Die Nachwuchspolitikin der Krise
Nur eine Bewerbung für das Jugendparlament in Wennigsen: Nach der geplatzten Neuwahl will die Jugendpflege mit Werbeaktionen mehr Interesse wecken

Die Skateranlage in Wennigsen ist auf eine Initiative des Jupa entstanden: Sie ist auch Jugendbürgermeister Jonas Müller wichtig.Foto: Stephan Hartung
Wennigsen. Noch steht die Nachwuchspolitik in Wennigsen nicht vor dem Aus, aber es lässt sich zumindest von einer Krise sprechen: Eigentlich sollte im Dezember 2025 ein neues Jugendparlament (Jupa) gewählt werden. Doch nach dem Ablauf der Amtsperiode gab es bis zum Ende der Bewerbungsfrist – Anfang November – nur eine einzige Kandidatur. Die Neuwahl fällt aus. „Das bisherige Jupa ist aber weiterhin aktiv“, versichert der Leiter der kommunalen Jugendpflege, Timo Röß.

Nach der geplatzten Neuwahl hat der Rat der Gemeinde Wennigsen einstimmig beschlossen, für März 2026 noch einmal Neuwahlen zu organisieren. „Es gibt einen großen Umbruch, weil einige der bisherigen Jupa-Mitglieder altersbedingt aufhören wollen“, beschreibt Wennigsens Bürgermeister Ingo Klokemann (SPD) einen Grund für einen größeren Kandidatenschwund.

Jugendpfleger Röß zufolge hat die Zahl der Mitglieder, die an keiner weiteren Amtsperiode interessiert seien, zuletzt erheblich zugenommen, weil altersbedingt bei vielen andere Verpflichtungen dazugekommen seien. Das Ausmaß lässt sich genauer beschreiben: „Es hören alle auf“, sagt Röß. Die einzige Bewerbung aus dem November stamme nicht aus dem Kreis der amtierenden Nachwuchspolitikerinnen und -politiker.

Bürgermeister Klokemann zeigt sich aber zuversichtlich, dass der nächste Wahlversuch erfolgreicher verlaufen wird: „Wir werden viel Werbung machen. Auch bei vergangenen Neuwahlen haben sich die Kandidaten immer sehr spät beworben.“

Die Jupa-Wahlperiode ist schon im vergangenen September abgelaufen. Nach den Wahlen vor zwei Jahren war ursprünglich geplant, dass die nächste Neuwahl zeitgleich mit der Bundestagswahl 2025 stattfinden sollte. Weil die Bundestagswahl aber vorgezogen wurde, war kein gleichzeitiger Urnengang möglich. Deshalb sollte Anfang Dezember 2025 ein neues Jugendparlament per Briefwahl bestimmt werden.

Dieser – inzwischen gescheiterte – Ablaufplan geht aus einer Beschlussvorlage der Gemeinde hervor. Für eine ausschließliche Briefwahl – nämlich dann, wenn die Wahl des Jugendparlaments nicht zeitgleich mit einer anderen Wahl geschehen werden kann – muss erst per Ratsbeschluss die Wahlordnung geändert werden. „Leider wurde bei der Planung übersehen, dass die Wahlordnung für das Jugendparlament diese Möglichkeit regelhaft nicht vorsieht“, heißt es in der Vorlage. Einen einstimmigen Beschluss gibt es nun. Für die Änderung der Wahlordnung hat die Gemeinde wegen des Kandidatenschwunds jetzt aber noch Zeit.

Laut Jugendpfleger Röß wollen die neun verbliebenen Jupa-Mitglieder dabei helfen, Nachfolger und Nachfolgerinnen zu finden. Vor allem in Schulen soll mit „erhöhter Präsenz“ Wahlwerbung und Kandidatensuche betrieben werden. „Es muss ein persönlicher Kontakt aufgebaut werden“, sagt Röß. Außerdem sei es notwendig, herauszustellen, dass durch „Partizipation und Beteiligung“ schnell und niedrigschwellig Projekte umsetzbar seien.

Auch Bürgermeister Klokemann setzt auf diese Werbestrategie: „Man kann Interesse wecken, wenn man aufzeigt, was das Jugendparlament als Interessenvertretung alles bewegen kann.“ In Wennigsen sei das Jupa mit vielen Rechten ausgestattet. „Die Mitglieder sind in allen Gremiensitzungen vertreten, sogar im Rat, und haben bei jedem Tagesordnungspunkt Rederecht“, sagt Klokemann.

Weil Jupa-Mitglieder antragsberechtigt seien, habe das Gremium sogar Einfluss auf das Haushaltsbudget. Unter anderem seien der Bau der Skateranlage in Wennigsen auf eine Initiative des Jupa zurückgegangen, nennt der Bürgermeister ein Beispiel. Ein Jupa sei wichtig, um junge Leute frühzeitig an die Kommunalpolitik heranzuführen.

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