Exner war selbst jahrelang aktiver Kicker des Sportvereins. Der heute 92-Jährige ist seit fast elf Jahren Ehrenmitglied des SV Ihme-Roloven. Jetzt hat er ein ganz besonderes Jubiläum gefeiert: die 75-jährige Mitgliedschaft. Wegen seiner Vereinstreue und seiner regelmäßigen Besuche hat ihm der Vorstand außer einer Ehrenurkunde auch eine lebenslange Dauerkarte überreicht. Den unbefristeten Stammplatz will er aber nicht immer kostenlos in Anspruch nehmen. „Die drei Euro für ein Eintrittsticket werde ich trotzdem hin und wieder bezahlen“, sagt Exner.
Das Ehrenmitglied wohnt allerdings seit fast 66 Jahren gar nicht mehr in Ihme-Roloven, sondern in Hannover-Ahlem. „Mein Auto kennt die Strecke aber ganz gut“, sagt der rüstige Rentner mit einem Augenzwinkern. Er sei schließlich auch seit seinem zwölften Lebensjahr in dem Ronnenberger Dorf aufgewachsen.
Exner wurde 1934 in Breslau geboren und mit seiner Familie aus Schlesien vertrieben. Nach einer Zwischenstation in einem Empelder Lager auf dem Gelände einer früheren Munitionsfabrik sei er mit seiner Mutter und vier Geschwistern – sein Vater war bereits gestorben – in eine Wohnung an der Hannoverschen Straße in Ihme gezogen. „Ich habe von der A-Jugend an beim SV Ihme-Roloven Fußball gespielt”, erzählt der Ex-Kicker. Im Dorf lernte Exner an einem Tanzabend auch seine vor drei Jahren gestorbene Frau Martina kennen. „Wir haben nach unserer Hochzeit in Ihme keine Wohnung gefunden und sind deshalb nach Ahlem gezogen“, sagt er. Er sei damals 26 Jahre alt gewesen, aber weiterhin mit dem Auto zum Training und den Spielen des SV Ihme-Roloven gefahren. „Ich habe für die erste und die zweite Mannschaft gespielt“, berichtet Exner. Noch bis heute besuche er aus Verbundenheit die Spiele.
Exner ist gelernter Maurer, arbeitete aber die längste Zeit seines Berufslebens als Fahrer einer Krankenversicherung. Er habe Versicherte zu Bestrahlungen und Kuren in ganz Deutschland transportiert – bis zu seiner Rente, erzählt er. Zu seiner Familie zählen Sohn Thomas, Tochter Birgit starb jung an Bauchspeicheldrüsenkrebs, sowie fünf Enkel und vier Urenkelkinder. Zwillingsbruder Werner – auch Ehrenmitglied des SV Ihme-Roloven – lebt seit drei Jahren nicht mehr.
Exner kümmert sich im Alter von 92 Jahren noch alleine um seinen Haushalt. Er ist auch viel mit seinem E-Bike unterwegs. Für seine geistige und körperliche Fitness sei er sehr dankbar. Diese gute Verfassung ist auch der Grund, dass er immer dann Fußballbegegnungen des SV Ihme-Roloven verpasst, wenn zeitgleich der Handball-Bundesligist TSV Hannover-Burgdorf ein Heimspiel austrägt.
Bei den Spielen der Recken in der ZAG Arena sei er seit 17 Jahren als Ordner im Einsatz, erzählt Exner. Von 1963 bis 2018 habe er auch bei Heimspielen von Hannover 96 im Ordnungsdienst gearbeitet. Damit habe er aufgehört. Bei den Recken-Heimspielen achte er aber weiterhin darauf, dass niemand unbefugt eine Lounge betrete – ehrenamtlich: „Wir kommen eineinhalb Stunden vor dem Spiel und bekommen ein Essen.“ Die Stimmung in der Arena sei toll.
Die Spiele von Hannover 96 verfolgt Exner jetzt nur noch per „Liveticker im Videotext“. Echte Fußball-Atmosphäre erlebe er lieber bei den Spielen des SV Ihme-Roloven, sagt der Dauerkartenbesitzer.