Ärzte aus Gehrden helfen Flüchtlingen in Afrika
„Medizinbrücke Uganda“ heißt ein Projekt, an dem sich das Klinikum Robert Koch beteiligt. Beide Seiten profitieren.

Medizinische Zusammenarbeit: Anästhesiefachkraft Mary Basirika (links) und Pfleger Richard Akugizibwe aus Uganda unterstützen Dr. Janina Rühl bei einer Ultraschalluntersuchung im Klinikum Robert Koch Gehrden.Foto: Dirk Wirausky
Gehrden. Es ist kalt. Knapp über dem Gefrierpunkt. Ungewohnt sei das, meint Richard Akugizibwe – und lacht. Akugizibwe kennt ganz andere Temperaturen. Um die 30 Grad ist es in seinem Heimatland warm. Der 38-Jährige kommt aus dem ostafrikanischen Land Uganda. Genauer aus der nordwestlich gelegenen Stadt Kiryandongo. Dort arbeitet er als Pfleger in einem Krankenhaus. Für einige Wochen ist er zu Gast in Gehrden.

Die „Medizinbrücke Uganda“ ist ein Projekt des Antikriegshauses Sievershausen in Zusammenarbeit mit Ärztinnen und Ärzten des KRH Klinikum Region Hannover sowie der Human Rights and Development Organization (HUDO). Im Rahmen dieses Projekts erhielt er gemeinsam mit drei weiteren Medizinern und Pflegekräften aus Uganda die Möglichkeit, am Klinikum Robert Koch in Gehrden zu hospitieren.

In Gehrden koordiniert die 32-jährige Assistenzärzten Dr. Janina Rühl das Hospitationsprogramm der Medizinbrücke. Begonnen hat die medizinische Hilfe 2015. Medizinisches Material wurde in das afrikanische Land geliefert. Bislang gab es fünf Transporte. Dabei handelte es sich um „alte Geräte“, die in Deutschland nicht mehr gebraucht wurden. 90 Prozent der Krankenhausausstattung in Kiryandongo stammt aus der Region Hannover.

Im Frühjahr haben acht Mitarbeitende aus Gehrden ihre gewohnte Arbeitsumgebung gegen ein lokales Krankenhaus in Uganda eingetauscht – mit dem Ziel, medizinisches Wissen zu teilen und voneinander zu lernen. Die Einrichtung liegt im Kiryandongo Refugee Settlement im Norden des Landes, einer von der ugandischen Regierung organisierten Geflüchtetensiedlung mit rund 130.000 Menschen, darunter Geflüchtete aus dem Südsudan und der Demokratischen Republik Kongo. Eigentlich ist das Lager nur für 5000 Menschen angelegt worden. Entsprechend sind die Zustände.

Das Panyadoli Health Center stellt die medizinische Versorgung im Camp sicher. Neben geburtshilflicher Versorgung, Impfprogrammen und ambulanter Grundversorgung werden dort auch chirurgische Eingriffe ausgeführt. Dort erblicken rund 85 Kinder jede Woche das Licht der Welt – darunter zahlreiche Kaiserschnitte. Und das Team versorgt jeden Tag etwa 500 Patienten ambulant.

„Zu sehen, mit wie wenigen Arbeitskräften und mit welcher Ausrüstung sie dort auskommen müssen, macht wirklich demütig und dankbar für unsere Bedingungen in Deutschland“, sagt Rühl. Es sei unfassbar, unter welchen Voraussetzungen hochwertige Medizin geleistet werde.

Die Bedingungen in dem Krankenhaus seien extrem. Es fehle nicht nur an medizinischer Ausstattung, sondern auch an Personal - nur vier Ärzte und zwei Anästhesiepfleger gibt es; es mangele auch an Medikamenten wie Schmerz- oder Narkosemittel und an Geld. Völlig ungewohnt sei auch, dass Angehörige die Pflege der Patienten übernehmen müssten. „Es wird vor Ort gekocht und sogar geschlachtet“, berichtet Rühl. Und: Mit Sack und Pack kommen die kranken Menschen und ihre Familien in das Hospital - „oft nach Tagesmärschen“.

Ihre Kollegen und sie haben während ihres Aufenthalts voll mitgearbeitet. „Wir waren komplett im Stationsalltag drin“, sagt Rühl. Was in Deutschland kaum vorstellbar ist: Die Ärzte in Kiryandongo bringen in einem Moment ein Kind zur Welt, kurz darauf muss ein Nabelbruch versorgt werden und dann wartet ein Malariapatient. Eine Spezialisierung wie beispielsweise im Gehrdener Krankenhaus gebe es nicht, sagt Rühl. Und hochmoderne Technik wie MRT oder CT seien nicht vorhanden. „Es gibt noch nicht einmal ein Röntgengerät“, so Rühl.

Richard Akugizibwe und die Anästhesiefachkraft Mary Basirika sind vom Gehrdener Krankenhaus entsprechend beeindruckt. „Es gibt hier viele Spezialisten und moderne Technik für die unterschiedlichen Krankheiten“, sagt er. Auch die geregelten Abläufe sind für sie neu. Was Akugzibwe ebenfalls erwähnt: Die Menschen im Klinikum und die Patienten seien alle sehr warmherzig.

Ein Großteil der Ausstattung des Krankenhauses in Uganda stammt aus der Region Hannover. Seit dem Beginn der länderübergreifenden Zusammenarbeit 2015 werden regelmäßig von der Landeshauptstadt ausgemusterte Geräte nach Kiryandongo gespendet.

Auch ein Videolaryngoskop – ein medizinisches Instrument, mit dem man den Kehlkopf von Patienten auf einem Bildschirm sehen kann – wurde gespendet. Da es ein solches Gerät im Partnerkrankenhaus in Uganda nicht gibt, wird Anästhesiefachkraft Barisika in Gehrden am Laryngoskop ausgebildet.

Für Dr. Janina Rühl ist es wichtig, nachhaltig zu helfen. „Deshalb ist ein regelmäßiger, gegenseitiger Austausch wichtig“, meint die 32-Jährige. Beide Seiten würden davon profitieren.

Im Januar 2026 werden wieder Ärzte, Pflegekräfte und Hebammen aus der Region Hannover für drei Wochen in Uganda hospitieren. Das Projekt verstehe sich als Beitrag zu einer global vernetzten und verantwortungsbewussten Gesundheitsversorgung, heißt es auf der Homepage.

Informationen über die Medizinbrücke Uganda gibt es auf medizinbruecke-uganda.de.

Druckansicht