Erbschaft stiftet mehr Mobilität
Mit dem Kauf eines Seniorenbusses will es die Stadt Ronnenberg älteren Menschen ermöglichen, am sozialen Leben der Stadt teilzunehmen.

Viel Platz: Die Teilnehmerinnen der Gruppe Gedächnistraining lassen sich von Birgit Sommerfeld (links) und Marlo Kratzke den neuen Seniorenbus vorführen.Foto: Uwe Kranz
Ronnenberg. Mit der Anschaffung eines Seniorenbusses hat die Stadt Ronnenberg jetzt für ältere Bürgerinnen und Bürger eine Möglichkeit geschaffen, sicher an Veranstaltungen teilzunehmen.

Zielgruppe sind vor allem Seniorinnen und Senioren in den kleineren Stadtteilen, denen es zu beschwerlich oder zu gefährlich erscheint, den öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu nutzen.

Gemeinsam mit Birgit Sommerfeld, Leiterin des Teams Soziale Dienste im Rathaus, hat Bürgermeister Marlo Kratzke (SPD) den Bus exemplarisch Teilnehmerinnen der Gruppe Gedächtnistraining vorgeführt.

Eine Gefahr für ältere Menschen, vornehmlich mit Bewegungseinschränkungen, benennt eine Teilnehmerin des Kurses auf den Punkt: Es komme nicht selten vor, dass Busfahrer schon kurz nach dem Einsteigen wieder anfahren, berichtet sie. „Ein älterer Herr musste von zwei Personen aufgefangen werden“, berichtet sie ihre jüngste Beobachtung. „Sonst hätte er im Bus gelegen.“ Damit ältere Menschen, die solche Erlebnisse scheuen, trotzdem am öffentlichen Leben teilnehmen können, bietet sich die Nutzung des neuen Busses an.

Bürgermeister Marlo Kratzke hält den siebensitzigen VW-Bus für „eine sehr gute Ergänzung zum bestehenden Angebot“. Gesucht habe die Verwaltung für die Realisierung nach einer Lösung, die möglichst nicht den Haushalt der Stadt belastet, erzählt er. Die Stadt profitiert vielmehr vom Nachlass eines im Jahr 2011 gestorbenen Ronnenberger Ehepaars. Mit dem Erbe in Höhe von 300.000 Euro hatte die Stadt 2014 eine Stiftung eingerichtet, das Geld seither aber nicht angerührt. Im Sinne der Erblasser sollte das Kapital für die Seniorenarbeit, nicht aber für laufende Kosten verwendet werden. „Wir wollten etwas Sichtbares schaffen“, sagt Kratzke.

Geplant ist, nach den Anschaffungskosten in Höhe von rund 50.000 Euro auch die jährlichen Betriebskosten in Höhe von rund 2500 Euro mit dem Geld der Stiftung zu finanzieren. Erste Einsätze hatte der neue Bus bereits im Dezember bei den Seniorenweihnachtsfeiern der Stadt, an denen auch die Erblasser zu Lebzeiten bereits mit großer Freude teilgenommen hatten.

Der Einsatzbereich des Seniorenbusses beschränkt sich bislang auf einen ähnlich gearteten Fahrdienst zu städtischen Veranstaltungen und anderen Angeboten, wie Sommerfeld betont. Einen individuellen Aufrufservice - ähnlich dem Sprinti der Üstra - könne die Stadt hingegen nicht anbieten, sagt sie. Gesteuert wird das Fahrzeug bislang nämlich von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stadt. Sommerfeld hofft, ehrenamtliche Fahrer begeistern zu können. „Wir haben schon Personen im Auge.“

Mit dieser freiwilligen Unterstützung soll dann ab Frühjahr 2026 ein zusätzlicher Service möglich werden: Zweimal pro Woche soll der Seniorenbus die kleineren Ortsteile anfahren und dort ältere Menschen abholen, die in Ronnenberg oder Empelde Einkaufen wollen oder Erledigungen machen müssen. Später soll dann der gemeinschaftliche Rücktransport erfolgen. Der Bus könne dabei im Wechsel die südlichen Ortsteile und Benthe ansteuern. Einzelheiten von Sommerfelds Plan müssten noch geklärt werden.

Die Teilnehmerinnen der Gruppe Gedächtnistraining dürfen indes auch gleich im neuen Seniorenbus probesitzen. „Das ist aber schön zum Einsteigen“, stellt eine der Damen anhand der eigens angebauten Einstiegshilfe plus zusätzlichem Haltegriff fest – und genug Platz für den Rollator ist bei Bedarf auch vorhanden.

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