„Man kennt seine Nachbarn gar nicht mehr“
Quartiersmanagerin Kerstin Mesch will den Zusammenhalt in Gehrden verbessern:Sie plant viele Projekte – zum Beispiel eine Müllsammelaktion für die ganze Stadt.

Soll die neue Begegnungsstätte an der Parkstraße mit Leben füllen: Quartiersmanagerin Kerstin Mesch leitet den Treffpunkt, unterstützt die Projekte und koordiniert die Angebote für die Menschen aus der Nachbarschaft.foto: Ingo Rodriguez
Gehrden. Seit rund einem halben Jahr ist Kerstin Mesch Quartiersmanagerin der Wohnungsbaugesellschaft KSG in Gehrden, jetzt hat sie Pläne entwickelt, die auch alle Gehrdener einschließen. Eine wichtige Aufgabe sieht Mesch darin, das Ehrenamt in der Stadt stärker zu fördern. Natürlich gebe es Menschen, die sich ehrenamtlich engagierten, sagt die Sozialpädagogin. Allerdings sei es häufig so, dass einige Menschen in zwei oder drei unterschiedlichen Bereichen ehrenamtlich arbeiten, viele andere aber gar nicht. „Wir wollen sehen, wie wir mehr Menschen überzeugen können, sich ehrenamtlich zu engagieren“, sagt Mesch.

Ein erster Ansatz dazu soll eine Befragung der Gehrdener zu ihrer Situation sein. „Wir wollen wissen, was den Menschen in der Stadt gefällt und was man noch verbessern kann“, sagt die Sozialpädagogin. Auch um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken, plant Mesch eine Müllsammelaktion für die ganze Stadt. Für die Organisation fehlen ihr dazu bisher aber noch ein oder zwei Vereine oder Verbände, die sich daran beteiligen würden.

Schon zu ihrem Amtsantritt vor sechs Monaten hatte Mesch klar auf die Beteiligung der Menschen gesetzt: „Ich möchte die Menschen aktivieren, damit sie sich einbringen“, hatte sie betont. Die KSG-Quartiersmanagerin will dafür die Voraussetzungen schaffen. Ein Punkt ist für sie dabei ein verbessertes Angebot im Wohnquartier „Im Teichfeld“ der KSG.

Auch hier hat Mesch konkrete Pläne, die sich aber teilweise auch an alle Gehrdener richten. Unter anderem sammelt die Sozialpädagogin derzeit Ideen für die Neugestaltung des Spielplatzes und des Bolzplatzgeländes. Der etwas unansehnlich gewordene Bolzplatz soll bis zum Herbst fitgemacht werden, zumal er derzeit das einzige derartige Gelände in Gehrden ist. „Der soll richtig schön werden“, sagt sie. Spielgeräte seien sehr teuer geworden, berichtet Mesch, deshalb werde der Spielplatz erst in einem zweiten Bauabschnitt verschönert. „Alles ist ziemlich heruntergekommen“, berichtet die Quartiersmanagerin. Ihr Traum ist dabei auch eine größere Sitzgruppe, in der sich Menschen treffen und unterhalten könnten, das könne im Idealfall ein Ort werden, an dem sich alle Menschen gleichermaßen wohlfühlen – wo sich jung und alt austauschen.

Überhaupt hat Mesch Probleme in der Kommunikation festgestellt. Das hätten die bisherigen Gespräche mit den Mietern der KSG in Gehrden ergeben. „Man kennt seine Nachbarn gar nicht mehr“, berichtet sie. Dadurch verliefen Gespräche oft sehr unfreundlich und unerfreulich, zum Beispiel wenn man andere Mieter darauf hinweist, den Müll zu sortieren.

Mesch hat den Quartierstreff in Gehrden mit Leben erfüllt. Fast jeden Tag gibt es dort eine Veranstaltung wie den Kindertreff oder Gesellschaftsspiele.

„Ich möchte erreichen, dass die Nachbarschaft stärker zusammenrückt“, erläutert Mesch. Wichtig sei es, einfach mal wieder ins Gespräch zu kommen.

Auftakt dafür soll ein Nachbarschaftsfest am 30. Mai sein. Bei dem Fest will Mesch die Bewohner animieren, Angebote für andere zu machen oder Hilfe zu suchen. Auf einer Pinnwand soll man dann mitteilen können, wenn man einmal die Woche für jemanden einkaufen gehen kann oder falls jemand zur Montage einer Deckenlampe gesucht wird.

„Es geht um ein Angebot für ein niedrigschwelliges Ehrenamt“, sagt Mesch.

Aber das ist noch nicht alles: Mesch hat bei ihren Gesprächen festgestellt, dass viele jüngere Leute die meiste Zeit zu Hause verbringen und sich mit Handy und Spielekonsole beschäftigen. Das will die Quartiersmanagerin ändern. Derzeit würden Ehrenamtliche ausgebildet, sie sollen dann auf dem Spielplatzgelände Bewegungsangebote machen, von denen sich junge Leute gern animieren lassen.

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