„Manchmal kommen die so schnell angerast, dass man kaum Zeit hat, auszuweichen“, sagt der 17-jährige Kerim, ein Schüler der 12. Klasse an der nahen Marie-Curie-Schule. Sein Klassenkamerad Luis teilt diese Meinung: „Sie fahren einfach ohne Rücksicht und achten nicht auf die Fußgänger.“ Besonders problematisch sei es, wenn man die Treppe hinunterkommt, berichten beide. „Sie gucken gar nicht, ob da jemand kommt“, fügt Kerim hinzu. Oft würden E-Scooter-Fahrerinnen und -Fahrer auch den für Fußgänger vorgesehenen Bereich benutzen, was besonders gefährlich ist, wenn sie plötzlich von der linken Seite heranrasen. „Das geht ohne Schulterblick gar nicht“, betonen die beiden und fordern mehr Rücksichtnahme im Straßenverkehr.
Nicht nur die Schüler beobachten ein riskantes Fahrverhalten. Der 14-jährige Gustav beobachte immer häufiger, dass zwei oder sogar drei Personen auf einem Roller fahren. „Das ist total gefährlich, sie könnten uns einfach umfahren“, warnt er. Auch Friedrich (15) bemängelt, dass viele E-Scooter-Fahrer schlicht zu schnell unterwegs seien. „Gerade in der Unterführung ist das ein echtes Problem“, sagt er.
Onur (16) hat am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich das Fahren mit mehreren Personen auf einem Roller sein kann. Zusammen mit zwei Freunden war er zu dritt unterwegs, als er das Gleichgewicht verlor und stürzte. Dabei zog er sich einen Schien- und Wadenbeinbruch zu. „Außerdem mussten wir noch 10 Euro Verwarnungsgeld zahlen“, erzählt er. Die 14-jährige Josi und die 13-jährige Jolina haben zwar selbst Interesse an einem eigenen E-Scooter. „Dann könnten wir auch zur Schule fahren, wenn die Üstra mal streikt.“ Sie betonen aber, dass sie niemals zu zweit fahren würden. „Das ist viel zu gefährlich“, sagen sie unisono. Ihre Sorge über die unsicheren Fahrmanöver anderer ist deutlich spürbar.
Im Gegensatz zu den Jugendlichen empfinden manche ältere Menschen die Nutzung der E-Scooter als weniger problematisch. Die 84-jährige Anne Steinhorst etwa geht täglich mit ihrem Rollator durch die Unterführung und hat bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht. „Mir ist noch niemand negativ aufgefallen“, sagt sie. Auch Eva Ludwig fühlt sich nicht unmittelbar bedroht, merkt jedoch an, dass Zwei- und Dreifachnutzungen immer wieder zu beobachten sind – vor allem nach Schulschluss.
Eine Empelderin, die anonym bleiben möchte, berichtet, dass sie den Weg mit ihrem Hund täglich passiert und immer wieder gefährliche Situationen erlebe. „Man muss gut aufpassen, auch wenn man auf dem für Fußgänger vorgesehenen Bereich unterwegs ist“, sagt sie. Für sie sei es besonders stressig, wenn E-Scooter durch den engen Raum flitzen, ohne Rücksicht auf andere Verkehrsteilnehmer zu nehmen.
Ein Thema, das immer wieder aufkommt, ist die Frage, ob es vor allem Mädchen oder Jungen sind, die sich auf den Rollern riskant verhalten. Eine genaue Antwort darauf gab es nicht. Wir beobachten vor Ort innerhalb kurzer Zeit, dass sowohl Mädchen als auch Jungen beteiligt sind – in zwei Fällen fuhren zwei Mädchen gemeinsam auf einem Roller, in einem weiteren Fall zwei Jungen. Auffällig war, dass die Mädchen in diesen Situationen uneinsichtig waren. Auf den Hinweis, dass sie nicht zu zweit fahren sollten, antworteten sie mit: „Wir tun es trotzdem.“
Die Polizei Ronnenberg bestätigt, dass sie regelmäßig E-Scooter im Streifendienst und bei Schwerpunktkontrollen auf Schulwegen überprüft. Vergehen wie das Fahren zu zweit, die Nutzung von Gehwegen oder das Fahren in falscher Richtung werden geahndet. Schwerpunktkontrollen wurden auch in Empelde und rund um die Marie-Curie-Schule vorgenommen. Seit 2020 wurden in Empelde 16 Unfälle mit E-Scooter-Beteiligung registriert. Die Altersgrenze für E-Scooter liegt bei 14 Jahren – auch das wird bei den Kontrollen überprüft.
Bislang gebe es keine systematischen Beschwerden über verkehrswidrige Nutzung in Empelde. „Wir beobachten die Entwicklung und werden bei Bedarf verstärkt kontrollieren“, sagt Kontaktbeamtin Sabrina Hilgers.
Die Polizei arbeitet zudem an Präventionsmaßnahmen, um Unfälle zu vermeiden und das Bewusstsein für sicheres Fahren zu schärfen. „Wir setzen verstärkt auf Prävention“, betont sie.