Zu wenige Unterkünftefür Geflüchtete
Wennigsen soll in den nächsten Monaten weitere 42 Geflüchtete aufnehmen

Nahe der Bundesstraße 217 in Holtensen: Die Gemeinde Wennigsen hat im vergangenen Jahr ein Hotel erworben, um die Zimmer nach Umbaumaßnahmen als Unterkünfte für Geflüchtete zur Verfügung zu stellen.foto: Ingo Rodriguez
Wennigsen. Die Gemeinde Wennigsen sucht dringend Mietwohnungen für Geflüchtete und anerkannte Asylbewerber und -bewerberinnen. Hintergrund ist die neue Zuweisungsquote des Landes Niedersachsen. Demnach soll die Kommune bis Ende September noch weitere 42 zugewanderte Menschen aufnehmen. Nur: Das prognostizierte Verteilkontingent lässt sich nicht mit den zurzeit verfügbaren Wohnungen und Unterkünften erfüllen.

„Die Gemeinde Wennigsen steht weiterhin vor der Aufgabe, geflüchteten Menschen eine sichere Unterkunft zu bieten“, teilt die Kommune mit. Demnach werden den Städten und Gemeinden in der Region Hannover vor allem durch die erneute Zuwanderung aus der Ukraine kurzfristig Menschen zugewiesen. Denen sei auch in Wennigsen innerhalb weniger Tage geeigneter Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Diese Verpflichtung übersteigt unsere derzeit vorhandenen Unterkunftskapazitäten“, gibt die Gemeinde bekannt. Deshalb sei sie auf die Unterstützung von Vermieterinnen und Vermietern angewiesen.

Wennigsens Erste Gemeinderätin Jacqueline Gebauer erläutert die Zahlen für die Deistergemeinde genauer. Die Aufnahme von elf Personen sei eine sogenannte Restquote aus der vorangegangenen Zuweisung. Dazu seien jetzt 31 neue Zuweisungen gekommen. Dies sei der aktuelle Stand aus dem April 2026. Aber: Die neue Quote von 31 Personen beziehe sich auf den Zeitraum bis Ende September. „Zum 1. Oktober erhalten wir eine neue Quote“, sagt die Erste Gemeinderätin.

Hintergrund ist das neue Gesamtverteilkontingent des Landes. Für den Zeitraum von April bis einschließlich September 2026 geht das Innenministerium dabei von rund 7000 Geflüchteten aus, die in den Kommunen untergebracht und versorgt werden müssen. Den Städten und Gemeinden in der Region Hannover – ohne die Landeshauptstadt – werden insgesamt 809 Schutzsuchende zugewiesen. „Die Berechnung des Verteilkontingents erfolgt vorwiegend auf Grundlage der Bevölkerungszahl und unter Berücksichtigung bestehender Über- und Unterquoten bei der bisherigen Aufnahme“, teilt das Innenministerium mit.

Die Gemeinde Wennigsen erläutert: „Der Bezug eines stabilen Wohnumfelds erleichtert die Integration, schafft Perspektiven und ermöglicht eine aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Wennigsen.“ In der Regel übernehme die Gemeinde oder das Jobcenter der Region die Mietzahlung. Häufig trete die Gemeindeverwaltung auch zunächst selbst als Mieterin auf und sei so ein direkter Ansprechpartner. „Darüber hinaus werden geflüchtete Familien oder Einzelpersonen im Rahmen der Sozialarbeit engmaschig begleitet, um zu einem stabilen Mietverhältnis beizutragen.“

Der Aufruf der Gemeindeverwaltung richtet sich an Eigentümer und Eigentümerinnen mit leer stehendem oder kurzfristig verfügbarem Wohnraum. Interessierte können sich unverbindlich beraten lassen. Die zuständige Ansprechpartnerin vom Gebäudemanagement ist unter Telefon (0 51 03) 70 07 93 zu erreichen.

Insgesamt ist die Zahl der Asylsuchenden in den vergangenen zwei Jahren deutlich zurückgegangen: Laut Innenministerium hatten im Jahr 2024 rund 18.700 Menschen in Niedersachsen Schutz gesucht. Im vergangenen Jahr stellten demnach rund 9800 Personen einen Asylantrag. Gründe dafür seien eine Kombination aus europaweit verstärkten Grenzkontrollen, Kooperationen mit Herkunftsstaaten und eine restriktivere Asylpolitik.

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