Immer mehr illegal entsorgter Müll
Stadt und Aha berichten von steigenden Zahlen. Beim großen Rausputz in Eckerde sorgen zahlreiche Kinder für Sauberkeit rund um ihr Dorf.

Für die Umwelt: Leon Effmert (rechts) erinnert sich an ein halbes Auto, dass bei einer Rausputz-Aktion gefunden wurde.fotos: Maike del Rio
Barsinghausen. Allein in diesem Jahr gingen bereits 27 Meldungen für illegale Müllentsorgung bei der Stadt Barsinghausen ein. Tendenz steigend: Das bestätigt die Stadt auf Nachfrage. Festzustellen sei, dass die Anzahl der illegalen Müllentsorgungen zunehme. 2022 waren es 71 Meldungen. Auch Aha bestätigt auf Nachfrage, dass die Anzahl der Meldungen zu wildem Müll in Barsinghausen zugenommen habe. 2023 seien es noch überschaubare 30 bis 40 Fundstellen gewesen. 2025 waren es bereits 98. Für das laufende Jahr lägen aktuell 19 Meldungen vor.

Das Schockierende: „Zum Teil wurde bereits Müll aus ganzen Wohnungsräumungen auf landwirtschaftlich genutzten Flächen vorgefunden“, so Stadtsprecherin Lea Drewnitzy. Dabei handelte es sich um große Müllberge mit Sofas, Tischen und weiteren großen Möbelstücken.

Seit Jahren initiiert der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha) daher die Müllaktion „Der große Rausputz – Gemeinsam für eine noch schönere Region Hannover!“, um zumindest einmal im Jahr einen „Frühjahrsputz“ zu machen. Zahlreiche Barsinghäuser Ortschaften nehmen daran teil und sammeln gemeinsam Abfall.

Ben von der Kinder- und Jugendfeuerwehr Eckerde war schon zum dritten Mal dabei. „Ich finde es toll, dass wir hier für die Umwelt helfen können“, meinte er. Sein Bruder Tom war zum ersten Mal dabei. „Ich würde wieder mitmachen“, lautete sein klares Fazit.

Auch der Ortsbeauftragte Norbert Steinbach war wieder mit von der Partie. „Wir sind dieses Jahr ungefähr 20 Kinder und 15 Erwachsene“, berichtete er. Für den kleinen Ort Eckerde sei das eine gute Quote. Die Kinder würden gern mit den Greifzangen hantieren, die jeder zum Müllsammeln bekommt. Feuerwehrmann Daniel Füller ist gefühlt „schon immer“ dabei. „Es macht Spaß“, sagte er und betont, dass es ein Beitrag für die Gemeinschaft und für die Sauberkeit des Ortes sei. „Der Sperrmüll ist mehr geworden“, war auch sein Eindruck. Dieser wurde von den Beteiligten auf private Anhänger gelegt und zunächst bei der Feuerwehr gesammelt. Aber: „Diesmal haben wir weniger Großmüll”, sagte Steinbach. Es habe Jahre gegeben, in denen es schlimmer gewesen sei.

Mitglieder des Heimattages, die die Aktion in Eckerde organisieren, hatten in der Zwischenzeit ein zweites Frühstück für die tüchtigen Müllsammler vorbereitet. Vorsitzender Joachim Bauer erzählte, dass die Kids am liebsten Mettbrötchen äßen - mit Zwiebeln!

Aber was für Strafen drohen eigentlich bei illegal entsorgtem Müll? „Wenn Spaziergänger oder Forstmitarbeiter bei uns anrufen und illegalen Müll melden, dokumentieren wir den Fall und gehen ihm nach“, erklärt Sarah Knoche von der Polizeidienststelle in Barsinghausen das Vorgehen. Oft gebe der Müll Hinweise auf den Verursacher. Bei normalem Hausmüll handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit. Die Höhe des Bußgeldes werde von der Stadt festgelegt.

Dieses liegt zwischen 10 und 5000 Euro. Bei umweltgefährdendem Müll wie Altöl leite die Polizei ein Strafverfahren ein. „Wir versuchen, bei allen Taten die Täter zu ermitteln“, fügt Claas Wentzler, Leiter Einsatz und Streifendienst hinzu.

Zahlen dazu aus der Statistik zu nennen, sei nicht möglich. „Entsorgter Müll wird nicht spezifisch erfasst“, so Wentzler. Er werde als Umweltdelikt in derselben Kategorie wie etwa ein Öl verlierendes Auto geführt. Das unerlaubte Abladen gefährlicher Abfälle kann mit Geldstrafen oder bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe, in schweren Fällen bis zu zehn Jahren, geahndet werden.

Neben dem Umweltaspekt: Das Einsammeln und Entsorgen kostet die Stadt Geld. Für die Stadt entstünden diese Kosten bei Müll, der innerorts auf städtischen Grundstücken abgeladen und durch den Baubetriebshof entsorgt werde, erklärt Drewnitzky. Für die übrigen Fälle sei Aha zuständig, bei Müll an Bundes- und Landesstraßen die Straßenmeistereien.

Unabhängig von den Zuständigkeiten würden die Mitarbeitenden nach Hinweisen auf mögliche Verursacher suchen, diese vor Verwitterung schützen und zeitnah weiterleiten. Außerdem werde der Fund detailliert dokumentiert, sodass die Entsorgung ohne erneuten Ortstermin veranlasst werden könne.

Trotz all der wertvollen ehrenamtlichen Unterstützung bei der Rausputz-Aktion: Auch für Aha ist das nicht umsonst. Es entstünden jährlich Kosten von mehreren Tausend Euro für Personal, Fahrzeuge und Entsorgung. Pia Schumacher von Aha erinnert sich an einen besonders drastischen Fall aus dem Jahr 2022: „Damals wurden über die Ortschaften Eckerde, Leveste und Ditterke hinweg insgesamt rund 11.000 Kilogramm Bauschuttgemisch, Sperrmüll und Restmüll verteilt.“ Zwar habe man Daten zum Verursacher ermitteln können, zu einer Verurteilung sei es jedoch nicht gekommen.



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