„Die Weichen sind gestellt“
Nach 30 Jahren an der Spitze der Feuerwehr Ronnenberggibt Ortsbrandmeister Andreas Keese das Amt an Maximilian Lüerßen weiter

Staffelübergabe: Andreas Keese (links) mit seinem Nachfolger als Ortsbrandmeister, Maximilian Lüerßen.Foto: Tyler Dombeck/Feuerwehr Ronnenberg
Ronnenberg. Trotz aller Herausforderungen der vergangenen Jahrzehnte überwiegt am Ende das gute Gefühl, die Feuerwehr auf einem stabilen Fundament zu übergeben. „Die Weichen sind gestellt“, sagt Andreas Keese. Seit nunmehr 30 Jahren steht er als Ortsbrandmeister an der Spitze der Ortsfeuerwehr Ronnenberg. Am 18. Juni endet seine Amtszeit. Und so wie seine Familie in die Feuerwehr hineingewachsen ist, ist die Feuerwehr seine Familie – und wird das auch bleiben.

Keese ist ein bodenständiger Mensch: Er wurde am 15. Oktober 1963 zwar in der Landesfrauenklinik in Hannover geboren, wuchs jedoch von Beginn an in Ronnenberg auf. „Ich bin ein alter Ronnenberger, ich war nie woanders“, sagt er über sich selbst. Schule, Familie, Beruf und Ehrenamt: Keese blieb seinem Heimatort stets treu. Noch heute wohnt er in seinem Elternhaus.

Nach der Schulzeit begann Keese 1980 seine berufliche Laufbahn mit einer Ausbildung zum Fernmeldetechniker bei der Siemens AG. Auch dem Beruf blieb er über die Jahrzehnte treu. Trotz zahlreicher Umstrukturierungen arbeitete er bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres stets im gleichen Tätigkeitsfeld. Seit dem 1. Januar befindet er sich nach 45 Berufsjahren im Vorruhestand.

Auch privat ist Ronnenberg der Mittelpunkt seines Lebens. Seine Ehefrau Susanne lernte Keese bereits zur Konfirmandenzeit kennen, geheiratet wurde 1988. Das Paar hat zwei Kinder, Nicole und Marcel, die in direkter Nähe wohnen und sich aktiv in der Ortsfeuerwehr engagieren. Nicole Meier-Böke ist Schriftführerin, Marcel Keese Gerätewart. „Die Kinder sind mit der Feuerwehr aufgewachsen“, sagt ihr Vater.

Die Feuerwehr prägt Keeses Leben schon deutlich länger. Bereits als Kind war er in deren Umfeld unterwegs – sein Vater war damals Ortsbrandmeister und übte dieses Amt ebenfalls 30 Jahre lang aus. 1973 trat Keese in die Jugendfeuerwehr ein, 1979 folgte der Wechsel in die Einsatzabteilung. Feuerwehr sei immer sein Ding gewesen. „Ich wollte immer Bauer und Feuerwehrmann werden“, verrät er schmunzelnd.

Das Ende der Amtszeit ist wohlüberlegt gewählt. Zwar hätte Keese noch eine weitere halbe Amtsperiode übernehmen können, doch er entschied sich bewusst für einen klaren Schnitt. Bereits vor zwei Jahren hatte er angekündigt, nicht erneut zur Wahl zu stehen, um einen geordneten Übergang zu ermöglichen.

Mit dem ehemaligen Jugendfeuerwehrwart Maximilian Lüerßen übernimmt ein erfahrener Nachfolger das Amt, unterstützt vom weiterhin amtierenden stellvertretenden Ortsbrandmeister Markus Gust. Auch künftig will Keese der Feuerwehr als aktives Mitglied und Ansprechpartner verbunden bleiben und später, mit dem Erreichen der Altersgrenze von 67 Jahren, in die Altersabteilung wechseln.

Im Laufe der Jahrzehnte habe sich die Feuerwehrarbeit grundlegend verändert, erzählt er. Während früher Protokolle per Schreibmaschine erstellt wurden, bestimmen heute digitale Verwaltungsprogramme den Alltag. Lehrgänge, Einsatzdaten und Statistiken müssen dokumentiert und ausgewertet werden. Der Verwaltungsaufwand sei enorm gestiegen.

Inhaltlich zieht Keese eine positive Bilanz. Als einen der größten Erfolge bezeichnet er die konsequente Erneuerung des Fuhrparks der Ortsfeuerwehr. Sämtliche Einsatzfahrzeuge wurden während seiner Amtszeit einmal vollständig ersetzt, aktuell befinden sich drei weitere Fahrzeuge in der Beschaffung. Das Investitionsvolumen liegt bei rund 1,1 Millionen Euro.

Nicht vollständig abgeschlossen ist hingegen das Thema Feuerwehrgerätehaus. Zwar wurden neue Umkleideräume an das bestehende Gebäude angebaut, doch die räumliche Situation bleibt angespannt. Umso zufriedener ist Keese mit der Ankündigung der Stadt, ab 2030 ein neues Feuerwehrgerätehaus auf dem Festplatz an der Empelder Straße errichten zu wollen.

Auch personell sieht er die Ronnenberger Feuerwehr gut aufgestellt. Derzeit gehören ihr 64 aktive Mitglieder an, darunter um die zehn Frauen. Die Jugendfeuerwehr mit 30 Mädchen und Jungen ist seit Jahren voll ausgelastet, im März wird zusätzlich eine Kinderfeuerwehr gegründet.

Zu den gefährlichsten Einsätzen von Keeses Amtszeit zählt ein Brand 2006 am Ronnenberger Hof, als das frühere Hotel Eckel brannte. In den Räumen wurden mit Benzin gefüllte Kanister gefunden – Brandstiftung. Verletzt wurde niemand. „Wir haben uns mitten im Gefahrenbereich bewegt, im Nachhinein hatten wir großes Glück“, sagt Keese.

Prägend gewesen seien auch schwere Verkehrsunfälle auf der B217, der Brand im eigenen Feuerwehrgerätehaus sowie das Zugunglück in Empelde 1985. Zwei Güterzüge mit brennbaren Flüssigkeiten und Kohle waren damals kollidiert, meterhohe Stichflammen standen über der Unglücksstelle. „Wären die Tankwagen seitlich geborsten, hätte es viele Tote geben können“, erinnert sich Keese. Dass kein Menschenleben verloren ging, grenzt für ihn bis heute an ein Wunder.

Für sein jahrzehntelanges Engagement erhielt Keese zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt 2023 die Hochwasser-Ehrennadel des Landes Niedersachsen.

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