Solange es die Finger erlauben
Heiko Dückering ist seit 60 Jahren Organist in Empelde – und der 76-Jährige
denkt noch lange nicht ans Aufhören.

Kontrolle: Heiko Dückering überprüft wöchentlich den Klang der Orgel.Foto: Heidi Rabenhorst
Empelde. Für Heiko Dückering ist Musik weit mehr als ein Hobby – sie ist Lebenselixier. Sie helfe dabei, zu sich selbst zu finden, den Alltag für eine Weile hinter sich zu lassen und auf besondere Weise miteinander zu kommunizieren, erläutert der 76-Jährige. „Außerdem empfinde ich es als wohltuend, durch meine Musik anderen Menschen Freude bereiten zu können.“ Seit 60 Jahren ist er als Kirchenmusiker in der evangelischen Johannesgemeinde tätig.

An Ruhestand denkt Dückering noch lange nicht. „Ich spiele, solange es meine Finger mir erlauben“, betont er mit einem Lächeln. Seine musikalischen Wurzeln reichen zurück in die späten Fünfzigerjahre. Im Alter von acht Jahren nahm ihn seine Mutter mit in den Empelder Kirchenchor. Das mehrstimmige Singen und die Mitgestaltung von Gottesdiensten begeisterten ihn. Der damalige Kirchenmusiker Hans Meier erkannte früh sein Talent und unterrichtete ihn an der kleinen Kapellenorgel. Später setzte er seine Ausbildung an der Marktkirchenorgel beim hannoverschen Stadtkantor Gustav Sasse fort. „Diese Zeit hat mich sehr geprägt.“

Als Ende 1965 die damalige Organistin Empelde kurzfristig verließ und das Weihnachtsfest unmittelbar bevorstand, bat Pastor Forwergk den jungen Musiker, die Leitung zu übernehmen. Was als Übergangslösung gedacht war, wurde zu einer Aufgabe fürs Leben. An seinen ersten Einsatz im Gottesdienst erinnert sich Dückering nur noch vage. „Es war eine Mischung aus Anspannung und freudiger Erwartung“, erzählt er. Viel Zeit zum Nachdenken blieb nicht – er wuchs schlicht in die neue Verantwortung hinein.

Seine Motivation schöpfte er stets aus der Freude an der Musik, sei es beim Orgelspiel allein oder im Zusammenspiel mit dem Posaunenchor und anderen Musikerinnen und Musikern. Konzerte, musikalische Andachten und festliche Gottesdienste seien für ihn bis heute Kraftquellen. Der pensionierte Lehrer für Musik und Geschichte an einem Springer Gymnasium leitete über Jahrzehnte den Chor der Johannesgemeinde und prägte das musikalische Leben der Gemeinde maßgeblich. 2014 gab er die Chorleitung ab. Geblieben sind enge Freundschaften und ein starker Zusammenhalt mit den Sängerinnen und Sängern. Später ging die Gesangsgruppe im heutigen Chor Cantate auf.

Zu den Höhepunkten zählen für ihn die Jubiläumsfeiern zum 40- und 50-jährigen Bestehen des Chores 1986 und 1996. Die Wurzeln des Ensembles reichen bis 1946 zurück, als sich in der sogenannten Lagerkirche erstmals ein Chor formierte. Bewegend sei auch die Aufführung der „Pastoralmesse“ von Ignaz Reimann in den Achtzigerjahren gewesen, die bei vielen Chormitgliedern Erinnerungen an ihre schlesische Heimat wachrief. Ein Meilenstein war zudem der Bau der neuen Orgel 1976. Das von der Firma Hillebrand gefertigte Instrument wurde am Reformationstag eingeweiht und gab der Kirchenmusik neue Impulse.

Auf die Frage, ob er einen Lieblingskomponisten habe, muss Dückering nicht lange überlegen – Johann Sebastian Bach. Die protestantische Kirchenmusik sei ohne Bach kaum vorstellbar. „Sein anspruchsvolles und umfangreiches Orgelwerk sowie seine Kantaten und Oratorien sind von außergewöhnlicher Ausdruckskraft.“ Es gebe jedoch auch andere Komponisten wie Mozart, Beethoven, Brahms und Schumann, deren Werke er sehr schätze, gerne höre oder spiele.

Angetan haben es ihm auch die Choräle wie „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Für ihn sei es das protestantische Loblied schlechthin – fester Bestandteil vieler Konfirmationen und Trauungen. „Verbunden fühle ich mich auch dem schwedischen Lied ‚Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer‘, das auch bei meiner eigenen Hochzeit erklungen ist“, berichtet Dückering.

Derzeit allerdings ruhen die Pfeifen der Orgel: Wegen der Sperrung des Kirchenraums darf das Instrument nicht gespielt werden – ein Zustand, der dem Organisten Sorgen bereitet. „Fünf Grad und 77 Prozent Luftfeuchtigkeit sind nicht gut. Es sollten 18 bis 20 Grad und 50 bis 70 Prozent sein“, sagt er und wirft einen Blick auf das Thermometer. Einmal pro Woche kontrolliert er die Werte. Die Gottesdienste finden derzeit im Gemeinderaum oder in der Taufkapelle statt. Musikalisch weicht der Organist auf ein Keyboard aus. Neben seinem Engagement in der Kirchengemeinde ist Dückering auch anderweitig musikalisch aktiv. Er spielt Cembalo im Ärzteorchester Hannover und gestaltet Konzerte gemeinsam mit Kerstin Schwarzer (Blockflöte) und Janne Sörensen (Violine). Auch die regelmäßigen musikalischen Andachten am Taufstein gehören zu seinem Programm. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem bessere räumliche Bedingungen und eine weitere gute Zusammenarbeit mit dem Posaunenchor und dem Chor Cantate.

Sein 60-jähriges Jubiläum an der Orgel wird am 21. Juni um 11 Uhr mit einem Festgottesdienst im Gemeinderaum der evangelischen Johannesgemeinde gefeiert. Am 28. Juni folgt ein Jubiläumskonzert. Die nächste musikalische Andacht am Taufstein mit Dückering ist am Donnerstag, 12. März, um 17.45 Uhr.

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