Oelrich ging beim Schreiben von einer Aussage Robert Spaemanns aus und gab ihrem Essay den Titel „Freiheit ist Selbstbegrenzung“. Darin kam sie zu dem Schluss, dass die Ansicht vieler, Freiheit sei das Recht, alles zu dürfen, unzutreffend sei. Vielmehr „ist sie die Kunst, nicht alles zu müssen. In einer Zeit, die Fortschritt mit Kontrolle verwechselt, ist diese Einsicht aktueller denn je.“
Oelrichs Essay überzeugte die Landesjury, so dass sie eine Einladung für den bundesweiten Wettbewerb erhielt. In Münster kamen kürzlich 26 Schülerinnen und Schüler zusammen, um sich auszutauschen und in einer weiteren Runde Essays zu bestimmten Fragestellungen zu schreiben. Die Herausforderung war dabei, dass diese Essays in englischer oder französischer Sprache verfasst werden mussten.
„Es waren schon anstrengende und lange Tage“, berichtet die 18-Jährige. Das übergeordnete Thema lautete Kanonkritik. Unter dem Leitgedanken „Philosophie zwischen Ausschluss und Teilhabe“ stand die kritische Auseinandersetzung mit dem Kanon, den Geschlechterverhältnissen und der Öffnung des philosophischen Diskurses im Mittelpunkt. „Man bekommt noch einmal einen anderen Blick auf Philosophie, auch über das hinaus, was man so im Unterricht macht“, sagt Oelrich. Die Schülerin belegt im Abitur den Philosophie-Leistungskurs.