Plotten, Pressen, Pauken: 16-Jähriger startet durch
Ben Ebernickel aus Hohenbostel ist Azubi und hat sich nebenbei eine kleine Firma aufgebaut. Er designt und bedruckt unter anderem T-Shirts.

So kommt der Aufdruck aufs Shirt: Ben Ebernickel (16) an der Transferpresse. Den Slogan "Deistermädchen" hat er selbst designt.Foto: Jennifer Krebs
Barsinghausen. Als Jugendlicher ein Business starten? Der 16-jährige Ben Ebernickel aus Hohenbostel hat es getan – und Deister Plotter gegründet. Er designt T-Shirts und Hoodies und bedruckt diese. Der Aufdruck „Deistermädchen“ ist von ihm, „Deisterjunge“ und „Deisterkind“ auch. Ganz neu ist „Deisterunikat“. „Das sind meine eigenen Entwürfe. Meine erste Marke, wenn man so will“, sagt er. Aber Ben setzt auch individuelle Wünsche um. „Oft kommen meine Kunden mit einer groben Vorstellung – und ich mache mir dann Gedanken dazu.“

Auf seiner Internetseite findet man ein schönes Zitat von ihm: „Kreativität passiert dort, wo Technik und Ideen aufeinandertreffen.“ Genau dafür stehe er mit Deister Plotter. Der Firmenname sei eigentlich fast von selbst entstanden. Plotten sei das, was er macht. Und den Deister „haben wir vor der Haustür“.

Das Wort „plotten“ stammt aus der Welt der technischen Geräte. Ursprünglich waren „Plotter“ Maschinen, die mit einem Stift grafische Darstellungen wie Baupläne oder Diagramme gezeichnet haben. „To plot“ bedeutet im Englischen „etwas grafisch darstellen“. Diese Maschinen wurden kontinuierlich weiterentwickelt und konnten nicht mehr nur zeichnen, sondern auch schneiden.

Mit einem computergesteuerten Schneideplotter, wie Ben ihn bei sich in der Werkstatt stehen hat, lassen sich präzise Designs und Schriften ausschneiden. Aus Materialien wie Papier, Karton, Stoff oder eben auch Vinyl- und Flexfolien, mit denen der Teenager arbeitet. Das Motiv entwirft er dabei digital, das Gerät schneidet die Konturen, die überschüssige Folie wird von Hand entfernt und anschließend auf Textilien oder als Aufkleber auf Oberflächen gebracht.

Mehr als 80 verschiedene Folien stehen in Bens Arbeitszimmer. Er braucht die einzelnen Rollen nur anzufassen, ohne hinzusehen, um zu wissen, welche Folie er gerade in der Hand hält. Jede Folie habe ihre ganz spezifischen Eigenschaften. „Und das kann man fühlen“, sagt Ben. Vinylfolie zum Beispiel fühle sich fest und leicht starr an, ähnlich wie ein dünner Kunststoffaufkleber. Flexfolie hingegen sei glatt, leicht gummiartig und sehr dünn, Glitzerfolie etwas steifer und rauer.

„Mit 13 hatte ich mein erstes Schulpraktikum in der Werbeagentur Dreist in Kolenfeld“, erinnert sich der Jungunternehmer. Daraufhin habe er sich seinen ersten Plotter gekauft – fasziniert von Design, Marketing und Technik. Heute führt er Deister Plotter als Kleingewerbe neben seiner Ausbildung zum Schilder- und Lichtreklamehersteller. Seine Ausbildung macht Ben bei derselben Agentur, bei der er damals als Achtklässler auch das Praktikum absolvierte. Seine Chefs haben nichts gegen sein Gewerbe.

Ben bedruckt nicht nur T-Shirts und Hoodies, sondern auch Caps, Schlüsselanhänger und Filztaschen. Was er richtig gut findet: Die Gestaltungsmöglichkeiten sind vielfältig. „Es geht filigran und klein, nur ein Brustlogo zum Beispiel“, erklärt Ben. Aber eben auch groß. Inzwischen hat der 16-Jährige auch Fahrzeugbeschriftung in seinem Portfolio. Das erste Auto, das er habe bekleben dürfen, sei das von Jetlags-Frontmann und Eventmanager Cyril Krueger gewesen, erzählt Ben: ein Mercedes Vito, der eine Folienbeschriftung für die Weinwanderung mit der goldenen Traube erhielt.

Auch den schwarzen Camper seiner Eltern, die „Black Pearl“, hat Ben beklebt. Mit Bergen und Meer, und mit der liegenden Acht, dem mathematischen Symbol für die Unendlichkeit. Ben sei schon als kleiner Junge kreativ gewesen und habe sich immer gerne ausprobiert, sagt sein Vater. Schon während des Schulpraktikums habe man gemerkt, „dass ihn das jetzt richtig gepackt hat“.

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