Sogar eine Onlinepetition unter dem Titel „Die Tanne vor der Klosterkirche soll bleiben“ war von Einwohnern initiiert worden. Mehr als 500 Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde am Deister unterschrieben – und brachten die Klosterkammer zum Umdenken.
Die Einrichtung hatte eigentlich entschieden, die Tanne zu beseitigen. Der Baum war vermutlich vor etwa 15 Jahren von Unbekannten dort gepflanzt worden – ohne Rücksprache und auf einem Privatgrundstück. Aus Sicht der Klosterkammer passe der Baum nicht in die Optik des Ensembles. Doch das geplante Abholzen noch vor Weihnachten scheiterte. Es gab einen formalen Fehler bei der Beantragung der Genehmigung und eben die Proteste.
Jetzt gab es die Rolle rückwärts, und die Klosterkammer hat eingelenkt: Die Tanne bleibt erhalten. Treibende Kraft war die Argestorferin Heidrun Knust. Sie hatte sich in den vergangenen Wochen vehement für den Erhalt des Baums ausgesprochen und eingesetzt. Anfang Januar bat sie deshalb auch um ein Gespräch mit Klosterkammer-Präsidentin Dr. Thela Wernstedt.
Knusts großes Anliegen war es, die Tanne für die Wennigser Bürgerinnen und Bürger zu erhalten. Das Ergebnis ist für beide Seiten erfreulich. Heidrun Knust wird die Patenschaft für die Tanne übernehmen, und die Klosterkammer hat zugesagt, den Baum erst einmal nicht zu fällen. Wernstedt stellte klar: Sofern der Baum gesund bleibe und keine Gefahr für die Sicherheit darstelle, werde auch nichts passieren.
Bürgermeister Ingo Klokemann (SPD) lobte die Klosterkammer für diesen Entschluss. „Sie hat das Signal aufgenommen und auf die Stimmung der Bevölkerung reagiert“, sagte er. Es sei gut, die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger zu berücksichtigen.
Laut Knust gehört der Baum vor das Kloster. Er habe aus ihrer Sicht eine besondere Bedeutung. Unter anderem erinnerte sie an die Corona-Zeit, wo sich die Menschen auf dem Platz bei der Tanne zum Gottesdienst trafen. Darüber hinaus werde der Ort für Konzerte der Feuerwehr genutzt. „Es ist eine wundervolle Tanne vor der schönen Klosterkirche“, meinte Knust.
Knust wird künftig als Baumpatin agieren. Sie werde ein Auge auf die Tanne haben, sagte Knust. Unter anderem will sie darauf achten, ob der Baum gesund bleibt, die Standfestigkeit gegeben ist oder ob nach einem Sturm Schäden am Baum erkennbar sind. „Ich freue mich riesig, dass die Tanne stehen bleibt“, sagte Knust und dankte allen, die dazu beigetragen hätten.
Zu Baumpatin wurde sie nun ganz offiziell ernannt. Wernstedt überreicht Knust eine Partnerschaftsurkunde – und dazu einige silberfarbene Christbaumkugeln und ein Vogelhäuschen. Es ist gut möglich, dass dafür bald ein exponierter Platz gefunden wird.
Wernstedt gab zu, dass sie über die Protestwelle erstaunt gewesen sei. Jetzt habe man aber eine gute Lösung gefunden. Die Klosterkammer wollte wegen der Tanne nicht das gute Verhältnis zu den Wennigserinnen und Wennigser belasten. „Wir sind froh, diesen gemeinsamen Weg gefunden zu haben“, sagte die Klosterkammer-Präsidentin.