Ein Mini-Tunnel für die Bahnquerung
Arbeiten an der Verlegung der Kabel für die Stromautobahn Südlink:An der Bahnlinie zwischen Weetzen und Lemmie kommt eine besondere Technik zum Einsatz

Großes Gerät: Zwischen Weetzen und Lemmie treiben die Tiefbauer Spundwände in den Boden. Für das Südlink-Kabel werden hier Mini-Tunnel unter der Bahnlinie hindurch gebaut.Foto: Uwe Kranz
Weetzen/Lemmie. Es ist im Stadtgebiet nicht mehr zu übersehen: Die Bauarbeiten an der Stromautobahn Südlink haben auch Ronnenberg erreicht. An nahezu allen Straßen und Wegen, die die unterirdische Hochspannungsleitung passieren muss, haben Tiefbaufirmen im Auftrag des Netzbetreibers Tennet ihre Maschinen aufgebaut und treiben die Leitungen zunächst darunter hindurch. Dabei nutzen die Arbeiter fast überall die sogenannte Richtbohrtechnik, um die Straßen nicht auf breiter Flur zerschneiden zu müssen.

Lediglich an der Bahnlinie zwischen Weetzen und Lemmie hat die Firma Heisig größeres Gerät aufgefahren. Zur Querung der dortigen Bahnlinie müssen Mini-Tunnel unter den Gleisen geschaffen werden. Das verlange die Bahn so, berichtet Tennet-Sprecher Christoph Klapproth. Mit großen Kränen und Bohrmaschinen werden dazu auf dem Acker neben der Deisterstraße Spundwände im Boden verankert. Aktuell kämpfen die Arbeiter dabei auch mit dem nach den Regenfällen der vergangenen Tage schlammigen Boden.

An der Baustelle bei Weetzen entstehen andere Arbeitsgeräusche, als die der Bohrmaschinen an anderer Stelle, beispielsweise bei der Querung der Gehrdener Straße an der Biogasanlage. Mit nächtlichen Ruhestörungen, wie sie in den vergangenen Wochen in Weetzen beklagt wurden, will Klapproth aber nichts zu tun haben. „Das kann nicht von uns kommen“, stellt der Sprecher fest. An der Bahnquerung würde nur bis etwa 19 Uhr gearbeitet. Nächtliche Arbeiten müssten sogar zuvor beim Netzbetreiber angemeldet werden, erklärt er. Anders könnte die Sache im späten Frühjahr 2026 aussehen. In diesem Zeitraum seien nächtliche Schwertransporte – ähnlich wie die von Windkraftanlagen – geplant. Auf riesigen Rollen werden dann die Kabelstränge angeliefert. Dabei könne es auch Lärmbelästigungen geben, räumt Klapproth ein.

Anhand der Straßenquerungspunkte ist bereits jetzt in etwa zu erkennen, wie der Südlink durch das Calenberger Land im Allgemeinen und den westlichen Rand des Ronnenberger Stadtgebietes im Speziellen verlaufen soll. Den unmittelbaren Verlauf der Kabel an den Querungsstellen zeigen kleine gelb-rote Markierungen an, die in Reihen von beiden Seiten auf die Fahrbahnen zu laufen. Später sollen die verschiedenen Querungen durch Gräben verbunden werden, in denen die Kabel verlegt werden.

Wie Klapproth erläutert, sollen vielerorts die Gräben – mit einer kurzen Winterpause – gleich im Anschluss gezogen werden. Der Startschuss dazu ist in der Region Hannover bereits am Montag in Neustadt erfolgt. „Da hatten wir den ersten Grabenzug“, sagt der Sprecher. In die Gräben werden dann zunächst meist nur Leerrohre verlegt und die großen Furchen anschließend direkt wieder verschlossen. Netzbetreiber Tennet verspricht sich davon einen schonenderen Umgang mit dem Boden. Alle ein bis eineinhalb Kilometer werden dann Muffenplätze eingerichtet, an denen später die eigentlichen 525 Kilovolt-Gleichstromkabel eingezogen werden. Das werde aber frühestens im kommenden Frühjahr der Fall sein, kündigte Klapproth an. „Im kommenden Jahr wollen wir im Bereich der Region Hannover mit den Arbeiten fertig sein“, kündigt der Sprecher an. Die Inbetriebnahme des Südlinks, der dann in großen Mengen Windstrom von der Nordsee nach Bayern und Baden-Württemberg bringen soll, ist für 2028 geplant. Insgesamt soll er dann 700 Kilometer lang sein und vier Gigawatt transportieren.

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