Mitreden leichter gemacht
Mit der Internetplattform „Go Vocal“ will die Stadt Ronnenberg
den Bürgerinnen und Bürgern mehr Beteiligung ermöglichen

Neue Beteiligungsform: Anders als beim Spielplatz Goldfeld im Ortsteil Ronnenberg könnten Bürgerinnen und Bürger künftig bei kommunalen Projekten auf der Plattform „Go Vocal“ online mitreden.Foto: Ingo Rodriguez (Archiv)
Ronnenberg. Es ist eines der zentralen Ergebnisse einer Imageanalyse gewesen: Gemeinsam mit der Ostfalia Universität Dortmund hatte die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr ermittelt, welches Bild die Bürger von ihrer Stadt haben. Viele wünschten sich dabei mehr Beteiligungsmöglichkeiten an politischen und anderen Entscheidungsprozessen. Dem ist die Verwaltung jetzt nachgekommen. Mithilfe des digitalen Beteiligungstools „Go Vocal“ sollen die Ronnenbergerinnen und Ronnenberger künftig „niedrigschwellig, transparent und nachvollziehbar“ an Entscheidungsprozessen teilhaben und dabei ihre Ideen einbringen können.

Bürgermeister Marlo Kratzke (SPD) ist von den Erfolgsmöglichkeiten von „Go Vocal“ überzeugt: „Das ist eine gute Sache, wenn wir die Menschen mitnehmen“, sagte er. Beim Kauf der Lizenz drückte das Rathaus aufs Gaspedal, da der Anbieter aus Soltau bis zum Jahreswechsel einen Rabatt von 3000 Euro einräumte – so blieben der Stadt noch geschätzte Kosten in Höhe von rund 9500 Euro. Während der Vorstellung im Rat der Stadt musste sich Kratzke der kritischen Frage der CDU-Fraktion stellen, welche personellen Ressourcen „Go Vocal“ in Anspruch nehmen werde. Kratzke äußerte die Erwartung, dass die zusätzlichen Tätigkeiten im Rathaus durch Einsparungen aufgrund von digitalen Verbesserungen ausgeglichen werden können. „Ich gehe nicht davon aus, dass zusätzliche Stellen notwendig werden“, sagte er.

Die Umsetzung sieht Kratzke beim Büro des Bürgermeisters, das auch das Stadtmarketing verantwortet. Dort liegen ohnehin die Bereiche Bürgerdialog, Öffentlichkeitsarbeit und Stadtimage. Die konkrete Themenauswahl und fachliche Ausgestaltung der Beteiligungen sollen in Zusammenarbeit mit den jeweils zuständigen Facheinheiten erfolgen.

Kratzke nennt ein Beispiel: So könnten bei der Planung des neuen Bürgerparks im Bereich Empelde-Mitte die ausgearbeiteten Planungsentwürfe bei „Go Vocal“ eingestellt werden. Die Bürger könnten dann auf der Plattform über den besten Vorschlag abstimmen. Genauso, wie „Go Vocal“ individuell auf die Bedürfnisse der Stadt zugeschnitten werden soll, kann sich jeder Ronnenberger dort einen eigenen Account einrichten, berichtet Kratzke von der Anwendung.

Im laufenden Jahr soll eine Pilotphase mit ersten Beteiligungsprojekten gestartet werden. Als Vorteil sieht der Bürgermeister die ortsunabhängige Beteiligungsmöglichkeit über das Internet. Die Nutzung von „Go Vocal“ soll schon in frühen Phasen von Projekten möglich sein und Entscheidungen auf diese Weise nachvollziehbarer machen.

So soll „die Beteiligung ein sichtbarer Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürgerschaft“ werden, so der Wunsch der Verwaltung. „Beteiligung soll als fester Bestandteil kommunaler Entscheidungsprozesse verankert werden und die Verwaltung als offene, ansprechbare und moderne Organisation sichtbar machen“, heißt es in der Informationsvorlage für den Rat der Stadt.

Und auch der Erfolg von „Go Vocal“ soll mithilfe der Funktionen des Tools einfacher messbar werden. So könne die Erfolgskontrolle über einfache Kennzahlen wie die Anzahl der Beteiligungen/Projekte, die Teilnehmendenzahlen oder das Feedback auf der Plattform beurteilt werden.

Indes wird „Go Vocal“ bisherige Beteiligungsformate wie Workshops und Infoveranstaltungen sicher nicht komplett ersetzen können. Vor allem, wenn es um die Gestaltung von Spielplätzen oder Einrichtungen für Senioren geht, müssen diese nicht komplett mit dem Internet vertrauten Bevölkerungsgruppen weiterhin auf andere Weise „abgeholt“ werden.

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