Weiter Tempo 30? Schlechte Chancen für Sorsums Ortsdurchfahrten
Das Pilotprojekt der Region Hannover ist beendet.Die Gemeinde Wennigsen setzt nun auf eine Verkehrszählung.

Rückblende ins Jahr 2024: Vorübergehend wurde Tempo 30 auf den Ortsdurchfahrtsstraßen von Sorsum eingeführt – zur Freude der Ortsratsmitglieder Claudia Nolting (von links), Renate Bury-Uhlendorf und Peter Homeyer, sowie des Ratsherrn Jonas Farwig (Zweiter von links).Foto: Heinz-Peter Homeyer
Wennigsen. Auch wenn beim Modellversuch die Durchschnittsgeschwindigkeit und die Lärmwerte gesunken sind: Die zusätzlich aufgestellten Tempo-30-Schilder an den Ortsdurchfahrten in Sorsum werden voraussichtlich wieder abgebaut.

Ziel des Modellversuchs der Region Hannover sei es nicht gewesen, überall Tempo 30 einzuführen, erläuterte Diplomingenieur Jens Rümenapp jetzt vor dem zuständigen Ausschuss in Wennigsen. Er ist einer der Gesellschafter bei Gertz Gutsche Rümenapp – Stadtentwicklung und Mobilität. Die Gesellschaft hat das Modellprojekt begleitet. Es gehe vielmehr darum, zu klären, unter welchen zusätzlichen Kriterien Tempo 30 sinnvoll sei, sagte Rümenapp. Diese Aspekte könnten dann bei der Novellierung der Straßenverkehrsordnung aufgenommen werden.

Nach der bisherigen Rechtslage ist eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 auf einer Ortsdurchfahrt nur bei einer sogenannten qualifizierten oder einfachen Gefahrenlage möglich – also etwa dann, wenn sie an Schulen, Kitas oder Altenheimen vorbeiführt.

Ulrike Schubert, Fachbereichsleiterin in der Wennigser Verwaltung, erläuterte, mit einem Antrag bei der Region, Tempo 30 beizubehalten, werde die Gemeinde auf Basis der aktuellen Straßenverkehrsordnung keinen Erfolg haben. Die Gemeinde plant aber innerhalb der nächsten Wochen eine Verkehrszählung und will dabei auch erfassen, welchen Weg die Schüler und Schülerinnen nehmen. Hintergrund: Ergibt die Verkehrszählung, dass dort ein Fußgängerüberweg notwendig ist, wäre Tempo 30 erlaubt. Rümenapp merkte an, die Gemeinde selbst könnte Tempo 30 einführen, wenn ihr die Straße gehörte. Schubert machte deutlich, dass die Kommune kein Interesse habe, die Straße von der Region zu übernehmen.

Bei dem Pilotprojekt wurden in Sorsum als einem von 17 Standorten im Umland von Hannover vom Herbst 2024 bis Anfang Februar dieses Jahres auf der Weetzener Straße und auf der Lemmier Straße Tempo-30-Schilder aufgestellt. Die Auswirkungen der Geschwindigkeitsreduzierung wurden gemessen und mit zuvor erhobenen Daten verglichen.

Vorher: 22.795 erfasste Fahrzeuge in westlicher Richtung waren mit 39,9 Stundenkilometern unterwegs, in östlicher Richtung waren es 22.648 Fahrzeuge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 39,8 Kilometern pro Stunde. Nachher: 19.572 Fahrzeuge wurden in westlicher Richtung erfasst. Sie fuhren durchschnittlich 37,3 Kilometer pro Stunde. In der anderen Richtung waren es 20.141 Fahrzeuge mit 36,5 Kilometern pro Stunde. Der Lärmwert ging von 75,9 beziehungsweise 73,6 Dezibel auf 73,4 Dezibel beziehungsweise 70,2 Dezibel zurück.

Vorher: Die 7598 Fahrzeuge in nördlicher Richtung fuhren durchschnittlich 43,0 Kilometer pro Stunde, die 8799 Fahrzeuge in südlicher Richtung 48,7. Nachher: 7622 Fahrzeuge in Richtung Norden wurden erfasst. Sie waren durchschnittlich mit 37,5 Kilometern pro Stunde unterwegs. In der anderen Richtung waren es 9083 Fahrzeuge mit 44,5 Stundenkilometern. Der Lärmwert ging von 76,0 beziehungsweise 76,7 auf 71,4 beziehungsweise 71,2 Dezibel zurück.

Die Messungen bei dem Pilotprojekt wurden mittels Seitenradarmessungen und der sogenannten Floating-Car-Data-Methode vorgenommen, die GPS-Daten auswertet. Die sendenden Fahrzeuge übermitteln Standortinformationen, Uhrzeit und Geschwindigkeit an eine Zentrale.

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