Sind 30 Wohneinheiten zu viel?
Der Ortsrat in Linderte diskutiert eine Erweiterung der Siedlungsfläche kontrovers

Lage am Ortsrand: Auf dem Acker nördlich der Straße Am Denkmal sollen 30 neue Wohnungen entstehen.Foto: Uwe Kranz
Ronnenberg. In Ronnenberg soll in den kommenden Jahren weiterer Wohnraum geschaffen werden. Den Rahmen dazu bildet das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK), das die Entwicklungspotenziale der Stadt und ihrer Ortsteile bis 2030 abbildet. Im Rahmen der Beratungen über die Fortschreibung des Maßnahmenprogramms von 2026 bis 2028 sind nun zwei neue Baugebiete in kleineren Ortsteilen in den Fokus gerückt: So könnten in Benthe, Am Hammfeld, zwölf und in Linderte, Am Denkmal, sogar 30 Wohneinheiten entstehen. Die Voraussetzungen dafür sind aber durchaus unterschiedlich.

Die Fläche in Benthe steht bereits von Anfang an im ISEK, bisher jedoch als Entwicklungsfläche für die Allgemeinheit. Die Verwaltung hoffte, dort eine neue Kita bauen zu können. Auch für den Neubau des Feuerwehrgerätehauses stand die Fläche zwischen Sportheim und Kleingärten kurzzeitig zur Diskussion. Allerdings konnte die Stadt die Fläche mit einer Größe von 5000 Quadratmetern nicht erwerben. Außerdem änderten sich die Pläne im Laufe der Zeit: Ein Kita-Neubau ist nicht mehr geplant, und die Feuerwehr entsteht auf der Fläche des Spielplatzes an der Sieben-Trappen-Straße neu. Ob es zu dem Neubaugebiet kommt, ist aber noch völlig offen. Nach Angaben der Verwaltung gibt es noch keinen Interessenten für eine Erschließung der Fläche.

Anders sieht es in Linderte aus. Nach Angaben im Maßnahmenprogramm des ISEK hat ein Erschließungsträger die Fläche nördlich der Straße Am Denkmal mit einer Größe von 14.000 Quadratmetern erworben und einen Antrag auf eine straßenbegleitende Bebauung gestellt. Dabei sollen mithilfe von kurzen Stichwegen in zwei Reihen rund 30 Wohneinheiten in Ein- und Mehrfamilienhäusern entstehen. Dafür wären eine Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung eines Bebauungsplans erforderlich.

Die Ausdehnung des Baugebietes sei aber bereits bei der Positionierung der in unmittelbarer Nachbarschaft geplanten Windenergieanlagen von UKA Nord berücksichtigt worden, erläuterte Angela Meyer-Everloh, Leiterin der Bauaufsicht im Ronnenberger Rathaus, während einer Sitzung des Ortsrates in Linderte. Die Mindestabstände der Anlagen zu den geplanten Häusern würden dabei zwar eingehalten, eine weitere Wohnbebauung über dieses Gebiet hinaus sei in diesem Bereich dann allerdings nicht mehr möglich.

Im Ortsrat erhielten diese Planungen nicht nur Zustimmung. Ortsbürgermeister Karsten
Erbelding (BGL) legte sich fest: „Das ist eine Chance für den Ort.“ Er kritisierte an den Plänen lediglich, dass der Ortsrat davon vor der Aufnahme in das ISEK nichts erfahren habe. Dagegen
bezeichnet Mathias Pfaus (Grüne) die Menge von 30 Wohn-
einheiten als einen „gewaltigen Zuwachs“ für den Ort. Er warnt vor der Schwierigkeit, die auf einen Schlag rund 100 Neu-
bürger in die Dorfgemeinschaft integrieren zu müssen. Außerdem hält er eine Fläche an der Berggartenstraße aufgrund ihrer Lage im Ort und der größeren Nähe zur S-Bahn-Haltestelle für geeigneter.

Unterstützung erhielt der Ortsbürgermeister von Alexander Kuss (SPD). Er halte jede Dorferweiterung für positiv, stellte er fest. Ohne das Baugebiet im Schwarzfeld wäre der Ort sicher nicht zu seiner Kita gekommen, argumentiert er. Zwar sei auch in seinen Augen die Lage an der Berggartenstraße der bessere Standort, „aber die Fläche muss auch zur Verfügung stehen“, gab er zu bedenken. Bei der abschließenden Abstimmung votierte der Ortsrat mit vier Ja-Stimmen; Pfaus enthielt sich.

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