Für ihren Triumph mussten die Barsinghäuserinnen jedoch lange zittern. „Es war unser schlechtestes Saisonspiel. Unsere Nervosität sind wir nie losgeworden“, sagte Coach Marvin Konopka, der schon am Morgen des Spiels angespannt gewesen war und zudem seinen Umzug von Bad Nenndorf in die ländliche Idylle von Ohndorf organisiert hatte.
Doch nicht nur die Gastgeberinnen starteten übernervös – auch die Gäste. Die Folge war ein extrem torarmes Spiel mit einem 8:8-Halbzeitstand. Niemand wollte einen Fehler machen, kaum jemand wagte einen Wurf. „Ich habe Auszeiten nur genommen, um meinem Team Mut zuzusprechen“, so der Trainer. Einzig Jenny Mummert erreichte Normalform. Die ersten fünf HVB-Tore erzielte sie allesamt selbst. Auch an der Siebenmeterlinie war sie sicher und verwandelte vier ihrer fünf Versuche.
Das Hin und Her mit mal einem Tor Vorsprung, dann zwei Toren Rückstand und wieder dem Ausgleich nützte dem HVB zunächst nichts. Weil Torfrau Sarah Buermeyer jedoch über sich hinauswuchs, die HVB-Abwehr gute Arbeit leistete und die Bremerinnen ebenso nervös waren, drehte sich das Spiel nach der Pause – allerdings nur langsam. Nun waren es die Gastgeberinnen, die zwischenzeitlich mit zwei Treffern führten, dann aber doch wieder den Ausgleich hinnehmen mussten.
„Ich war verzweifelt, weil gar nichts funktionierte“, sagte Konopka. Bis zum 14:14 eine Viertelstunde vor dem Ende ging das so. Erst Carolin Gress, mit 37 Jahren die Mutter der Mannschaft, leitete die Wende ein. Ihr Treffer war der Auftakt zum ersten HVB-Viererpack. Viktoria Dlugosch, Emily Sander und Jenny Lönneker legten zum 18:14 nach. Nun reichte es erstmals für den HVB. Doch noch fünfeinhalb Minuten standen auf der Spieluhr.
Diese wurden zur Nervenprobe – allerdings für beide Teams. Die Bremerinnen kamen wieder auf drei Treffer heran. Erst Madline Beute, mit 19 Jahren das Küken im Team, und dann HVB-Toptorschützin Mathea Reese zum 20:16 stellten den Vier-Tore-Vorsprung wieder her.
Das letzte Aufbäumen der Gäste brachte nur noch den Gegentreffer zum 20:17.
„Jetzt bloß keinen Fehler machen und noch ein dummes Gegentor kassieren“, sagte Konopka. 24 Sekunden musste er noch überstehen. Madline Beute erlöste ihn – wenn auch ungewollt. Der HVB hatte Ballbesitz, zog den letzten Angriff auf und Beute warf. Allerdings weit am Tor vorbei. „Das war so geplant“, sagte Konopka mit einem Grinsen im Gesicht. Denn der Ball lag irgendwo in der Halle. Bis die Gegnerinnen ihn geholt hatten, war die Spielzeit fast abgelaufen. Für einen letzten Bremer Angriff reichte die Zeit nicht mehr.
Für den riesigen HVB-Jubel war dagegen reichlich Zeit. Erst wurde in der Halle gefeiert, dann in Hannover. Nur Gress zog nicht mit. „Das schaffe ich nicht mehr. Morgens um 6 Uhr stehen meine Kinder am Bett. Da kann man nicht bis 5 Uhr feiern“, sagte Gress.
„Ich hatte früher in Schönebeck schon Oberliga gespielt. In Barsinghausen habe ich wieder angefangen, weil ich nicht loslassen konnte. Aber in Ligen, in denen es nur Fahrten um den Pudding gibt“, sagte Gress. Der doppelte Aufstieg von der Regionsoberliga nun in die Oberliga ändert das. „Für mich schließt sich der Kreis. Darum spiele ich auch in der Oberliga weiter – auch weil ich meinen Kindern zeigen will, was ich so treibe. Das geht jetzt erst. Die sind nun sechs und drei Jahre alt“, sagte Gress.