Für null Euro – Gehrdens altes Brauhaus wechselt den Besitzer
Denkmal und Stadtmuseum: Eigentümer überträgt die Immobilie aus dem 17. Jahrhundertan die Bürgerstiftung. Die Sanierung wird teuer – und auch lange dauern.

Das drittälteste Gebäude in Gehrden: Das heutige Stadtmuseum wurde 1665 nach einem Brand als Brau- und Wohnhaus neu errichtet. Seit 1975 wird dort auf zwei Etagen eine umfangreiche Dauerausstellung gezeigt.Foto: Ingo Rodriguez
Gehrden. Es sei das größte Projekt in der noch jungen Geschichte der Bürgerstiftung Gehrden, sagt Wolfgang Middelberg. Und dabei klingt durchaus eine gewisse Vorfreude mit. Die Vorfreude darauf, das um 1665 gebaute Gebäude an der Dammstraße, das einst als Brauerei genutzt worden ist, zu modernisieren. Die Bürgerstiftung hat das Haus übernommen – für null Euro.

„Es ist eine spannende Geschichte“, sagt Middelberg. Ein Barsinghäuser Büro sei aktuell damit beschäftigt, ein Sanierungs- und Nutzungskonzept zu erstellen. Ende Mai soll das vorliegen.

Die Idee, die alte Brauerei und das dort beheimatete Stadtmuseum zu sichern, hat Middelberg schon länger. „Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir das Haus auch übernehmen“, sagt er. Intention sei gewesen, das historische und denkmalgeschützte Gebäude zu erhalten. Doch aus einem Kontakt wurde schließlich mehr. Für den gegenwärtigen Eigentümer komme die nötige und umfassende Sanierung aus wirtschaftlichen Gründen nicht infrage.

Die Bürgerstiftung, vor drei Jahren gegründet, ließ ein Gutachten erstellen. Der dort errechnete Wert des Hauses sei ins Stiftungsvermögen übernommen worden. „Wir haben es quasi geschenkt bekommen“, sagt Middelberg. Oder wie es formal heißt: Das Haus ist der Bürgerstiftung zugestiftet worden.

Es wird Geld nötig sein, um das Haus zu sanieren. „Unser Vorteil ist, dass wir Zeit haben“, so Middelberg. Schließlich habe die Bürgerstiftung keine wirtschaftlichen Interessen. Mit etwa 750.000 Euro seien die Kosten für die Modernisierung veranschlagt worden. Middelberg ist aber ehrlich: „Das wird nicht reichen.“

Die Mängelliste ist lang. Vom Dach bis zum ehemaligen Bierkeller müsse alles erneuert werden, in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz. Die alte Brauerei ist ein Einzeldenkmal. „Alte Stilelemente müssen erhalten bleiben, oder sogar wiederhergestellt werden“, berichtet Middelberg.

Ziel sei es, in dem Haus ein modernes Museum einzurichten. Davon ist es momentan weit entfernt. Wegen Brandschutzauflagen dürfen sich nur sieben Besucherinnen und Besucher gleichzeitig in dem Haus aufhalten. Es fehlt ein zweiter Rettungsweg.

Das Gebäude ist zudem nicht behindertengerecht. Und die Sanitäranlagen entsprechen bei weitem nicht mehr den heutigen Standards; es gibt nur eine Toilette im Haus.

„So kann man heutzutage kein Museum betreiben”, meint Middelberg. Er stellt aber auch klar: Die Umgestaltung der Ausstellung sei ein Extrapart. „Wir kümmern uns nur um das Gebäude“, betont er. Und: Der ungenutzte Bierkeller soll so hergerichtet werden, dass dort Veranstaltungen stattfinden können. Middelberg schwebt eine Art Jazzclub vor. Fünf bis zehn Jahre werde es wohl dauern, bis aus den Plänen auch Realität geworden sei.

Aktuell wird der Museumsbetrieb vom Heimatbund betreut, die Stadt ist Mieterin der Räume. Letzteres ist für die Bürgerstiftung nicht unerheblich. Sie hat dadurch eine sichere Einnahmequelle. „Ansonsten hoffen wir auf Fördermittel und Spenden“, sagt Middelberg. Die Finanzierung für das Sanierungskonzept steht. Inzwischen wurde eine Projektgruppe gebildet. Sie soll schauen, wo es Geld für die Pläne geben könnte – unter anderem könnte die Modernisierung von einer Leader-Förderung profitieren. Eine Unterstützung hat die Bürgerstiftung bereits. Es ist eine Gemeinschaftsaktion mit der Germerott-Stiftung.

Einst war das Gebäude eine Brauerei. Es ist das drittälteste erhaltene Haus der Stadt. Seit 1975 wird dort auf zwei Etagen eine umfangreiche Dauerausstellung gezeigt – mit Exponaten aus den Bereichen Urgeschichte sowie aus der Historie der Ortschaften, der Vereine, der Feuerwehr und des Handwerks.

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