„Frag doch Friedel“
Northen trauert um den Dorfchronisten Friedrich Meier. Sein Vermächtnis sind viele Hefte zur lokalen Geschichte. Jüngst erschien sein letztes Werk „70 Jahre DRK Northen – Hilfe aus Tradition und Herz“.

Neu und alt: Rainer Nixdorf (links) und Friedhelm Meier präsentieren Hefte zur Dorfgeschichte ihres Heimatortes.Foto: Heidi Rabenhorst
Northen. Der im Ort liebevoll „Friedel“ genannte Hobbyhistoriker Friedrich Meier ist im April im Beisein seiner Familie friedlich eingeschlafen. Mit ihm verliert Northen einen Menschen, der die Geschichte des Dorfes über Jahrzehnte bewahrt und lebendig gehalten hat. Der im Alter von 94 Jahren verstorbene Dorfchronist galt für viele als wandelndes Gedächtnis des Ortes. Wenn irgendwo eine Frage zur Geschichte Northens auftauchte, hieß es oft nur: „Frag doch Friedel.“

Bereits 1987 veröffentlichte Friedrich Meier sein erstes Heft zur Dorfgeschichte Northens. Thema damals war das Schulleben im Ort. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen. Insgesamt neun Hefte entstanden ab 2019 mit seinem Co-Autor Rainer Nixdorf – geprägt von akribischer Recherche, persönlicher Erinnerung und großer Heimatverbundenheit.

Die jüngste und zugleich letzte gemeinsame Broschüre widmeten Meier und Nixdorf dem 70-jährigen Bestehen des DRK-Ortsvereins Northen. Unter dem Titel „70 Jahre DRK Ortsverein Northen“ zeichneten sie die Entwicklung des Vereins nach, der seit sieben Jahrzehnten für Zusammenhalt, Menschlichkeit und gelebte Nachbarschaftshilfe im Dorf steht.

Dabei blickten sie auch auf die schwierigen Anfangsjahre nach dem Krieg zurück. Zu den Gründungsmitgliedern gehört Marianne Widdel, die sich noch heute an die ersten Jahre erinnert. Vieles sei damals improvisiert worden, erzählt die 97-Jährige – mit wenig Material, aber umso mehr Herzblut. Unterstützung älterer Menschen, Hilfe für Bedürftige und gemeinschaftliche Aktionen standen im Mittelpunkt. „Jeder hat mit angepackt, wenn Hilfe gebraucht wurde“, erinnert sich Widdel, die jetzt im Seniorenzentrum Seelze lebt. Genau wie sie nehmen auch die Gründungsmitglieder Willi Borchers, Isolde Krause, Rita Wegener und Irmgard Ruhkopf bis heute rege am Vereinsleben teil. Aus diesen Anfängen entwickelte sich über die Jahrzehnte ein lebendiger Ortsverein, der bis heute ein wichtiger Bestandteil des Dorflebens ist. Die Aktivitäten reichen von Blutspendeterminen über Informationsveranstaltungen bis zu kreativen Aktionen und Ausflügen. Derzeit gehören dem DRK-Ortsverein 108 Mitglieder im Alter zwischen 28 und 97 Jahren an. Getreu dem Motto „Wir sind da, weil wir gebraucht werden“ schaut das Vorstandsteam Iris Belau, Carola Ehlert und Maria Nixdorf mit Zuversicht nach vorn. „Wir sind stolz darauf, dass jeder siebte erwachsene Northener Bürger Mitglied im DRK ist“, freut sich das engagierte Trio. Besonders dankbar sei man darüber, dass dem jährlichen Blutspendeaufruf von den Northenern, aber auch vom Auswärtigen so zahlreich gefolgt werde.

Das Engagement des Ortes hat „Friedel” Meier in seinem letzten Heft festgehalten. Für ihn war die Beschäftigung mit der Dorfgeschichte aber weit mehr als ein Hobby. Über Jahrzehnte sammelte er Fotos, Dokumente und Erinnerungen aus Northen und bewahrte damit nicht nur Fakten, sondern auch die Geschichten hinter den Menschen und Häusern des Dorfes. Er wusste, wer früher wo gewohnt hatte, erinnerte sich an alte Geschäfte oder Vereinsfeste und machte Vergangenheit für andere greifbar.

„Mein Vater hat sich nie in den Vordergrund gedrängt“, sagt Ortsbürgermeister Friedhelm Meier. Besonders wichtig sei ihm dabei immer die Weitergabe von Erinnerungen an jüngere Generationen gewesen. Mit Geduld und großer Herzlichkeit erzählte er Kindern und Jugendlichen von früheren Zeiten und vermittelte dabei Werte wie Gemeinschaft, Zusammenhalt und Verantwortung für das Dorfleben.

Bis zum Schluss genoss Friedrich Meier die Besuche seiner zwei Enkel und fünf Urenkel im Seniorenzentrum Seelze, wo ihm Fred Ebeling noch kurz vor seinem Tod die Ehrenurkunde zur 50-jähigen Mitgliedschaft im Heimatbund Niedersachsen überreichte.

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