Steht die Landjugend Holtensen vor dem Aus?
Kaum Ehrenamtliche und Jugendliche:Heute soll über die Zukunft des Vereins entschieden werden

„Nicht in jedem Ort gibt es so etwas“: Im Haus der Landjugend in Holtensen findet das Treffen statt, bei dem über die Zukunft des Vereins gesprochen werden soll.foto: Landjugend Holtensen
Holtensen. Es geht um Gemeinschaft, einen Ort der Begegnung, gemeinsame Aktionen und das Leben auf dem Land. Seit rund 60 Jahren gibt es die Landjugend in Holtensen. Doch jetzt steht der Verein mitsamt Förderverein vor dem Aus. Am heutigen Sonnabend, 18. April, 14 Uhr soll über die endgültige Zukunft entschieden werden.

Wie der zweite Vorsitzende Bernd Strelow auf Nachfrage mitteilt, habe die Corona-Pandemie das Vereinsleben zum Erliegen gebracht. „Bei uns organisiert sich die Jugend selbst, aber seit der Corona-Zeit gibt es keinen aktiven Vorstand der Jugend mehr“, sagt der 42-Jährige. Damals habe sich die Gruppe infolge der Corona-Auflagen für Treffen, geänderter Interessen und Umzüge aufgelöst.

Mittlerweile gebe es zwar wieder „fünf bis zehn Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren“, doch das reiche nicht. „Es fehlt auch an Mitgliedern der älteren Generation, die als Mentoren zur Seite stehen“, erklärt der zweite Vorsitzende, der selbst seit 1999 in der Landjugend und seit 2024 im Vorstand ist. Es fehle an aktiven Mitgliedern, die „mit anpacken“, wie er sagt. Das Haus der Landjugend, der Treffpunkt des Vereins, müsse langfristig saniert werden.

Zu Hochzeiten hatte die Landjugend mehr als 100 Mitglieder, aktuell sind es rund 35. „Der Verein lebt von Mitgliedern und Aktivitäten“, macht Strelowdeutlich. Die Landjugend habe immer das Osterfeuer organisiert und Einnahmen durch einen Getränkeausschank generiert. „Doch inzwischen sind es zu wenig Leute, sodass es nur noch das Feuer gibt – ohne Ausschank.“

Strelow vermutet, dass viele Menschen in seinem Alter mit anderen Dingen beschäftigt seien. Jugendliche hingegen hätten keine Vorstellung, welche Vorzüge das Vereinsleben und speziell die Landjugend mit der eigenen Immobilie biete, so der 42-jährige Strelow, der seine Zeit in der Landjugend als „prägend“ bezeichnet. „Nicht in jedem Ort gibt es so etwas, wo Jugendliche ein Haus bewirtschaften können“, macht er deutlich. „Wir müssen herausfinden, ob sie daran interessiert sind oder das Haus nur als reinen Treffpunkt nutzen wollen.“

Ob das Konzept der Landjugend womöglich mittlerweile schlicht veraltet ist, will der 42-Jährige nicht sagen. „Ich glaube, dass viele nicht mehr wissen, was es ist, da es auch andernorts immer weniger Landjugend gibt.“

Das soll sich nun ändern. Alle Holtenser sind heute zu 14 Uhr eingeladen, im Vereinsheim über die Zukunft der Landjugend zu sprechen. „Wir werden genau hinschauen, wer kommt und wer Unterstützung zusagt“, so der Vorstand des Fördervereins. Konkret gehe es um eine Art Bestandsaufnahme. Eingeladen sind nicht nur Jugendliche, sondern auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer und solche, die es werden wollen.

Auch die Gemeinde ist zu dem Termin eingeladen und soll ihr Kommen nach Angaben des Vorstands zugesagt haben. Hat sie Interesse am Erhalt des Standortes? Gibt es eventuell eine alternative Lösung? Die Resonanz der Dorfgemeinschaft wird die Grundlage für die Entscheidung bilden, ob es einen Neuanfang gibt oder ob das Haus aufgegeben werden muss. „Wir hoffen, dass viele Interesse und Bereitwilligkeit zeigen, um das Haus und das Vereinsleben wieder zu aktivieren“, sagt Strelow.

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