Und da kommt wieder der Biber ins Spiel. Besonders zwei Dämme stauen das Wasser und schränken die Funktionalität des Wettberger Bachs merklich ein. „Die Lage ist sehr angespannt“, bestätigte Benjamin Vogel, Bauingenieur und Entwässerungsexperte der Stadt Ronnenberg. Der Wettberger Bach stehe so hoch, wie sonst nur zu den „nassen Jahreszeiten“. Und da es in letzter Zeit kaum geregnet habe, sei der Wasserstand nicht auf Niederschläge, sondern auf die Biberdämme zurückzuführen, betont Vogel.
Besonders gut sichtbar ist die Problematik beim Biberdamm auf Höhe des Wettberger Regenrückhaltebeckens. Dort tritt der Bach bereits über das Ufer – und auch das eigentlich als Trockenbecken vorgesehene Regenrückhaltebecken steht vollkommen unter Wasser. Dabei ist dieser Damm mit rund 60 Zentimetern nur etwa halb so hoch wie jener, der sich nahe der B217-Unterführung in Wettbergen befindet – dem größten im Stadtgebiet Hannover. Dort kommt es nur durch das höhere Ufer nicht zu Überschwemmungen. Doch Vogel betont: „Jeder weitere Regen könnte für vollgelaufene Keller sorgen.“
Klar ist, dass sich was ändern muss. Allerdings gilt das seit über zehn Jahren, und es gibt bis heute keine tragfähige Lösung. Der Grund: Biber stehen unter strengem Naturschutz, man kann die Dämme der Tiere nicht einfach so abbauen, geschweige denn den Biber abschießen. „Die Naturschutzbehörde entscheidet, wann ein Damm zurückgenommen werden kann“, erklärt Vogel. „Ein Biber braucht in seinem Lebensraum eine Wasserhöhe von 50 bis 60 Zentimetern, damit er durch seine Höhlen tauchen kann.“ Diese Höhe sei allerdings schon längst überschritten, inzwischen steht das Wasser im Wettberger Bach bei rund 1,20 Metern. Bis zuletzt fehlte aber das „Go“ von der Naturschutzbehörde, den Damm zu verkleinern.
Kurz vor Weihnachten gab es zumindest einen kleinen Durchbruch nach Gesprächen zwischen Naturschutzbehörde und der Stadtentwässerung Hannovers. Der Damm an der Unterführung sollte zurückgenommen werden, außerdem sollte ein Drainagerohr so verlegt werden, dass das Wasser quasi durch den Bau hindurchfließen kann, so Vogel. Auch der kleinere Damm am Regenrückhaltebecken sollte im Zuge einer Sondergenehmigung „gestutzt“ werden, da es dort zu Überschwemmungen kommt.
Kurzfristig seien diese Maßnahmen sinnvoll, gleichzeitig ist der Bauingenieur skeptisch: „Der Biber ist nicht dumm und wird das wieder aufbauen.“ Denn genau das hat er zuletzt immer wieder getan, wenn jemand sein Zuhause manipulierte. „Es kann sogar sein, dass er den Damm wegen des Drainagerohrs aufgibt und weiterzieht“, befürchtet Vogel.
Der Ingenieur kritisiert die aktuelle Gesetzeslage – das Naturschutzgesetz dürfe nicht über allem anderen stehen. Stattdessen brauche es eine Reform. Denn die aktuellen Maßnahmen seien zu pauschal. „Es werden immer 40 bis 50 Zentimeter vom Damm zurückgenommen“, erklärt Vogel. „Ob das für eine Kommune ausreicht, spielt wenig Rolle.“ Die Stadtentwässerung sollte mehr freie Hand bekommen im Umgang mit dem Biber, fordert Vogel. „Konkret führt die aktuelle Gesetzeslage dazu, dass das Regenrückhaltebecken, welches ursprünglich als trocken fallendes Becken konzipiert wurde, dauerhaft geflutet ist“, sagte Vogel. Dazu sei es in Empelde bereits vermehrt zu nassen Kellern gekommen. „Am wichtigsten ist es, in den Wintermonaten die Rechte zu haben, einen Biberdamm zu entfernen, wenn das Stadtgebiet negativ beeinflusst wird“, so Vogel.
Gleichzeitig wolle er die Nager nicht verteufeln. Vogel betonte: „Ich bin pro Biber, er schafft auch richtig viel Lebensraum.“ Allerdings könne der Biber sein Zuhause leichter woanders bauen, als der Mensch. Folglich brauche es künftig andere Lösungen. „Wir müssen langfristig mit dem Tier leben. Es braucht Maßnahmen, wo es darum geht, einem Biberdamm zu entgehen oder den Biber so zu stören, dass er sich dort nicht ansiedelt“, so der Ingenieur.