Wennigsen als Vorreiter in der Seniorenarbeit
Gemeinde stellt als einzige Kommune in der Region einen Zuschussantragund will die Altenplanung neu aufstellen

Wennigsen erster Seniorenbeirat: Ruth Dienst (von links), Monika Mainka, Detlef Mainka, Monika Zuknik, Jörg Albrecht, Karl Bialek, Renate Grube, Ira Thorsting. Es fehlt Albrecht Zimmermann.Foto: Gemeinde Wennigsen
Wennigsen. Der demografische Wandel zeigt sich hier besonders deutlich: Wennigsen ist regionsweit Spitzenreiter mit dem höchsten Einwohneranteil an Menschen, die älter als 65 Jahre sind, in Kombination mit dem zweitniedrigsten Anteil der Gruppe der 15- bis 64-Jährigen. Laut Prognosen der Region Hannover könnte der Anteil der 65- bis 74-Jährigen bis 2034 um 20 Prozent wachsen. Die Zahl der über 85-Jährigen würde im selben Zeitraum sogar um mehr als 20 Prozent steigen. Das erfordert eine vorausschauende Seniorenpolitik für Wennigsen.

Doch in einem Workshop der Region mit den Städten und Gemeinden im Herbst 2023 wurde deutlich, dass eine strukturierte sogenannte Altenplanung in vielen Kommunen bislang nicht existiert. Die Region beschloss daraufhin mit den Umlandkommunen eine Planung für die älteren Generationen aufzubauen. Im Regionshaushalt 2025 wurden dafür insgesamt 95.000 Euro bereitgestellt. Wennigsen stellte erfolgreich einen Förderantrag über 10.000 Euro. „Die Haushaltsmittel waren für das Jahr 2025 verfügbar und sind aktuell – angesichts der angespannten Haushaltslage – nicht im Haushalt 2026 vorgesehen. Die Stadt Wennigsen ist die einzige Kommune, die einen Förderantrag stellen konnte“, teilte Regionssprecherin Sonja Wendt auf Anfrage dieser Redaktion mit.

Die bewilligten 10.000 Euro können für die Themen Wohnen, Nahversorgung, Mobilität, gesellschaftliche Teilhabe sowie Gesundheitsversorgung und Pflege eingesetzt werden. Ergänzt werden sie um drei übergreifende Themen: Kultursensibilität, Digitalisierung und Finanzierung. Überdies unterstützt die Region das Vorhaben durch fachliche Beratung. Zu den Kernelementen gehört das Erheben von Daten. Ergänzend dazu sind Veranstaltungen vorgesehen, bei denen Bürgerinnen und Bürger ihre Erfahrungen und Anregungen einbringen können.

Mit dem Konzept wurde im Oktober 2025 begonnen. Ab Mitte 2026 wird laut Gemeinde die sogenannte partizipative Umsetzungsphase starten. Es soll mehrere Netzwerkveranstaltungen geben, bei denen sich Akteure aus der Gemeinde, aus dem Bereich der Pflege, Seniorenvertretungen, Ehrenamtliche und Mitglieder aus anderen relevanten Bereichen der über 60-Jährigen zu den genannten fünf Themengebieten austauschen und vernetzen.

Im Anschluss werden Arbeitsgruppen gebildet mit dem Ziel: Was gibt es bereits an Angeboten, was fehlt und was müssen Politik und Verwaltung dafür tun? Den Seniorinnen- und Seniorenbeirat sieht Bürgermeister Ingo Klokemann (SPD) dabei in einer tragenden Funktion. Es sei wichtig, „frühzeitig zu schauen, was ältere Menschen in unserer Gemeinde heute und in Zukunft brauchen. Mit dem Projekt schaffen wir eine gute Grundlage, um gemeinsam passende Lösungen für Wennigsen zu entwickeln.“

Der SPD-Regionsabgeordnete Jonas Farwig aus Wennigsen betonte, dass die Gemeinde gute Voraussetzungen mitbringe, um diesen Prozess erfolgreich zu gestalten. Mit Blick auf den im April 2025 gegründeten Seniorenbeirat sagte er: „Der Seniorenbeirat ist ein junges Gremium, das sich derzeit strukturiert und vernetzt. Er ist auf einem guten Weg und wird künftig eine wichtige Rolle dabei spielen, die Perspektiven älterer Menschen systematisch in politische Entscheidungen einzubringen.“ Farwig sieht sogar das Potenzial, dass sich Wennigsen „zu einer Vorreiterkommune in der Seniorenarbeit innerhalb der Region Hannover entwickeln“ könnte.

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