allem im Obergeschoss schon fast fertig aus. Die Augen von Ortsbrandmeister Peter Theesen leuchten während des Rundgangs beim Gedanken an ausreichend große Umkleideräume – getrennt für Männer und Frauen. Bislang muss die Degerser Feuerwehr zuerst die Fahrzeuge aus der Halle fahren, ehe sich die Mitglieder für den Einsatz umziehen können. Bereiche zum Ablegen kontaminierter Kleidung, die sogenannte Schwarz-Weiß-Trennung, wie sie jetzt geschaffen werden, gibt es bislang nicht. Er könne es kaum noch abwarten, gibt Theesen zu. „Ich muss einfach nochmal ins Büro schauen“, sagt seine Frau Mareike begeistert. Sie ist gleichzeitig Theesens Stellvertreterin im Amt.

In der großen Fahrzeughalle fehlt unter anderem noch der Fliesenfußboden. Sie bietet Platz für vier Fahrzeuge und überrascht zunächst mit ihrer großen Höhe. Das entspreche der sogenannten Stellplatzgröße 2 und sei so vorgegeben, berichtet Ommen. Auch Klokemann bemüht sich, den Eindruck zu vermeiden, man habe an irgendeiner Stelle zu großzügig gebaut. Vielmehr habe die Gemeinde sich bei der Planung des Gerätehauses an die Vorgaben der Feuerwehrunfallkasse gehalten und gleichzeitig den Katastrophenschutz mitgedacht. Dafür vorgesehene Lagerräume und der Stellplatz für ein entsprechendes Fahrzeug sind in das Gebäude integriert worden, erläutert er.

„Die Gemeinde hat zukunftsweisend geplant“, stellt Ommen fest. So sei die Möglichkeit, das Gerätehaus bei Bedarf in westlicher Richtung zu erweitern, schon mitgedacht worden. Intensive Planungssitzungen von Verwaltung und Feuerwehr seien dafür notwendig, aber auch hilfreich gewesen. So habe das Projekt jetzt in einem Zug gebaut werden können, ohne dass zwischendurch Korrekturen notwendig gewesen wären, berichtet Lerch. Die erwarteten Gesamtkosten bleiben mit 5,6 Millionen Euro auf diese Weise auch rund 600.000 Euro hinter den ersten Schätzungen zurück. Trotz der Staubwolken, die über die Außenfläche ziehen, entlockt ein Nebenaspekt des Standortes der Besichtigungsgruppe immer wieder entzückte Kommentare: Die Lage auf dem Hügel ermöglicht schon auf dem Hof einen weiten Blick in mehrere Richtungen. Noch weiter reicht das Auge aus dem ersten Stock über das begrünte Dach mit der Photovoltaikanlage hinweg. Doch dafür dürften die Kameradinnen und Kameraden im Ernstfall wohl kaum einen Blick haben.

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