Dass es diese Neubau-Pläne gibt, hatten die MVZ-Inhaber Henrike Wittum und Thomas Eriksen bereits vor Längerem bekannt gegeben. Nun wurde öffentlich, wo und was genau geplant ist. Demnach sollen drei Gebäude entstehen. Gebaut werden soll an der Stoppstraße gegenüber von Edeka und direkt neben dem jetzigen MVZ (den ehemaligen Praxisräumen von Folker Siebert und Erika Pagallies). Das Grundstück bietet mit knapp 10.600 Quadratmetern genügend Platz auch für 41 Stellplätze; derzeit ist es von der Straße aus nicht einsehbar wegen hoher Bäume.
Das neue Medizinische Versorgungszentrum in Egestorf gibt es jetzt seit gut einem Jahr. Zum Januar 2025 hat Wittum & Eriksen die beiden bis dahin selbstständigen Egestorfer Hausarztpraxen – die Praxis von Siebert und Pagallies sowie die Praxis von Carsten Rädisch – übernommen. Die Zweigstelle in Egestorf gehört damit zu einem ärztlichen Verbund der MVZ-Betreiber aus aktuell zwölf Arztpraxen im Landkreis Schaumburg, im Kreis Hameln-Pyrmont und in der Region Hannover. Insgesamt arbeiten für Wittum & Eriksen über 30 Fachärzte für Allgemeinmedizin und Innere Medizin sowie mehr als 75 Medizinische Fachangestellte.
Immobilienpartner für das Neubauprojekt ist die Gesundes Zentrum Barsinghausen GmbH, die das Grundstück in Egestorf gekauft hat. Die Planer stehen im engen Austausch mit der Stadt. Möglichst im März möchten die Investoren den Bauantrag einreichen. „Wir würden gerne den Bauturbo anschmeißen“, bestätigt Architektin Silke Meier zu Evenhausen, Mitglied der Geschäftsführung aus dem Berliner Büro Max Dudlers, das für die architektonische Realisierung gewonnen werden konnte. Der konkrete Baustart müsse derweil noch finalisiert werden. Meier zu Evenhausen stellte das Bauprojekt jüngst auch im Ausschuss für Planung, Umwelt und Klimaschutz vor. Durch den Rat soll es am 19. Februar.
Die Planer schlagen drei polygonale, dreigeschossige Gebäude vor, die etwas verdreht zueinander stehen. Die drei Gebäude gruppieren sich um eine zentrale, gemeinschaftlich nutzbare Grünfläche. Zur Stoppstraße öffnet sich das Ensemble mit einem öffentlichen Vorplatz. In Gebäude I vorn zur Straße befindet sich der Zugang zur Praxis mit Foyer. Ansonsten ist alles wohnen – „mit einem großen Anteil Familienwohnungen für drei oder vier Personen“, sagt Meier zu Evenhausen.
Das heißt konkret: Insgesamt sind elf Vier-Zimmer- und 21 Drei-Zimmer-Wohnungen vorgesehen. Zudem gibt es 15 Mietwohnungen, die für zwei Personen ausgelegt sind, sowie fünf Ein-Zimmer-Wohnungen. Alle Wohnungen haben Terrassen, Balkone oder Loggien. Noch sind die Wohnungen vom Grundriss nicht bis ins Detail durchgeplant. Die Gesundes Zentrum GmbH vermarktet später selbst.
Alle Wohnungen sind sozial gefördert nach den Vorgaben der N-Bank Niedersachsen. Meier zu Evenhausen vergleicht das Projekt in Egestorf im Ansatz mit dem Quartier Leineauen der World Investment GmbH in Hannover-Wülfel, das zum Teil auch aus öffentlich geförderten Wohnungen besteht. Genau wie dort, wolle das Gesunde Zentrum sozial gefördertes Wohnen gestalterisch ansprechend realisieren. „Dem Quartier soll nicht angesehen werden, dass es sich um sozial gefördertes Wohnen handelt“, sagt die Projektleiterin. Die Zusammenarbeit mit dem Büro des vielfach ausgezeichneten und renommierten Schweizer Architekten Max Dudler unterstreiche dies.
Alle drei Gebäude haben im Übrigen ein sehr flach geneigtes Dach. Deswegen kann mit begrünten Retentionsdächern geplant werden. Solche nachhaltigen Dachsysteme speichern das Regenwasser und geben es verzögert ab. Das heißt: Das Wasser wird nicht in die Kanalisation eingespeist, sondern bleibt auf den Dächern stehen, verdunstet und kühlt so das Gebäude effektiv ab. Wichtig: „Die Photovoltaik-Pflicht lässt sich damit kombinieren“, versichert Meier zu Evenhausen. Hintergrund: Seit dem 1. Januar 2025 gilt in Niedersachsen eine umfassende Solarpflicht für alle neuen Gebäude ab 50 Quadratmetern Dachfläche, bei der mindestens 50 Prozent der geeigneten Dachfläche mit Photovoltaik belegt werden müssen.
Das große Grundstück habe man übrigens anfangs noch mehr benötigt als jetzt letztlich. „Wir sind mit fünf Baukörpern gestartet. Jetzt sind wir bei drei“, sagt Meier zu Evenhausen. Sie kündigt an, dass auch eine Grünraumgestaltung noch ausgearbeitet werde – möglichst naturnah zum Feld hin und zum Bach, der das Grundstück nach hinten begrenzt. Dabei solle so wenig wie möglich an Fläche versiegelt werden und es solle auf das Mindesterforderliche reduziert sein, mit Aufenthaltsqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner.