Mit Kittel, Dirndl
oder Friesennerz
Fotoausstellung „Geschichten, die man trägt – vom Sari bis zur Arbeitskleidung“ im Gehrdener Klinikum läuft bis zum 31. Mai

Zeigen die Vielfalt im Gehrdener Klinikum: Smitha Joseph (von links), Hasan Albanan, Caroline Michaelis, Barbara Moreira Gomez, Aya Abdaoui, Sonja Jäschke, Jincy José und SakinehHatami Moghadam.Foto:Heidi Rabenhorst
Gehrden. Im KRH Klinikum Robert Koch in Gehrden ist die Ausstellung „Geschichten, die man trägt – vom Sari bis zur Arbeitskleidung“ eröffnet worden. Bis zum 31. Mai sind im Foyer des Krankenhauses acht Fotografien im Format 90 mal 60 Zentimeter des Fotografen Mathias Lehnick zu sehen. Die Ausstellung erzählt von Menschen, die im Klinikum arbeiten und dabei mehr als nur einen Weg gegangen sind. Der Impuls zur Ausstellung kam von Sonja Jäschke. „Sie haben ihre Herkunft im Herzen behalten und gleichzeitig hier einen neuen Platz gefunden“, sagt die Integrationsbeauftragte des Klinikverbundes KRH Region Hannover.

Jäschke ist Ansprechpartnerin für rund 50 Mitarbeitende mit Migrationshintergrund, die in den vergangenen Jahren ihre Tätigkeit am Gehrdener Krankenhaus aufgenommen haben. Ziel der Ausstellung sei es, diese Vielfalt sichtbar zu machen. „Jedes Bild zeigt zwei Seiten einer Person – den beruflichen Alltag und die kulturellen oder regionalen Wurzeln“, erklärt Jäschke.

Porträtiert sind ein Mann aus Syrien sowie sieben Frauen aus dem Iran, Brasilien, Tunesien, Indien und Deutschland. Auf den Fotografien trifft Arbeitskleidung auf Dirndl, auf den indischen Sari oder auf den sogenannten Friesennerz. Unterschiedliche Erfahrungen und Lebenswege verschmelzen zu einem gemeinsamen Bild. „Die Fotos stehen für Mut, Offenheit und Identität. Sie zeigen, dass man nichts ablegen muss, um dazuzugehören“, betont Jäschke. Integration bedeute, gesehen zu werden – mit allem, was einen Menschen ausmache.

Gleichzeitig zeigten die Bilder, was die Teams stark mache: Menschen mit unterschiedlichen Lebenswegen, Perspektiven und Geschichten, die gemeinsam arbeiten und Verantwortung übernehmen. Vielfalt sei kein Schlagwort, sondern gelebter Alltag. „Für uns zählt nicht, woher jemand kommt, sondern wohin wir gemeinsam gehen.“ Mit der Ausstellung wolle man auch nach außen deutlich machen, wie wichtig Fachkräfte – insbesondere in der Pflege – für das Klinikum seien.

Fotograf Mathias Lehnick arbeitet seit fast zwei Jahrzehnten im Klinikum Region Hannover. Der 37-Jährige absolvierte seine Ausbildung zum examinierten Gesundheits- und Krankenpfleger im Robert-Koch-Krankenhaus und ist seit 2008 dort tätig. Seine zweite Leidenschaft ist die Fotografie. „Sie begleitet mich, seit ich denken kann“, sagt Lehnick. Begonnen habe alles klassisch analog mit einer Spiegelreflexkamera. Schon früh habe ihn der Wunsch angetrieben, Momente festzuhalten und Erinnerungen greifbar zu machen.

Bis heute fasziniert ihn das Zusammenspiel aus Technik, Emotion und dem richtigen Augenblick. „Genau den einen Moment einzufangen, der nicht wiederkommt – das ist für mich der Kern“, erklärt er. Ein gutes Foto wirke leise, aber nachhaltig und erzähle mehr, als auf den ersten Blick sichtbar sei. Seine fotografische Reise begann vor rund 20 Jahren mit dem sogenannten Planespotting, bei dem Fotos von verschiedenen Flugzeugen erstellt werden. Später wandte er sich der Reise- und Streetfotografie zu. Städte wie London, Tokio, New York oder Dubai, die er gemeinsam mit seiner Familie bereiste, wurden zur Bühne für alltägliche Szenen und besondere Begegnungen. „Mich interessieren das Leben auf den Straßen, andere Kulturen, echte Momente“, sagt Lehnick. Viele dieser Arbeiten stellte er bereits großformatig aus.

Gemeinsam mit Sonja Jäschke und Cornelia Michaelis entwickelte er das Konzept für die aktuelle Ausstellung: ein Bild, zwei Kleidungsstücke, ein Team. „Unterschiedliche Herkunft, gleiche Aufgabe, gemeinsames Ziel – genau das wollten wir zeigen“, so Lehnick.

Anfangs seien einige der Porträtierten zurückhaltend gewesen, doch schnell habe sich die Skepsis gelegt. „Die Schüchternheit wich der Neugier, und am Ende hatten alle Spaß beim Shooting.“ Eine der Porträtierten ist Aya Abdaoui aus Tunesien. „Ich habe meine Mutter gebeten, mir das Kleid für das Bild zu schicken“, verrät die Pflegekraft, die seit eineinhalb Jahren in Gehrden lebt. Die Kleidung wird bei Festen wie Hochzeiten oder Geburtstagsfeiern getragen.

Schon bei der Eröffnung bleiben viele Besucher stehen, betrachten die Bilder und kommen ins Gespräch. Auch aus der Mitarbeiterschaft gibt es positives Feedback. „Mir gefallen die Bilder sehr gut. Die Idee, verschiedene Kulturen zu zeigen, ist super“, sagt Pflegekraft David Ferraz Melo aus Brasilien. Natalie Jaensch ergänzt: „Es ist toll, was hier gezeigt wird.“

Dass seine Fotografien ausgerechnet an seinem Arbeitsplatz ausgestellt werden, erfüllt Lehnick mit Stolz. Bereits mehrfach hat er Ausstellungen im Klinikum realisiert, zuletzt eine Fotoreihe aus dem OP. Ihm sei es wichtig, die Vielfalt des Krankenhauses sichtbar zu machen. Und was geschieht nach dem Ende der Ausstellung? „Vielleicht bekommt jede porträtierte Person ihr Bild geschenkt“, sagt Lehnick mit einem Augenzwinkern. Er jedenfalls würde sich darüber freuen.

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