Von Nachwuchssorgen kann in Barsinghausen keine Rede sein

Besonders ist auch die Atmosphäre untereinander. Denn manchmal dreht sich das klassische Rollenverständnis um. „Dann erklären auch Achtjährige den 14-Jährigen die Geräte, wenn sie sich da schon besser auskennen. Es geht eher um Erfahrung“, sagt Sehm.

Dass aus dem Amateurzirkus echte Karrieren entstehen können, zeigen einige Beispiele. Die frühere Leiterin und Gründerin Annika Dickerl etwa schlug eine professionelle Laufbahn ein. Heute ist sie als Schauspielerin, aber auch als Regisseurin unterwegs. Auch Ronja Siewert und Tim Schneider sind bekannte Gesichter, die heute beruflich mit Zirkus zu tun haben oder Kinder und Jugendliche dafür begeistern. Siewert ist Artistin und Zirkuspädagogin geworden, Schneider war ebenfalls länger als Artist tätig. „Und sie kommen immer wieder zurück und geben zum Beispiel Workshops, das ist schon etwas Besonderes“, so Sehm.

In einer Ecke der Halle trainiert die 14-jährige Hannah konzentriert am Vertikaltuch. Seit sechs Jahren ist sie dabei, nachdem sie selbst eine Aufführung gesehen hatte. „Am liebsten mag ich das Tuch und die Partnerakrobatik“, sagt sie.

Ein paar Meter weiter zieht die zwölfjährige Valerie ihre Kreise auf dem Einrad. Sport mochte sie schon immer, das Einradfahren besonders, da sei der Zirkus naheliegend gewesen. Seit zwei Jahren gehört sie dazu. Wie fühlt es sich an, vor Publikum aufzutreten? „Ich freue mich einfach nur, wenn ich auf der Bühne stehen darf“, sagt Valerie. Lampenfieber kenne sie kaum noch. Hannah gibt dagegen zu: „Ich bin ein bisschen nervös, habe mich aber schon sehr daran gewöhnt.“

Trainerin Sehm sieht im Lampenfieber sogar einen Verbündeten. „Das geht gut, wir brauchen das auch ein Stück weit“, sagt sie lachend. Hinter der Bühne gebe es feste Rituale: dreimal „Toi, toi, toi“ rufen und beim dritten Mal laut schreien, um die Energie rauszulassen. „Lampenfieber ist ein guter Treiber, der gut performen lässt.“

Einmal pro Woche trainieren die Mädchen mit ihrem Team. Vor der Gala werden die Einheiten intensiver, dazu kommt ein Probenwochenende. Die Stimmung beschreiben beide als harmonisch. „Hier sind alle sehr nett. Aber das muss auch so sein, denn wir müssen uns gegenseitig vertrauen.“

Ob sie sich eine professionelle Karriere vorstellen können? Da sind beide unsicher. „Aber wir möchten das gerne noch länger machen“, sagen sie fast gleichzeitig.

Und natürlich gibt es auch lustige Momente. „Beim Weihnachtsspezial haben die Eltern mitgemacht“, erzählt Hanna. Auch eine kleine Panne verrät Valerie: „Ich habe vergessen, mich für den Spagat zu dehnen, das habe ich dann ganz schnell hinter der Bühne gemacht.“ Von Nachwuchssorgen kann in Barsinghausen keine Rede sein. Mehr als 30 Kinder und Jugendliche stehen derzeit auf der Warteliste, teilweise bis zu zwei Jahre. „Uns fehlt eher das mittlere Alter, also die Teenager. Ab sechs rennen sie uns allen die Bude ein“, sagt Sehm.

Der Kartenvorverkauf für die diesjährige Show läuft bereits im Bücherhaus am Thie, Marktstraße 14, in Barsinghausen.

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