„Mein Mann war über 35 Jahre Leiter des Baumamts“, erzählt sie. „Der hat immer dafür gesorgt, dass es viel Grün in der Stadt gibt.“ Genau das wünsche sie sich auch von den Ratsmitgliedern: dass stärker darauf geachtet werde. Für sie ist jeder Baum wertvoll. „Mir tut jeder Baum leid, der gefällt werden muss.“
Wenige Meter weiter stimmt Ulla zu, die ihren Nachnamen nicht genannt wissen will. Sie ist mit Freunden unterwegs und zeigt ihnen Gehrden. Besonders ein Vorfall hat sie verärgert: „Neulich haben die hier einfach einen Baum gefällt. Über Nacht war der weg, obwohl es eine Bürgerinitiative dagegen gab.“ Ihre Freunde nicken zustimmend: „Mehr Grün wäre hier schon schön.“
Doch nicht nur Bäume beschäftigen sie. Ulla zeigt auf die große Baustelle am Anfang der Innenstadt. „Die behindert viele“, sagt sie.
Außerdem wünsche sie sich einen Zebrastreifen vor der Volksbank. Der Grund wird schnell klar: Obwohl an dieser Stelle Tempo 30 gilt, halten sich viele Autofahrer nicht daran. Allerdings sind nach der Straßenverkehrsordnung Zebrastreifen in Bereichen mit Tempo 30 nur in Ausnahmefällen erwünscht.
Mehr Verkehrsberuhigung fordert auch Nicole. „Ganz schlimm ist es an der Großen Bergstraße“, sagt sie. Dort gelte ebenfalls Tempo 30, allein schon wegen der vielen Löcher in der Straße. „Aber daran hält sich kaum ein Autofahrer.“ Für Nicole ist klar: „Es braucht viel mehr Tempolimits und Parkverbote“, appelliert sie an den zukünftigen Stadtrat.
In der Nähe des Rathauses treffen wir Wolfgang. Er ist mit Freunden aus Bayern unterwegs und lebt seit über 30 Jahren in Gehrden. Insgesamt sieht er die Entwicklung der Stadt positiv. „Die Bürgermeister haben viele gute Dinge angestoßen.“
Einen Wunsch hat er dennoch: eine funktionierende Bürgerverwaltung. „Die müsste viel stärker digitalisiert werden.“ Durch seine berufliche Tätigkeit sei er viel in anderen Ländern unterwegs gewesen. Deutschland hinke bei der Digitalisierung deutlich hinterher.
Außerdem kritisiert der Mann die Parkplatzsituation in der Innenstadt. „Zu Stoßzeiten gibt es keine Chance, einen Parkplatz zu bekommen.“ Gerade für ältere Menschen sei das problematisch, etwa wenn sie zum Ärztehaus wollten. Auch die Infrastruktur sieht er kritisch. Er hat dabei vor allem Straßen im Blick, die zuletzt von Tempo 50 auf Tempo 10 herunterreguliert worden seien. Von den Ratsmitgliedern wünscht er sich vor allem Bürgernähe. „Sonst kann man das System Demokratie schließen.“
Jessica Böttcher sieht einige Dinge entspannter. Die Parkplatzsituation bewertet sie gelassen: „Da sehe ich keine Probleme.“ Auch die Anbindung an Hannover und die Umgebung funktioniere gut, vor allem durch den 500er-Bus.
Was ihr fehlt, sind mehr Geschäfte. „Es wäre schön, wenn abends hier auch mal was los wäre und man irgendwo hingehen könnte“, sagt sie. Insgesamt sieht sie die Entwicklung der Innenstadt eher negativ.
Die Meinungen zeigen: Gehrdenerinnen und Gehrdener blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf ihre Stadt. Mehr Grün, sicherere Straßen, eine digitale Verwaltung oder eine lebendigere Innenstadt: Die Wünsche an die zukünftigen Ratsmitglieder sind vielfältig. Mit Blick auf die Kommunalwahl im September wird sich zeigen, welche Antworten die Politik darauf findet.