In Gehrden lernen alle Grundschulkinder ganztags
Kooperation mit der AWO: Ab August werden Jungen und Mädchender Klassen eins bis vier bis 15.30 Uhr betreut

Eine Spiele-AG am Nachmittag – warum nicht? Gehrdener Grundschulen wollen ihren Kindern ab August ein möglichst breit gefächertes Angebot machen.Foto: Dirk Wirausky
Gehrden. Ab 1. August 2026 haben Eltern von Erstklässlern gesetzlichen Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung für ihr Kind. Die Stadt Gehrden bereitet sich mit großen Schritten auf die Rechtslage vor und geht einen Schritt weiter, als es das Gesetz verlangt: In Gehrden werden alle Grundschulkinder bis zum frühen Nachmittag betreut.

„Wir möchten die Nachmittagsbetreuung auf die gesamte Grundschule ausweiten“, sagte Bürgermeister Malte Losert (parteilos). Auch, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu gewährleisten. Möglich geworden ist das auch durch eine Kooperation.

Als Unterstützung hat Gehrden die Arbeiterwohlfahrt (Awo) mit ins Boot geholt. Aus gutem Grund: Die Awo ist bereits in zahlreichen Schulen in Hannover Kooperationspartner für den Ganztagsbereich; künftig kommt Gehrden dazu. „Wir wollen den Ganztagsbereich gemeinsam gestalten und organisieren“, sagte Losert bei der Vertragsunterzeichnung im Herbst.

Stefanie Diemert, Leiterin der Grundschule Am Langen Feld, hatte bei dem Treffen im Oktober ausdrücklich begrüßt, dass alle Grundschülerinnen und -schüler in den Ganztag gehen könnten. „Das ist wichtig für Familien mit mehreren Kindern“, sagte sie. Aktuell treten die beiden Grundschulen in die heiße Vorbereitungsphase ein. Nina von Zimmermann spricht von einem guten Austausch mit der Awo. Kürzlich habe sie gemeinsam mit Diemert an einer Grundschule hospitiert, mit der die Awo bereits kooperiert. „Ich habe einen guten Eindruck bekommen und habe ein gutes Gefühl“, sagt von Zimmermann.

Kürzlich wurde das Interesse bei Eltern abgefragt. Das Ergebnis: Gut 75 Prozent wollen ihr Kind in die Ganztagsbetreuung geben. Laut von Zimmermann sei das ein guter Wert. Im nächsten Schuljahr werden in Gehrden etwa 600 Grundschulkinder unterrichtet. Endgültig festlegen müssen sich die Eltern im Mai. Dann wird auch zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Dort wird das Konzept detailliert vorgestellt.

Die beiden Grundschulen werden bei der Ganztagsbetreuung im Gleichklang agieren. Lediglich inhaltliche Unterschiede wird es geben. Am Nachmittag werden sowohl Lehrkräfte als auch externe Mitarbeiter die Jungen und Mädchen betreuen. Zahlreiche Vereine aus Sport, Musik, Kultur oder Naturschutz sind angeschrieben worden, ob sie Interesse daran hätten, ein Angebot zu machen. „Wir möchten den Kindern ein möglichst breites Portfolio anbieten“, sagt von Zimmermann.

Fest steht: Ab 7.30 Uhr können die Grundschulkinder im nächsten Schuljahr in die Schule kommen; bis 15.30 Uhr dauert die Betreuung. Der Unterricht ist bis zum Mittag für die Schülerinnen und Schüler verpflichtend. Das Mittagessen und die Nachmittagsangebote können dagegen freiwillig besucht werden. Durch eine strukturierte Tagesgestaltung mit gemeinsamen Mittagessen, Lernzeiten und Freizeitaktivitäten soll eine Umgebung geschaffen werden, in der jedes Kind sich entfalten, ausprobieren und wachsen kann.

Das Angebot findet Montag bis Freitag statt. Vor Beginn jedes Schuljahres können alle Familien flexibel entscheiden, an welchen Tagen ihr Kind am offenen Ganztagsangebot teilnehmen soll. Von Zimmermann gibt zu: Es sei viel Arbeit, „aber wir freuen uns“. Es sei toll, Kindern etwas anbieten zu können, auf das sie Lust haben.

Hintergrund: Ab dem Schuljahr 2026/2027 haben Kinder der ersten Klasse Anspruch auf eine Betreuung in der Ganztagsgrundschule, ab dem Schuljahr 2029/2030 gilt der Anspruch mit entsprechendem Durchlauf für alle Schülerinnen und Schüler der ersten bis vierten Klasse. Die Stadt Gehrden setzt das aber sofort um. Sie kalkuliert mit jährlichen Kosten von 1,3 Millionen Euro für den Ganztagsbetrieb.

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