Mit Wehmut und unter Tränen
Die Henze & Bleck GmbH in Ronnenberg muss nach 45 Jahren aufgeben.Bis Ende Januar läuft noch der Räumungsverkauf im Gebäude am Mühlenrär.

Sie räumen schon ein wenig zusammen: Stefanie Bleck (links) und Martina Walde-Bleck.Foto: Stephan Hartung
Ronnenberg. An der Außenwand am Mühlenrär in Ronnenberg hängt ein großes Banner. „Räumungsverkauf“. Das kann auch die Veränderung eines Sortiments bedeuten – in diesem Fall hat es aber mit einer Geschäftsaufgabe zu tun. Die Firma Henze & Bleck GmbH schließt zum 31. Januar 2026. Und was bis dahin raus kann, muss raus. Die Aktion läuft bereits seit 1. November. Immerhin lagern hier auf 200 Quadratmetern insgesamt rund 15.000 Artikel.

„Wir sind ein klassischer Familienbetrieb. Hier sind auch noch Sachen, für die unser Vater gesorgt und bestellt hat“, sagt Martina Walde-Bleck. Dass ihr dabei die Tränen kommen, zeigt, wie viele Emotionen mit dem Ende dieser Ära verbunden sind und welche Wehmut vorhanden ist. Denn Henze & Bleck, wo vorwiegend Handwerker, deren Betriebe und Heimwerker eingekauft haben, schließt nach mehr als 45 Jahren Firmengeschichte.

Angefangen hatte alles in Ronnenberg in einer Garage nahe der früheren Fleischerei Knigge. Gerhard Bleck gründete die Henze & Bleck GmbH – und führte sie Zwei-Personen-Betrieb gemeinsam mit seiner Frau, den Namen Henze hatte er einer anderen Firma abgekauft und übernommen. Ob Werkzeuge, Eisenwaren, Trenn- und Schleiftechnik, Kleber und Dichtstoffe, Elektrowerkzeuge, Betriebseinrichtungen oder Befestigungstechnik – hier in Ronnenberg erhielt man alles. Die Kundschaft kam aus Hannover und Umgebung, aber auch aus dem weiteren Umland wie Wolfsburg oder Bückeburg. Ab etwa 1987 wurde es aber in der Garage zu klein, man zog in den heutigen Standort um. Zu Hochzeiten, das waren auch noch die Neunzigerjahre und der Beginn des neuen Jahrtausends, waren hier bis zu fünf Mitarbeiter beschäftigt – inklusive des Personals für Logistik, Einkäufe und Fahrdienste. Denn ein Lieferservice gehörte auch dazu.

Apropos Lieferservice: Eine kuriose Anekdote aus der Firmenhistorie stammt aus der Zeit vor der Expo 2000. In Hannover wurde das Gelände mit den diversen Hallen und Pavillons erbaut. Darunter befand sich auch ein markantes Holzdach. Dafür wurden ganz spezielle Schrauben benötigt. Der Baufortschritt war in Gefahr, denn keiner bot diese Befestigungsmittel an – bis auf Gerald Bleck. Er konnte sie über ein eigenes Netzwerk aus Hamburg von einem Großhändler besorgen. Über einen langen Zeitraum fuhr Bleck mit seinem Schwiegersohn Henrik Walde täglich spätabends nach Hamburg, packte 100.000 Schrauben ein, und brachte sie am nächsten Morgen zur Expo-Baustelle.

Ab dem Beginn der 2000er-Jahre ging es jedoch spürbar bergab mit dem Unternehmen. Wegen des aufstrebenden Onlinehandels, „aber auch wegen Umstrukturierungen der Firmen und deren Insolvenzen“, wie Stefanie Bleck sagt. Sie hat selbst noch bei ihrem Vater gelernt und ist mit ihrer Schwester nun allein im Betrieb. Und wickelt diesen jetzt ab, inklusive des Räumungsverkaufs. Geöffnet ist montags von 7 bis 14 Uhr und sonnabends von 8 bis 14 Uhr. Interessenten können sich auch anmelden unter (05109) 9013 für einen individuellen Termin.

Und wie geht es dann weiter? Zunächst ist klar, dass nicht alle Artikel verkauft werden – und mangels Lagermöglichkeit zu einer Sammelstelle für Schrott gebracht werden müssen. Das Haus an sich, in dem die Firma Mieter war, ist verkauft. Der Mietvertrag endet zum 31. Januar. „Damit wurde uns die Entscheidung auch ein wenig abgenommen“, sagt Martina Walde-Bleck. Der Eigentümer will das Gebäude abreißen und damit eine Zuwegung für die dahinter liegenden Wohnbebauung schaffen. Die beiden Schwestern wollen erst mal zur Ruhe kommen nach hektischen Tagen, und sich dann neu umschauen. „Wir werden beide bald 60, ein bisschen müssen wir noch arbeiten“, sagt Stefanie Bleck – und lacht.

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