Weckruf wirkt: Hospizdienst findet Bewerber für neuen Vorstand
Drohende Auflösung des Vereins „Aufgefangen“ scheint abgewendet / Neuwahlen Anfang März

Das Lebenshaus an der Hinterkamptstraße in Barsinghausen: Der Vereinssitz des ambulanten Hospizdinestes „Aufgefangen“ und ein Ort, der dem Thema „Tod und Trauer“ einen sichtbaren Platz inmitten der Öffentlichkeit gibt.Foto: Jennifer Krebs
Barsinghausen. „Ich gehe jetzt davon aus, dass die Zukunft des Vereins gesichert ist.“ Dieses Fazit zieht Günter Kalmbach vom Vorstand des ambulanten Hospizdienstes „Aufgefangen“ nach einer außerordentlichen Mitgliederversammlung. Eine drohende Auflösung wegen fehlender Kandidatinnen und Kandidaten für einen neuen Vorstand ist damit offenbar kein Thema mehr. Eine Krisensitzung hat alle Sorgen zerstreut: Auch künftig sollen die ehrenamtlichen Kräfte schwer kranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten.

Nach einem alarmierenden Aufruf der bisherigen Vereinsführung wollen mehrere Mitglieder bei den bevorstehenden Neuwahlen für Vorstandsämter kandidieren. „Es haben sich etliche Leute gemeldet und bereit erklärt, ehrenamtliche Posten zu übernehmen“, berichtet Kalmbach. Die Einladung zu der außerordentlichen Mitgliederversammlung habe „wie ein Weckruf“ gewirkt. Darauf war deutlich hervorgegangen, wie ernst die Lage für den Verein ist: Ohne neue Vorstandsmitglieder drohe die Auflösung. „Der Vorstand sieht sich aufgrund der aktuellen Situation nicht mehr in der Lage, den Verein ordnungsgemäß zu führen“, hieß es.

Im Vorfeld der Krisensitzung im Vereinssitz, dem Lebenshaus an der Hinterkampstraße, hatte Kalmbach gegenüber dieser Redaktion deutlich gesagt: „Seit zwei Jahren suchen wir fieberhaft nach neuen Vorstandsmitgliedern.“ Im derzeitigen Vorstand seien ausschließlich Pensionäre und Rentner, die altersbedingt mit den Aufgaben einer extremen Belastung ausgesetzt seien. Neben Kalmbach gehören aktuell auch Margret Eulgem und Sylvia Aringer zur Vereinsführung.

Der Verein ist laut Vorstand als Arbeitgeber auch verantwortlich für seine hauptamtlichen Kräfte und die dazugehörige Akquise von Geld. Demnach leistet „Aufgefangen“ ehrenamtlich pro Jahr zwischen 80 und 100 Sterbebegleitungen – mit inzwischen rund 70 geschulten Ehrenamtlichen. Die Hauptamtlichen sind für die Koordination der Hospiz- und Trauerarbeit zuständig.

Der Weckruf des Vorstands zeigte nun offenbar Wirkung: „Es sind mehr als 40 Mitglieder zu der Versammlung gekommen“, berichtet Kalmbach jetzt. Der Vorstand habe dann einleitend noch einmal die „Misere“ dargestellt. Insgesamt seien normalerweise fünf Vorstandsmitglieder vorgesehen. „Wir machen das seit zwei Jahren nur deshalb zu dritt, weil sich ansonsten niemand für einen Posten gemeldet hat“, sagt Kalmbach. Der Vorstand habe keineswegs eine Auflösung wirklich gewollt. „Wir wollten aufrütteln“, so Kalmbach. Das habe dann letztlich in der Mitgliederversammlung zu einer sehr guten und offenen Aussprache geführt.

„Offensichtlich war vielen Mitgliedern unsere große Belastung im Vorstand gar nicht bewusst“, beschreibt Kalmbach eine Erkenntnis aus der Versammlung. Weil sich anschließend viele Mitglieder grundsätzlich bereit erklärt hätten, ehrenamtliche Posten übernehmen zu wollen, ist er zuversichtlich: „Zwar wollen einige noch einmal ein paar Nächte darüber schlafen, aber es ist davon auszugehen, dass es für Neuwahlen jetzt genügend Bewerbungen gibt“, kündigt Kalmbach an. Der neue Vorstand von „Aufgefangen“ soll Anfang März in der regulären Jahresversammlung gewählt werden – für eine dreijährige Amtsperiode.

Was es für den Verein bedeuten würde, wenn die notwendigen Neuwahlen doch noch scheitern, hatte Kalmbach im Vorfeld auch noch genauer ausgeführt. Demnach bestehe außer der Auflösung des Vereins nur noch die Möglichkeit, mit einem anderen Träger zu kooperieren oder zu fusionieren. Dazu soll es aber nicht kommen. Das wollen engagierte Mitglieder verhindern.

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