Geburtsklinik in Gehrdenwird ausgezeichnet
In Gehrden gibt es von Hebammen geleitete Kreißsäle –in Niedersachsen ist das eine Ausnahme

Große Freude über die Auszeichnung: Staatssekretärin Christine Arbogast übergibt das Zertifikat an die leitende Hebamme Anja Nasarek.Foto: KRH
Gehrden. Der Kreißsaal am KRH Klinikum Robert Koch Gehrden ist offiziell als HKS+-zertifizierter Hebammenkreißsaal ausgezeichnet worden. Die Zertifizierung des Deutschen Hebammenverbands (DHV) bestätigt, dass der Kreißsaal die bundesweit einheitlichen Qualitätsstandards für durch Hebammen geführte Kreißsäle erfüllt. In Niedersachsen gab es bisher nur eine derartig zertifizierte Einrichtung.

Prof. Dr. Jochen Wedemeyer musste sich erst einmal ein wenig orientieren. Selten hätte er den Hörsaal im Klinikum so voll gesehen. Ein Beweis für die Bedeutung, die die Geburtsklinik im Haus habe.

Die Zertifizierung gebe Sicherheit für die Gebärenden und Hebammen, sagte der Ärztliche Direktor. Die jüngsten Gerüchte, wonach es Überlegungen gebe, kleine Geburtskliniken wie die in Gehrden zu schließen, bezeichnete er als Nonsens. Insofern trage die Auszeichnung auch zur Beruhigung bei.

Diese Zertifizierung sei erst durch das große Engagement und die fachliche Kompetenz des Teams möglich geworden, sagte Anja Nasarek, leitende Hebamme im Kreißsaal. „Wir geben jeden Tag aufs Neue unser Bestes“, betonte sie. Gleichzeitig machte sie deutlich: „Wir richten uns nach den Bedürfnissen der Frauen, die gerade eine Schwangerschaft haben.“ Die Sicherheit der Schwangeren stehe im Mittelpunkt.

Lob gab es auch von höchster Stelle. „Der Hebammenkreißsaal in Gehrden zeigt beispielhaft, wie moderne Geburtshilfe in Niedersachsen umgesetzt werden kann“, sagt Christine Arbogast, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung. Als zweite zertifizierte Einrichtung dieser Art im Land habe der Standort eine besondere Vorbildfunktion.

Arbogast erinnerte auch daran, dass der Wunsch nach einer selbstbestimmten Geburt zunehme. „Gleichzeitig ist aber auch ein Sicherheitsbedürfnis da“, sagte sie. In Gehrden stimme die intensive Betreuung von der Schwangerschaft über die Geburt bis hin zum Wochenbett. „Hier schaffen die Hebammen einen geschützten Raum in einer Atmosphäre des Vertrauens und der Unterstützung“, sagte sie. Eine natürliche Geburt und Klinikgeburt würden in Gehrden zusammenpassen.

Die Zertifizierung bescheinigt, dass das Betreuungskonzept „Hebammenkreißsaal“ am Klinikum Robert Koch als spezialisiertes, hebammengeleitetes Versorgungsmodell innerhalb des bestehenden interdisziplinären Kreißsaals arbeitet. Das Modell garantiere klare Strukturen, definierte Zuständigkeiten und ein etabliertes klinisches Risikomanagement, wodurch eine sichere, evidenzbasierte und kontinuierliche Betreuung von Frauen während Schwangerschaft und Geburt gewährleistet werde, heißt es.

Frauen, die sich für dieses Modell entscheiden, würden von einer engen Betreuung durch Hebammen profitieren, während ärztliche Expertise jederzeit verfügbar sei. Die Übergabe des Zertifikats unterstreicht das Engagement des Krankenhauses für eine qualitätsgesicherte, familienorientierte und fachlich innovative Geburtshilfe, die Sicherheit, Individualität und Qualität fördert und gleichzeitig die Bindung und Weiterentwicklung des Hebammenteams stärkt.

Den Hebammenkreißsaal in Gehrden gibt es seit 2009. Die Betreuung der Schwangeren liegt dabei primär in der Verantwortung der Hebammen. Ärztliche Unterstützung steht dabei jederzeit zur Verfügung, sollte es nötig werden. Der Kreißsaal verfügt über drei Geburtsräume, eine Gebärbadewanne sowie vier Betten für die Betreuung vor und nach der Geburt. 2025 wurden in Gehrden 949 Babys geboren. Insgesamt arbeiten 22 Hebammen im Kreißsaal.

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