Für die nächsten fünf Jahre bestehe zwar keine Dramatik, sagt Pastor Wichard von Heyden, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Margarethengemeinde. „Wir haben aber nicht mehr viel Zeit: Wir müssen uns neu aufstellen und uns darum bemühen, zusätzliche Einnahmequellen zu finden“, stellt er klar. Etwa ein Drittel der Gebäude des Gemeindeverbandes sei auf Dauer nicht mehr aus Kirchenkreis- oder Landeskirchenmitteln zu finanzieren.
Der Pastor betont: „Das betrifft alle Gemeinden der gesamten Landeskirche.“ Hintergrund seien Entwicklungen, die seitens der Gemeinden nur begrenzt selbst zu beeinflussen wären: „Aktuell brechen die Kirchensteuereinnahmen stark ein – wegen der älter werdenden Bevölkerung, wobei es mehr Todesfälle als Taufen gibt“, berichtet von Heyden. Hauptgründe der Einnahmerückgänge seien aber zunehmende Kirchenaustritte und ein schwächeres Wirtschaftswachstum. „Es wird davon ausgegangen, dass in zehn bis 15 Jahren nur noch die Hälfte der aktuell eingenommenen Kirchensteuern zur Verfügung stehen wird“, so der Pastor.
„Wir müssen uns entscheiden, ob wir uns von Gebäuden trennen oder neue Nutzungs- und Finanzierungsmöglichkeiten finden“, berichtet von Heyden. Insgesamt betreffe das im Gemeindeverband 16 Gebäude, darunter vier Kirchen und vier Kapellen. Zum Verband zählen die Margarethengemeinde, die Kirchengemeinden in Lenthe, Leveste und Benthe sowie die Kapellengemeinden in Ditterke, Lemmie, Redderse, Northen und Everloh – mit ihren Gottes-, Pfarr- und Gemeindehäusern sowie insgesamt zurzeit 5258 Mitgliedern.
„Das sind alles Orte, die für Gemeinschaft stehen. Wir können sie nicht einfach aufgeben“, sagt von Heyden. In einem gemeinsam erarbeiteten Konzept für den Kirchenkreis sei aber festgehalten worden, dass mindestens eines der drei Pfarrhäuser in Gehrden und Benthe langfristig für diese Nutzung ausscheiden soll. „Das geschieht, sobald eine Stelle frei und nicht neu besetzt wird“, berichtet von Heyden.
Die Pfarrhäuser gelten demnach nur solange als gesichert, wie dort Pfarrpersonen wohnen und arbeiten. Mittelfristig sei damit zu rechnen, dass der Gemeindeverband in etwa zehn bis 15 Jahren nur noch über eine Pfarrstelle verfügen werde und ein Pfarrhaus als feste Struktur erhalten bleibe. „Dann können die beiden anderen Gebäude verkauft oder vermietet werden“, erläutert der Pastor die Pläne. Die Immobilien sollen möglichst im Besitz der Gemeinde bleiben, jedoch müsse Geld für die Unterhaltung erwirtschaftet werden.
Noch offen ist dabei, wie es mit dem Gemeindezentrum und dem alten Pfarrhaus an der Kirchstraße in Gehrden weitergehen soll. „Beide werden als Gemeindehäuser genutzt, aber es ist eine Konzentration erforderlich, für die genaue Konzepte entwickelt werden müssen“, so von Heyden. Eines der beiden Gebäude werde aus der kirchlichen Zuweisung herausgenommen. „Für dieses Haus muss eine alternative Nutzung oder Finanzierung gefunden werden“, sagt von Heyden.
Ein wichtiges Ziel: „Wir wollen mit unseren Gemeinden in der Fläche und in den kleinen Ortschaften weiter präsent sein.“ Es sei notwendig, dass der christliche Glaube in der Region überall ein „Zuhause“ habe. Dafür gelte es vor allem, die Kapellengebäude zu wappnen. „Deshalb werden jetzt alle notwendigen Instandsetzungen so erledigt, dass die Kapellen für die nächsten zehn bis 20 Jahre gesichert sind“, sagt von Heyden. Die Gotteshäuser sollen im Eigentum der Gemeinden bleiben und weiterhin landeskirchlich betreut werden. „Nach den Instandsetzungen gibt es aber vorerst keine Bauzuschüsse mehr“, berichtet der Pastor.
„Sollte sich bewahrheiten, dass künftig nur noch etwa die Hälfte der bisherigen Mittel zur Verfügung steht, ist Kreativität gefordert“, betont von Heyden. Im Mittelpunkt stehe eine Neuausrichtung: „Welche Gebäude können künftig anders genutzt oder finanziert werden?“, stellt der Geistliche die entscheidenden Fragen. Um weiterhin verlässlich Seelsorge und Gemeindeleben sicherzustellen, sollen schon jetzt die notwendigen Weichen gestellt werden.
Deshalb wird für Mittwoch, 18. Februar, um 19 Uhr zu einer Versammlung in das Gemeindezentrum in Gehrden eingeladen. Die Mitglieder sollen über die Pläne informiert werden, Fragen stellen und eigene Ideen einbringen, wie mit einer möglichen Halbierung des Etats umgegangen werden kann.
„Wir möchten alle Mitglieder einbinden: Es ist eine Gemeinschaftsaufgabe, unsere Existenz zu sichern“, betont von Heyden. Unter anderem sollen dauerhafte Finanzierungsmodelle gefunden werden – wie etwa eine Stiftung, ein Spendenfonds oder Fördervereine. Trotz der notwendigen Neuausrichtung bleibe es aber das Ziel, neue Mitglieder für eine lebendige Gemeinde zu gewinnen, so von Heyden.