2025 war über die Zukunft des Primarbereichs heftig debattiert worden. Die SPD-Fraktion hatte einen Antrag gestellt, nach dem die Grundschule Am Langen Feld sowie die Grundschule der Grund- und Oberschule auf vier Züge pro Jahrgang zusammengefasst und strukturell sowie organisatorisch an die IGS Gehrden angegliedert werden sollten. Das hatte zu politischen Diskussionen und sogar Elterndemos geführt.
Im März war der Antrag im Rat schließlich abgelehnt worden. Die beiden Grundschulen am Langen Feld und Am Castrum sollen bleiben und beide vierzügig werden, die Grundschule an der IGS soll ab dem Schuljahr 2027/2028 keine weiteren Schülerinnen und Schüler mehr aufnehmen. Damit war das Thema entschieden. Doch nun flammt die Debatte erneut auf. Die Gehrdener SPD-Vorsitzende Sylvie Müller erklärte: „Wir haben zurzeit drei funktionierende Grundschulen. Warum sollten wir das ändern?“ Müller wünschte sich, dass die Grundschule der IGS mindestens für weitere drei Jahre bestehen soll – idealerweise aber dauerhaft in Gehrden bleibe. Dem Wunsch schlossen sich auch die Grünen an, wie Fraktionsvorsitzender Heinz Strassmann bestätigte. Als Begründung nannte Müller positive Anmeldezahlen an der IGS-Grundschule.
Diese neuen – und zugleich alten – Aussagen sorgen bei der CDU für Irritation. Kai Schönwald, Vorsitzender des Bildungsauss chusses und CDU-Ratsmitglied, erklärte entschlossen: „Ich möchte in dieser Ausschusssitzung bewusst nicht darüber diskutieren, ob eine Verstetigung der Grundschule an der OBS passieren wird, weil diese Debatte längst geführt wurde. Sie ist längst abgestimmt im Ausschuss wie im Rat der Stadt Gehrden.“Den Vorstoß von SPD und Grünen zur erneuten Aufnahme der bereits beendeten Debatte empfindet Schönwald als schädlich. „Es beschädigt das Vertrauen in von uns gefasste Beschlüsse und deren Bestand. Es verunsichert Bürger und Bürgerinnen, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, ja sogar Dezernenten der Landesschulbehörde und die Verwaltung selbst. Auch wenn Entscheidungen nicht immer allen gefallen, respektieren wir diese und rütteln nicht direkt an ihnen – anders wirken Entscheidungen beliebig und der Stadtrat und seine Beschlüsse nicht vertrauenswürdig“, erklärte der CDU-Mann abschließend.
Dem schließt sich auch Sebastian Tschirlich vom Stadtelternrat an. „Wir stehen nicht am Anfang einer ergebnisorientierten Debatte. Wir stehen an einem Punkt, an dem ein demokratisch gefasster Beschluss umgesetzt werden sollte“, sagte er. Die Entscheidung im vergangenen März für die freien Grundschulen und gegen die der IGS sei „nicht leicht“ gefallen. Jetzt daran zu rütteln, greife die Verlässlichkeit der Gehrdener Politik an.Zudem zeige die Schulentwicklungsplanung weiterhin, dass zwei vierzügige Grundschulen den Bedarf decken können. Bei der IGS gebe es ohnehin zu wenig Interessierte. „Die aktuellen Anmeldezahlen am Grundschulzweig der Grundschule der IGS liegen bei zehn Kindern. Nach unserer Kenntnis erfolgt unterhalb von zwölf Anmeldungen keine Lehrkräftezuweisung durch das Land“, so Tschirlich.
SPD-Vorsitzende Sylvie Müller hatte erklärt, demnächst mit der Verwaltung in Gehrden über ihren Vorschlag sprechen zu wollen. Bürgermeister Malte Losert (parteilos) hatte darauf aber zurückhaltend reagiert.