Ein zentrales Beispiel dafür ist das Thema Frühstück: Das Team beobachtete, dass zuckerhaltige und stark verarbeitete Lebensmittel in den Brotdosen zunahmen – ebenso wie das Müllaufkommen. Gemeinsam wurde daraufhin ein neues Konzept entwickelt. Seit etwa einem Jahr bietet die Kita ein eigenes, gesundes und weitestgehend müllfreies Frühstück an – überwiegend mit saisonalen, regionalen und zu einem großen Teil biologisch erzeugten Lebensmitteln.
„Wir wollten nicht nur über gesunde Ernährung sprechen, sondern sie konkret erlebbar machen“, sagt Einrichtungsleiter Heiko Herbst. „Beim gemeinsamen Frühstück kommen wir täglich mit den Kindern ins Gespräch – über Herkunft, Saisonzeiten und darüber, was unser Körper braucht. Gleichzeitig ist das Müllaufkommen praktisch auf null gesunken.“
Ein besonderer Lernort ist der eigene Kita-Garten. Dort bauen die Kinder gemeinsam mit den Fachkräften Gemüse, Obst und Kräuter an. Radieschen, Beeren oder Äpfel werden geerntet, probiert oder weiterverarbeitet – je nachdem, wie die Kinder entscheiden. Auch darüber wird demokratisch abgestimmt: In Gesprächskreisen sammeln die Mädchen und Jungen Vorschläge, visualisieren diese und treffen anschließend gemeinsam ihre Wahl – etwa darüber, welches Gemüse im Frühjahr gepflanzt wird oder wie die Ernte verwendet werden soll.
Nachhaltigkeit zeigt sich in der AWO-Kita in vielen Bereichen des Alltags: Regenwasser wird zum Gießen genutzt, Bioabfälle landen in der eigenen Komposttonne, Insektenhotels fördern die Biodiversität im Garten. Ein „Plastik-Müllfisch“ im Eingangsbereich macht sichtbar, wie viel Abfall früher durch Frühstücksverpackungen entstand. Heute gehört eine konsequente Mülltrennung ebenso selbstverständlich dazu wie das Prinzip „leihen statt kaufen“ – etwa über die städtische Ausleihstation, die Stadtbücherei oder die eigene Ludothek, eine Ausleihstelle für Spiele.
Besonders wichtig ist der Einrichtung die Partizipation der Kinder. Sie entscheiden mit, wenn es um Wasserverbrauch im Sommer, den Einsatz von Materialien oder Neuanschaffungen geht. „Wir haben gelernt, mit einer Art Nachhaltigkeitsbrille auf unseren Alltag zu schauen“, so Herbst. „Das betrifft nicht nur die Kinder, sondern auch uns als Team.“ Er sagt: „Die Auszeichnung ist eine schöne Bestätigung – und zugleich Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen.“