Chorgemeinschaft Fidelia wächst
Während viele Chöre aufgelöst werden, läuft es in Evestorf ganz anders:Vor allem der Kinderchor „Fidelinos“ sorgt für Aufwind

Wird gut angenommen: Der Kinderchor „Fidelinos“ trägt zur positiven Entwicklung bei.foto: Kiki Burose
Wennigsen. Während vielerorts Chöre ums Überleben kämpfen und sinkende Mitgliederzahlen beklagen, zeigt sich bei der mehr als 130 Jahre alten Chorgemeinschaft Fidelia Evestorf ein ganz anderes Bild: Der Verein wächst stetig. Immer mehr Sängerinnen und Sänger schließen sich dem Chor unter der Leitung von Elena Rost an und sorgen dafür, dass die musikalische Tradition im Ort lebendig bleibt. Offene Singangebote, Workshops und vor allem regelmäßige Auftritte tragen zusätzlich zur Bekanntheit bei und wecken Interesse bei neuen Mitgliedern. Schon jetzt geplant sind unter anderem ein Adventskonzert am 29. November – dem ersten Advent – sowie ein Valentinssingen am 14. Februar 2027.

Ein entscheidender Motor für diese Entwicklung ist der neue Kinderchor „Fidelinos“. Seit seiner Gründung im Jahr 2022 ist die Mitgliederzahl des Vereins deutlich gestiegen: von rund 50 auf inzwischen etwa 70 Mitglieder. Auch der Erwachsenenchor konnte zulegen und wuchs von 26 auf derzeit 30 Aktive. Die rund 25 Kinder bringen frische Energie und Begeisterung in die Gemeinschaft. Damit gelingt dem Verein etwas, woran viele Chöre derzeit arbeiten: die nächste Generation früh für das gemeinsame Singen zu begeistern und so langfristig die Zukunft des Chorgesangs zu sichern.

Der Nachwuchs zeigte bereits bei mehreren Gelegenheiten sein Können. Auftritte gab es unter anderem beim Familienfest am 1. Mai, bei der 825-Jahr-Feier in Wennigsen sowie bei zwei Aufführungen des Musicals „Der Mond ist verschwunden“. Weitere musikalische Höhepunkte waren ein Adventskonzert in der Holtenser Kirche sowie Auftritte in Senioreneinrichtungen in Ronnenberg und Bennigsen.

Für den Vereinsvorstand ist der Kinderchor eine Herzensangelegenheit. Um das Angebot dauerhaft aufrechtzuerhalten, werden Spenden gesammelt und Förderanträge gestellt. Chorleiterin Maria Amberg legt großen Wert darauf, dass die Kinder vor allem Freude am gemeinsamen Singen haben. „Es gibt kein Vorsingen für die Aufnahme. Jedes Kind zwischen vier und zwölf Jahren ist willkommen“, sagt sie.

Dass der Kinderchor so gut angenommen wird, überrascht Amberg nicht. Gerade im ländlichen Raum sei die Nachfrage nach musikalischer Förderung groß. Viele Eltern seien dankbar, dass ihre Kinder ein Angebot direkt vor Ort nutzen können, ohne lange Wege auf sich nehmen zu müssen. Gleichzeitig bringe der Kinderchor auch neues Leben ins Dorf. So sei etwa das traditionelle Maisingen inzwischen zu einem echten Familienfest geworden. An den Proben-Donnerstagen herrsche zudem reger Betrieb rund um den Spielplatz in Evestorf, wenn Kinder und Eltern zusammenkommen.

Der musikalische Weg von Amberg begann selbst in der Kindheit mit musikalischer Früherziehung, Kinderchor und Instrumentalunterricht. Besonders das Singen im Chor habe sie geprägt, sagt sie. Diese Erfahrungen möchte sie nun weitergeben. „Singen im Chor fördert die Musikalität, Freundschaften entstehen, Glückshormone werden freigesetzt und Auftrittsängste können von klein auf abgebaut werden“, sagt Amberg.

Ein weiterer Grund für das Wachstum des Vereins ist das Engagement der Eltern. Laut Satzung müssen Eltern der Kinderchormitglieder ebenfalls dem Verein angehören. Dadurch steigt die Mitgliederzahl kontinuierlich, gleichzeitig wächst die Unterstützung für Projekte und Veranstaltungen. Zwei neu gewählte Jugendvertreterinnen stammen aus der Elternschaft und bilden eine wichtige Verbindung zwischen Kinder- und Erwachsenenchor.

Für die kommenden Monate stehen bereits mehrere Termine fest. Der Kinderchor wird gemeinsam mit anderen Ensembles an einem Chorkonzert unter dem Motto „Drei Chöre im April“ in Langenhagen teilnehmen. Außerdem sind Auftritte beim traditionellen Maisingen am 1. Mai sowie beim Feuerwehrfest in Evestorf geplant.

Auch das starke Gemeinschaftsgefühl spielt eine große Rolle. Der Chor versteht sich nicht nur als musikalische Gruppe, sondern auch als soziale Gemeinschaft. Mitglieder besuchen sich gegenseitig, treten in Senioreneinrichtungen auf und begleiten auf Wunsch auch Trauerfeiern musikalisch. Gemeinsame Veranstaltungen stärken zusätzlich den Zusammenhalt.

Die heutige Vorsitzende Jasmin Schlüter ist selbst erst seit zwei Jahren Mitglied und wurde inzwischen an die Spitze des Vereins gewählt. Ihre Vorgängerin Lena Köhler hatte nach zehn Jahren im Amt bewusst Platz für neue Ideen gemacht. Beide sind sich einig: Sichtbarkeit und Offenheit nach außen sind entscheidend für den Erfolg. Deshalb präsentiert sich der Chor regelmäßig bei Veranstaltungen in der Gemeinde Wennigsen und nutzt auch soziale Medien.

Langfristig denkt der Verein sogar noch größer. Da es in Evestorf neben den beiden Chören zahlreiche musikalisch aktive Menschen wie Kurt Klose mit seinem Salsa-Orchester Havana und Heiko Köhler mit seiner Band Schichtwaise gebe, werde über ein eigenes Musikfestival im Ort nachgedacht. Ein solches Ereignis könnte weit über die Region hinausstrahlen – und vielleicht sogar weitere Sängerinnen und Sänger begeistern.

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