Die seit 1994 geltenden Richtlinien des Sportrings Barsinghausen (SRB) für die jährliche Sportlerehrung haben erstmals dazu geführt, dass die rund 40 Barsinghäuser Vereine nur 14 Vorschläge für herausragende sportliche Leistungen aus ihren Reihen melden konnten. Die Voraussetzungen für eine Qualifikation richten sich nach der Ranghöhe des Wettkampfes. „Bei einer Kreismeisterschaft muss man gewonnen haben“, gibt Martin Wildhagen aus dem Vorstand des SRB ein Beispiel. Bei einer Weltmeisterschaft reiche die Qualifikation zur Teilnahme aus.
Vor Corona habe die Zahl der Meldungen zwischen 50 und 60 gelegen, nach Corona seien die Zahlen auf 20 bis 30 zurückgegangen. Wildhagen vermutet zwei Gründe, weshalb die Zahl der Meldungen weiter schrumpfte. Einmal könnte das vergangene Jahr sportlich gesehen nicht so erfolgreich gewesen sein. Zuvor hätte man Olympia- und Weltmeisterschaftsteilnehmende unter den Barsinghäuser Sportlern gehabt. Zum anderen beobachtet er einen Trend in der Gesellschaft, der Leistungssport, Medaillen und Siege weniger wichtig nimmt. „Vielleicht ist allgemein der Trend: Sport ja, Wettkampf nein“, meint er. Der Fokus der Vereine liege inzwischen mehr beim Breitensport und es werde seltener an Wettkampfveranstaltungen teilgenommen.
Bisher gab es Ehrungen in den sechs Kategorien weiblich, männlich und Mannschaft, jeweils eine für Erwachsene und eine für die Jugend. Um eine Auswahl zu ermöglichen, hätten für jede Kategorie mehr als ein Vorschlag eingehen müssen. Es seien jedoch allein sechs für die Kategorie „Mannschaft“ bei den Erwachsenen eingegangen. Bei den Jugendlichen sei hingegen kein einziger für ein Mädchen eingegangen.
Im Namen des Sportrings ließ Finanzvorstand Martin Wildhagen nun mitteilen, dass die Ehrung dieses Mal in kleinerem Rahmen stattfinden werde. Die Entscheidung, wer Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres 2025 werde, würde der Vorstand fällen. Das sonst übliche Online-Voting, bei dem 2023 noch 12.000 Menschen mitmachten, entfällt. Die Nominierungen würden Anfang März bekannt gegeben. „Es wird, wie in den Vorjahren, Preise, Medaillen und Urkunden geben“, beruhigt Wildhagen. Die Preise hätten wieder einen Gesamtwert von rund 2500 Euro.
Gespart werde am Rahmenprogramm. Die Ehrungsveranstaltung sei nun am Vormittag des 11. April im Sporthotel Fuchsbachtal geplant. Hierzu würden nicht, wie zuvor üblich, alle Ratsvertreter eingeladen. Auch sollen nur diejenigen Vereine dabei sein, die einen Vorschlag einreichen konnten. Die Zahl der Teilnehmenden reduziere sich dadurch von 120 bis 150 Personen auf 30 bis 40. Verzichtet werde auch auf das musikalische Beiprogramm sowie auf einen professionellen Moderator. „Das übernehmen wir selbst“, erläutert er.
Sein Vorstandskollege und erster Vorsitzender des VSV Hohenbostel, Uwe Ingenhaag, vermutet die gleichen Motive für den Rückgang der Vorschläge für die Sportlerehrung wie Wildhagen. Er will nun gemeinsam mit Vereinsvertretern eine Arbeitsgruppe bilden, um der Frage nachzugehen, ob die Sportlerehrung in der bisherigen Form noch Sinn hat. Ingenhaag möchte weg von dem „knallharten Leistungskriterium“ zu anderen Bereichen, wo Menschen etwas erreicht haben. „Vielleicht eine Mischung aus leistungsbezogenen Kriterien und sozialen Komponenten“, überlegt er.
Nach seiner Beobachtung seien in den vergangenen Jahren immer dieselben Vereine in denselben Sportarten geehrt worden. Viele Bereiche seien außen vor geblieben. Als Beispiel nennt er die Judo-Sparten. Diese seien sehr erfolgreich, erfüllten aber bisher nicht die Kriterien für eine Ehrung. „Wir müssen das Ganze anders definieren, da muss eine andere Matrix drüber“, so Ingenhaag.
Manja von Hugo, Pressesprecherin des TSV Groß Munzel, berichtet, dass ihr Verein ebenso wie der VSV Hohenbostel keinen Vorschlag einreichen konnte. Die Zahl der Wettkämpfe werde weniger, weil die Kosten gestiegen seien und die Organisation sehr aufwendig sei. Zudem stünden immer weniger Ehrenamtliche zur Verfügung. „Sportlicher Erfolg ist ja nicht nur, oben auf dem Treppchen zu stehen“, so von Hugo. Sie schlägt vor, dass auch die Anzahl an Wettkampfsteilnahmen gewertet wird oder wenn eine herausragende Leistungssteigerung errungen wurde.