Tempo 30 in Northenwird abgeschafft
Autofahrer halten sich nicht an das Tempolimit
auf den beiden Ortsdurchfahrten

Testphase: Mehr als ein Jahr galt auf der Hannoverschen Straße Tempo 30. Doch viele Autofahrer hielten sich nicht daran. Ab März gilt wieder Tempo 50.Foto: Heidi Rabenhorst
Gehrden/Northe. „Tempo 30 in Ortsdurchfahrten der Region Hannover“ heißt ein Modellprojekt, das vor anderthalb Jahren gestartet wurde. Auf 17 Kreisstraßen sind Geschwindigkeitsbegrenzungen eingeführt worden, auch auf der Hannoverschen Straße (K230) und der Großen Straße (K248) in Northen. Doch eine Zukunft wird es nicht geben. Die Einführung von Tempo 30 hatte im Gehrdener Ortsteil kaum einen Effekt.

Nach Auskunft von Regionssprecher Christoph Borschel waren auf der Großen Straße trotz Tempo 30 die Fahrzeuge nur um zwei bis drei Kilometer pro Stunde langsamer unterwegs als zuvor. „Auch auf der Hannoverschen Straße ist das Tempo nur moderat um fünf bis sieben Kilometer pro Stunde zurückgegangen“, sagt Borschel. Das sei deutlich weniger als im Durchschnitt des Projekts.

Das bestätigen auch Messungen der Stadt Gehrden. Vor Aufstellung der Verkehrszeichen betrug der sogenannte V85-Wert (Geschwindigkeit, welche von 85 Prozent der Verkehrsteilnehmenden eingehalten worden ist) im Bereich der Hannoverschen Straße 55 bis 57 Kilometer pro Stunde, in der Großen Straße 43 Kilometer pro Stunde. Nach Aufstellen der Tempo-30-Schilder sank der Wert in der Hannoverschen Straße geringfügig auf 51 bis 53 Kilometer pro Stunde und in der Großen Straße auf 40 bis 41 Kilometer pro Stunde.

Das Fazit: Die zulässige Geschwindigkeit von 30 Kilometern pro Stunde ist nicht eingehalten worden. „Die Beibehaltung der Regelung ist bei bestehender Rechtslage nicht begründbar“, sagt Borschel. Die Konsequenz: Das Tempolimit werde in Northen zum 1. März wieder aufgehoben.

Das sei frustrierend und speziell für die Anwohner enttäuschend, sagt Ortsbürgermeister Friedhelm Meier (SPD). Der Ortsrat in Northen hatte sich viele Jahre für eine Temporeduzierung auf den beiden Kreisstraßen eingesetzt.

Doch Meier macht deutlich: Kampflos wolle man die Entscheidung nicht hinnehmen. „Zunächst werden wir Sachverhaltsrecherche betreiben und dann im Ortsrat über weitere Schritte nachdenken“, betont er. Einige wesentliche Punkte seien nicht ausreichend berücksichtigt worden, insbesondere die Schulbushaltestelle Brennereiweg mit einem schmalen Bürgersteig, die an der Großen Straße liegt. „Das ist eine Gefahrenquelle für Kinder“, sagt Meier.

Gleiches gelte für die unübersichtliche Kreuzung Große Straße/Hannoversche Straße. Zumindest ein Ziel hat Meier: Nämlich, dass die Geschwindigkeit an den Bushaltestellen im Ort dauerhaft reduziert wird. Seine Kritik: Es sei zu wenig örtliche Expertise in den Modellversuch eingeflossen.

Gleichzeitig sei es erschreckend, dass sich offenbar zahlreiche Verkehrsteilnehmer nicht an das Tempolimit gehalten hätten. Sein Vorschlag: mehr Kontrollen oder bauliche Maßnahmen.

Unterstützung kommt von der Stadt. Sie setzt sich weiterhin für eine Geschwindigkeitsreduktion innerhalb der Ortsdurchfahrten ein. „Allerdings ist dies mit der bestehenden Rechtslage derzeit nicht umsetzbar“, sagt Frank Born, Sprecher der Stadt.

Das bedauert auch Meier. Er wünscht sich eine Modifizierung der Verkehrsordnung. Gemeinde und Städte müssten mehr Spielraum haben. „Es müsste ihnen erleichtert werden, Geschwindigkeitsbegrenzungen einzuführen“, findet Northens Ortsbürgermeister.

Auch die Region kritisiert die Rechtsgrundlage. „Uns ist daran gelegen, dass wir Tempo 30 in den meisten Kommunen beibehalten können, aber dafür benötigen wir zwingend die rechtlichen Rahmenbedingungen des Bundes“, sagt der Verkehrsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in Ortsdurchfahrten ist nach aktueller Straßenverkehrsordnung nur bei einer sogenannten qualifizierten oder einfachen Gefahrenlage möglich – also etwa dann, wenn sie an Schulen oder Kitas vorbeiführt.

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