Das Waldsterben war in Gehrden immer wieder ein Thema. Die alten Buchen und Fichten litten unter heißen und trockenen Sommern. Dazu kam der Schädlingsbefall durch Borkenkäfer. Immer mehr Nadelbäume starben ab. 2023 entschloss sich daher der Stadtrat Gehrden, den Masterplan „Erhalt des Gehrdener Waldes“ zu erarbeiten. Was ist daraus geworden?
„Die ersten abgestorbenen Bäume an den Hauptwegen wurden bereits abgeholzt“, erklärt Wicke. Früher hätten von den kranken Bäumen Äste herunterfallen und Fußgänger wie Radfahrer gefährden können. Diese Gefahr im Waldverkehr wurde an vielen Stellen gebannt. Ein positiver Nebeneffekt: An ebendiesen Stellen wachsen jetzt Jungbäume und Sträucher nach, weil sie Licht und Platz bekommen haben, so die Nabu-Leiterin.
Eine weitere positive Entwicklung der vergangenen Jahre laut Wicke ist der Erhalt der 100 bis 200 Jahre alten Buchen – oder vielmehr ihrer Stämme. Ursprünglich war vorgesehen, die kranken Buchen östlich der Mühle vollständig abzuholzen. Doch schließlich einigte man sich darauf, die entasteten vier Meter hohen Buchenstämme stehen zu lassen. Dieses Totholz bietet jetzt Lebensraum für Insekten, Vögel und Pilze.
Neben der Entnahme von kranken Bäumen wurde auch über Aufforstungen bezüglich des Masterplans der Stadt nachgedacht. Doch bisher ist Wicke nur eine Aufforstungsaktion bekannt: Im Dezember 2024 am Gehrdener Berg wurde eine private Pflanzaktion initiiert – auf Wunsch einer Schülerin zu ihrem Geburtstag. Das bestätigt die Stadt Gehrden: Beflanzt wurde eine private Fläche, deren Eigentümerin größtenteils die Stadt Gehrden ist. Die Pflanzen wurden von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald gesponsert, Tonkinstäbe zum Schutz vor Wild und zur Markierung wurden von Privatpersonen gesponsert.
Im Rahmen des Masterplans „Erhalt des Gehrdener Waldes“ liege der Fokus der Stadt aktuell weiterhin auf der Entnahme von bereits beschädigten Bäumen und der Wahrung der Verkehrssicherheit. Zusätzlich sollen jüngere Bestände sowie Flächen, die gute Naturverjüngung aufweisen, kontinuierlich gepflegt werden, gibt Verwaltungssprecher Frank Born bekannt.
Die Stadt ist also noch mit den Aufräumarbeiten am Gehrdener Berg beschäftigt. In der Zwischenzeit arbeitet die Natur selbst mit, wie auch Wicke weiß.
„Am Westrand – dort, wo viele der uralten Buchen gefällt werden mussten – kommt jetzt ganz viel Licht rein. Die jungen Ahornbäume sind dort teilweise schon drei, vier Meter hoch. Da entsteht jetzt ein natürlicher Waldrand mit idealen Verhältnissen. Und wenn man das in Ruhe lässt, dann sind dahinter auch schon kleine neue Buchen im Schutz der Ahorne zu sehen“, berichtet Wicke. Der Wald scheint sich stellenweise „fast ein bisschen zu erholen“.
Eine vollständige Entwarnung ist aber bislang nicht möglich. Ein Großteil der Fichten und Buchen ist in den vergangenen Jahren am Gehrdener Berg abgestorben oder erkrankt. Wie viele von den neuen Pflanzen gesund bleiben, ist ungewiss.
Der Wald am Burgberg und Köthnerberg bei Gehrden gehört vielen unterschiedlichen Eigentümern. Etwa 35 Hektar besitzt die Stadt Gehrden, der Rest verteilt sich auf etwa 100 Privateigentümer. Ein Großteil davon, auch die Stadt, sind Mitglieder in der Forstbetriebsgemeinschaft Gehrdener Berg. Betreut wurden die Bäume bis vor zwei Wochen von Försterin Ramona Voelker. Nach Jobwechsel wird derzeit ein Nachfolger gesucht. Außerdem verantwortlich sind die Bezirksförsterei Calenberg und der städtische Feld- und Forsthüter Harald Meyer.